be berlin?

vermummte gestalten kämpfen sich durch vereiste straßenschluchten. dicke stiefel an den füßen, mollige mäntel an den körpern, breite schals um die hälse und mal mehr, mal weniger schöne mützen auf den köpfen rutschen sie über die rutschbahnen, die die stadt berlin ihren bewohnern großzügig zur verfügung gestellt hat. die ganze stadt ist eine eisbahn – wer kann das schon von seiner stadt behaupten?

es begann am ende des jahres 2009. dazumal begann es, sehr ungewöhnlich für berliner winter, zu schneien. nicht einfach so ein paar flöckchen, das kennt man selbst hier und lächelt milde, weiß man doch, dass sie nicht lang überleben werden. nein, ganze schneetiefs ergossen sich über die hauptstadt, schnee in mengen, dass die in diesem winter unterversorgten österreicher mit neid gen deutschland schielten. die berliner stadtreinigung (bsr), in deren aufgabenbereich auch die befreiung der straßen von schnee und anderem wetterunbill fällt, sah sich einem problem gegenüber: wie sollte sie mit einem personalaufgebot, das kaum ausreicht, um die müllabfuhr in berlin täglich zu sichern, auch noch die straßen vom schnee räumen? und vor allem: womit? mit den kleinen schlorkofanten, die die gehwege von hundekacke befreien? oder mit den drei „winterräumfahrzeugen“? oder mit der einen salzschleuder? apropos salz. ja, salz gut. salz freund. salz hilft gegen schnee, hatte man in der leitungszentrale der bsr mal gelesen. also raus damit auf die straßen. war ja auch silvester, also mal den pariser platz ordentlich durchsalzen, damit der schnee weg ist. dass die silvesterfeieranten dank dieser brillanten entscheidung bis zum knöchel im wasser standen statt auf festgetretenem schnee – was solls. problem erkannt, problem gebannt. salz also. auch auf die straßen damit. immer druff. winter dauert in berlin nie lange.

aber dieser winter ist anders. er will und will einfach nicht weichen. und das salz ist alle. und nun? split. split gut, split freund. dass split auf frischem schnee etwa so wirkungsvoll ist wie – sagen wir mal – draufspucken, weil es höchstens dafür sorgt, dass der schnee schön in bewegung bleibt und nicht festgetreten werden kann… nunja, auch die bsr macht eben mal neue erfahrungen. und da sowieso immer alle meckern, hat sie beschlossen, den winterdienst ganz zu lassen. stattdessen hat die stadt noch eine neue einnahmequelle entdeckt: autos, die aufgrund der dort liegenden schneeberge nicht direkt am straßend parken, werden mit einem strafzettel beklebt, weil sie den verkehr stören. bravo, berlin! dein geschäftssinn sucht seinesgleichen!

das ergebnis nach wochenlangem frost und nun tauwetter am tag und frost in der nacht? die nebenstraßen sind mit einer eiskruste überzogen. die hauptstraßen locken mit kleinen seen an den kreuzungen zum winterbad. gehwege im üblichen sinne gibt es nicht mehr, sie sind überzogen mit einer etwa 10 cm dicken, unebenen eisschicht, der nur noch mit einer spitzhacke beigekommen werden könnte. im eis eingefroren: split. darauf: wasser. an den wegesrändern: festgefrorene ehemalige schnee-, jetzt eisberge. und so ist jeder berliner, der zu fuß unterwegs ist, momentan seine eigene titanic, immer auf ausweichkurs vor schnee und eisbergen. und doch dem untergang geweiht.

es sieht aus wie in einem endzeitdrama. und doch ist es leider bittere realität. die hauptstadt hat kläglich versagt und als berliner möchte man sich den ganzen tag entschuldigen. menschen mit gehbehinderungen sind seit wochen ans haus gefesselt, auf diesen wegen mit krücken oder rollator zu gehen käme einem freiwilligen fenstersprung aus dem 2. stock gleich. rollifahrer benutzen inzwischen die straßen, weil sie auf den wegen nicht fahren können. davon, dass der ohnehin angeschlagene öffentliche nahverkehr berlins mit diesem winter völlig überfordert ist, spricht schon keiner mehr. mit dem dicken frost im dezember sind nochmal 25 s-bahnen ausgefallen. es wird zeit, dass es frühling wird…

be berlin? im winter besser nicht.

5 Responses

  1. Daniel Bäzol Says:

    Haha, Berlin, jaja, aber komisch, hier in Leipzig ist es genau das selbe.

    Für mich unverständlich, daß die Salzpreise um 400% gestiegen sind. Da macht doch mal wieder jemand ordentlich Kohle und zieht noch ordentlich Kohle aus dem ohnehin schon leeren Stadtsäckchen.

    Schweinerei mit den gepfefferten Salzpreisen.

    Gruss aus dem eiszeitlichen Leipzig

  2. Frau Eiskalt Says:

    Ich mag nicht mehr. Hals & Beinbruch bekommt dieser Tage eine völlig neue Bedeutung. Und das was auf dem „Salzmarkt“ abgeht, ist tatsächliche ne große Schweinerei. Noch mehr ärgert mich die Unflexibilität auf die Situation zu reagieren – wo ist das Problem Sand oder Split zu nehmen??? Macht sich auf den Gehwegen sowieso besser als Salz.

    Wenigstens scheint heute mal wieder die Sonne – das macht das Ganze erträglicher.

  3. PloedeQ Says:

    Man kann wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln. Bin heute vormittag auch bergab geschliddert, hab mich von Baum zu Baum gehangelt und ab und an hat’s mir den Absatz weg gezogen. Trotzdem war ich noch schneller als die alte Dame die vor mir die Boddinstraße versuchte runter zu laufen. Am Ende haben wir uns gegenseitig mit Einhängen unterstützt und sind gerade noch so unbeschadet in der Karl-Marx-Str. gelandet..

    it’s time for spring!!

    LG

  4. Oliver Says:

    Tröstet es Euch, wenn ich Euch sage, dass im Westerwald heute noch dick Schnee liegt aber trotzdem alles klar geht, ich dafür aber als ICE Fahrer leidgeprüft bin..

  5. Stefie Says:

    Moin Moin aus Hamburg,
    also auch in der Weltstadt Hamburg sieht es aus wie bei euch. Aber wir können mit noch mehr Wahnsinn aufwarten. Bei uns streiken nämlich jetzt auch noch zusätzlich die Leute vom Winterräumdienst, um mehr Kohle zu bekommen, so dass, wenn es wieder etwas Streusalz geben würde, niemand da ist, um es zu verteilen.
    Da bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als weiterhin vorsichtig durch das Winterwonderland zu walken.
    In diesem Sinne
    Hals und Beinbruch!

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