ostergedanken

am sonntag ist ostern, der tag, an dem jesus wieder auferstanden sein soll, nachdem er am karfreitag gekreuzigt worden war. und es gibt wohl kaum einen besseren zeitpunkt, sich über seinen glauben und die institution kirche gedanken zu machen, als das höchste fest der christenheit.

als jesus damals seine jünger um sich scharte und damit eine kleine religionsgemeinschaft gründete, waren sie eine radikale jüdische sekte. sie gingen soweit, dass sie sich am schabbat einfach hinlegten und bis zum ende nichts taten. nicht einmal austreten gingen sie. sie ließen laufen. trotzdem wird jesus immer als gegenpol zum judentum angesehen. was er nicht ist. im gegenteil. der junge jesus, der da beseelt von seiner idee eines liebenden gottvaters hinausging, war durch und durch jude. erst die kirche hat ihn zu dem gemacht, den wir heute kennen. in den evangelien zeigt sich bereits der erste einfluss der institution kirche: während seine herkunft und sprache im ersten evangelium noch genannt werden, sind sie im letzten kein thema mehr. der jude wurde aus jesus herausgeschrieben.

hinzu kommt, dass die vier evangelien, die wir im neuen testament haben, von kirchenmännern aus einer vielzahl von envangelien ausgesucht worden sind. man hat sich die ausgewählt, die den machtwillen der jungen christlichen kirche am besten unterstützt haben. ebenso hat man von anfang an am übersetzungsfehler „jungfrau“ statt „junge frau“ bei maria festgehalten. um die wunder hervorzuheben, die mit jesus verbunden sind.

dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. dieser junge mann war an sich schon großartig genug. schließlich hat er es geschafft, eine ganze menschenmenge um sich zu scharen. sie alle wollten an versöhnung glauben, an einen liebenden gott, eine bessere zeit. die römer hielten palästina besetzt und wo immer die römer waren, lief es nicht eben fair ab. das war auch hier so. die bevölkerung wurde unterdrückt. außerdem waren die pharisäer mehr an ihrer eigenen machterhaltung und ihrem geldbeutel interessiert. nicht umsonst gibt es die episode, in der jesus in den tempel kommt und den dort stattfindenden markt wütend auflöst.

eben diese pharisäer, aber auch der römische statthalter pontius pilatus, mussten jesus als gefahr ansehen. für die einen bedeutete er machtverlust, für den anderen die gefahr eines aufstandes. und so können wir davon ausgehen, dass die entscheidung, jesus zu kreuzigen, durchaus im gegenseitigen einvernehmen stattfand. also starb jesus mitnichten für unsere sünden, sondern aus reiner machtgier einiger weniger.

die kirche, die daraus hervorging, hätte die chance gehabt, die fehler der pharisäer auszubügeln und eine institution zu schaffen, in der es um demut, gottesglauben und versöhnung geht. um zu beweisen, dass jesus nicht umsonst gestorben ist. doch auch sie hatte nichts besseres zu tun, als reichtümer an sich zu reißen und macht aufzubauen. es ging der kirche nie um gott. es ging immer um geld. insofern kann man den spruch „geld regiert die welt“ durchaus wörtlich nehmen.

das papsttum und alles, was damit verbunden ist, ist eine demonstration der vermessenheit. wie kann ich wagen, einen menschen als stellvertreter gottes zu bezeichnen? wer gibt mir das recht? und wieso wird dieser stellvertreter von menschen gewählt? denen es doch auch wieder nur um den erhalt ihrer interessen geht? wieso kann eine kirche von ihren schafen den zehnten ihres gewinns fordern? die früchte dieser politik sieht man überall: riesige kirchen, prächtige kathedralen, die obersten der katholischen kirche in unmengen gold und purpur, goldene kelche und anderer tand.

während die katholische kirche ihren eigenen vertretern das zölibat auferlegt, lebt die institution selbst in saus und braus. nix mit demut, armut und versöhnung, der besinnung auf die christlichen werte. anders kann man auch die kreuzzüge nicht erklären. ein verbrechen an der menschlichkeit, organisierter völkermord. auch hier ging es nicht vordergründig um die heiligen stätten oder die mission. es ging um die schätze, die man im heiligen land vermutete.

und darum schrieb ich heute auf twitter:

ostergedanken: ob jesus seine ideen damals auch hätte verlautbaren lassen, hätte er geahnt, wieviel leid in seinem namen geschehen würde?

und noch etwas. wenn die kirche von einer 2000jährigen christlich-jüdischen tradition spricht und in dem zusammenhang von versöhnung und anderem mehr, so ist das eine äußerung, die an zynismus kaum zu überbieten ist. die einzige tradition, die christentum und judentum 2000 jahre lang verbunden hat, war der antisemitismus der kirche. wie kann ich behaupten, jemandem in freundschaft verbunden zu sein und gleichzeitig noch heute das märchen der jüdischen christusmörder erzählen? wie kann ich behaupten, jemandem in freundschaft verbunden zu sein und dann nach dem genozid des 2. weltkrieges den mördern und tätern unterschlupf und fluchthilfe gewähren?

p.s.: bevor es zu diskussionen kommt: ich glaube an gott, habe mich mit 12 jahren aus freiem willen protestantisch taufen lassen und stehe auch dazu. meine vorstellung von glauben ist nicht an eine institution gebunden. und allein die institution kirche ist es, die ich kritisiere. nicht die glaubenden.

2 Responses

  1. Tweets die ostergedanken | Rachel Lindenbaum erwähnt -- Topsy.com Says:

    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von rachel lindenbaum und gesundheit, pnull erwähnt. pnull sagte: RT @rachelzwitscher: frisch gebloggt: ostergedanken http://rachellindenbaum.de/1053/ostergedanken […]

  2. Paschasius Says:

    Ostern ist der Glaube an Auferstehung.
    Ganz einfach!
    Religion hat die Aufgabe Menschen einen Halt in seiner Unsicherheit zu geben.
    Danach wurden Versicherungen eingeführt.
    Lebens und Kranken Versicherung Nun langsam merkt man wie wenig auch diese wert sein können.
    Man kann alles Hinterfragen, doch immer spiegelt sich nur die Meinung wieder die dann als Wahrheit bezeichnet werden. Oder wie Kon Fu tse sagte: Es gibt die Wirklichkeit Wahrheiten gibt es so viele wie Meinungen über die Wirklichkeit

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