respekt, ehrlichkeit und andere werte

werte haben und leben – das klingt unglaublich gut und immer ein wenig nach gutmenschentum. und jeder von uns würde von sich jederzeit behaupten, werte zu haben und zu pflegen. und doch winkt der verfall von werten, besonders in zwischenmenschlichen beziehungen, an jeder ecke. besonders hässlich ist diese fratze im internet.

ich habe selten so oft von betrug, versuchtem betrug, offenen beziehungen, kaputten beziehungen und beziehungsgestörten menschen gehört und gelesen wie in den letzten monaten. je tiefer ich in diese welt 2.0 vordringe, desto klarer wird mir die dunkle seite. selbstbetrug und feigheit sind hier ebenso an der tagesordnung wie fremdgehen und stalken.

sicher sind dies keine phänomene des internets, ich glaube aber schon, dass die schnelle welt 2.0 dies durchaus begünstigt. und es ist auch kein generationenproblem. es betrifft alle altersklassen. es betrifft auch beide geschlechter gleichermaßen.

respekt? fehlanzeige. ehrlichkeit? wozu denn. wenn eine beziehung nicht mehr so läuft wie früher, wird eben einfach rechts und links vom heimischen bett probe gelegen. und ich bin der festen überzeugung, dass auch männer nur dann fremdgehen, wenn sie in ihrer situation unzufrieden sind. von wegen hormone und alkohol. am schlimmsten finde ich die aussage: „es war nicht wichtig, es hat nichts bedeutet.“ warum macht man es dann? wenn es nichts bedeutet und nicht wichtig ist?

ich habe oft das gefühl, dass die konfliktfähigkeit und der willen zur problembewältigung immer weiter zurückgehen. niemand will mehr wirklich verantwortung übernehmen. irgendwie wollen alle single bleiben, auch wenn sie in beziehungen sind. der respekt voreinander ist nicht mehr vorhanden. der respekt vor der institution beziehung oder gar ehe ist nicht mehr vorhanden. es ist ein wenig wie im spanischen sprachgebrauch. da ist das wort „verheiratet“ grammatikalisch ein vorübergehender, offener terminus, „geschieden“ jedoch ein endgültig festgelegter.

was ist so schwer daran, erst eine beziehung zu bearbeiten oder auch zu beenden, bevor man die alternativen ausprobiert? was ist so schwer daran, ein wenig verantwortung für diese verbindung zu übernehmen, die man irgendwann einmal mit rosa herzchen in den augen eingegangen ist? was ist so schwer daran, wenigstens soviel respekt für den anderen aufzubringen, dass ich ihn nicht betrüge, belüge und ihm dabei auch noch gerade in die augen schaue?

7 Responses

  1. Pooly Says:

    Hallo,

    ich unterschreibe deinen Beitrag dreifach und doppelt. Meinetwegen auf vierfach!

    Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Lieber gar keine Beziehung, als jemanden aus dem Internet.

    Allerdings war es auch schon zu Web 1.0 Zeiten so.
    Das Internet bleibt und ist ein Sammelbecken für Beziehungsgestörte oder andere „debile“ Persönlichkeiten.

    Es ist einfacher sich seine Freunde und Beziehungen zusammen zu klicken, als diese zu pflegen etc.

    Leider steht man mit deiner (und wie gesagt auch meiner) Meinung nach oftmals leer da.

    Eine andere Interesante beobachtung habe ich allerdings auch noch gemacht:
    ALLE Beziehungen in meinem Bekanntenkreis, die glücklich sind (zumindest scheint es zu sein) haben NOCH NIE im Internet gesucht bzw. lehnen das Internetdating komplett ab!

    Wie auch immer.
    Danke für den treffenden Beitrag!

  2. Markus Says:

    Hi Rachel

    ich glaube, Du gibst Dir die Antwort selber: Weil es manchmal schwer ist, weil man dafür arbeiten muss und die Gefahr des Scheiterns in Kauf nehmen muss. Da gehen viele wohl eher den vermeintlichen einfachen Weg.
    Man könnte es auch Feigheit nennen…
    lg Markus

  3. scoottery Says:

    Jawoll! Sehr guter Post! Ich unterstreiche jedes Wort doppelt und in Rot!

  4. Frau Eiskalt Says:

    I agree.

  5. hühnerschreck Says:

    im prinzip full ack.
    aaaaaber: im web rennen genauso viele beziehungsgestörte + vollpfosten rum wie im leben 1.0 – nur ist es für das uneheliche kind von einem gargoyle und karel gott im netz deutlich einfacher, eine identität (inkl. falschem bild) zu erfinden, die amdere nicht direkt verschreckt.

    übrigens kann man im netz entgegen anderslautenden meinungen tatsächlich einen guten partner finden. mein zukünftiger mann ist der schlagende beweis – wir haben uns bei „alt.ok“ kennengelernt, sind jetzt über 4 jahre zusammen, glücklich miteinander und heiraten kommenden sommer.

    das impliziert aber für uns beide, dass man an sich selbst arbeitet, die bereitschaft zu kompromissen – und vor allem den wunsch, sich aufeinander einzulassen, mit all den vorhandenen macken und „fehlern“. was soll ich sagen? – es funktioniert :o)

    ich gebe trotzdem zu, dass ich im rahmen meiner suche auch ne menge … öhm … seltsamer männer getroffen hab. die entpuppten sich jedoch – wie oben bereits gesagt – sehr schnell als spacken.

  6. Oliver Says:

    .. und mit dem Thema „fehlender Respekt“ bist Du nicht alleine, wie wir seit gestern wissen.

  7. sandra Says:

    in die augen schauen brauchen diese menschen dir ja nicht, sie verstecken sich hinter ihrem pc , beleidigen pöbeln und fühlen sich total gut damit ! ich versuche mir immer wieder zu sagen, dass ich ja weiß wie es wirklich ist und wie ich bin, und solche menschen habe eh einen an der murmel (mal salopp ausgedrückt) . es tut schon weh irgendwie aber ich erlebe es auch real wie respektlos manche menschen sind…da muss man nen dickes fell bekommen !

    grüsse

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