dass eure rachel etwas ganz besonderes ist, wisst ihr ja schon. nur heute fiel auch mir mal wieder ein, warum das so ist und warum ich nur texterin werden konnte und nichts anderes.
der stein des anstoßes war, dass ich mit dem fahrrad an einem postamt vorbeikam. genauso stand es am haus: “postamt”, in alter verschnörkelter schrift, mit diesem “s”, das fast aussieht wie ein “f”. und mit einem mal sprang mir eine erinnerung wieder ins gedächtnis. vor meinem inneren auge poppte ein bild aus einem urlaub in kindertagen auf. ich war noch nicht in der schule damals, ich glaube, es war der sommer vor dem schulanfang. und ich stand mit meinen eltern: richtig. vor einer post. an dieser prangte ebenfalls das wort “postamt”, allerdings nicht in alter schrift. und klein rachel stand angestrengt gegen die sonne blinzelnd vor diesem haus und setzte die buchstaben aneinander. einen nach dem anderen. und verkündete schließlich mit stolzgeschwellter brust: “pooostamt. postamt!”
das war der beginn einer leidenschaftlichen liebe zu buchstaben und texten. während die anderen kinder sich in der ersten klasse mit “mama im (bild vom garten)” abmühten, las rachel unter der bank “timm thaler und das verkaufte lachen”. bald reichte mir lesen allein nicht mehr, sobald ich alle schreibbuchstaben gelernt hatte, begann ich auch zu schreiben. kleine geschichten und märchen. (ich müsste direkt mal nachschauen, ob davon irgendwas erhalten ist.) diese versah ich sogar mit kleinen illustrationen, die allerdings damals wie heute weit hinter der qualität meiner texte hinterherhinken. ich bin definitiv eher für die abstrakte kunst gemacht, zumindest was die bildliche darstellung von dingen und wesen angeht. war ich mit meiner geschichte zufrieden, lochte ich die handgeschriebenen blätter, band sie mit bunten bändern zu heftchen und überreichte sie feierlich meinen eltern.
als ich 13 war, hatte ich die kinderabteilung der bibliothek durch. also zumindest hatte ich dort alles gelesen, was mich auch nur ansatzweise interessierte. vom weiblichen elternteil bekam ich immer wieder bücher ans herz gelegt, unter anderem robinson crusoe. den habe ich sogar dreimal gelesen, allerdings nur um zu versuchen zu verstehen, was daran denn so toll sein soll. ich mochte tiergeschichten (pony pedro etc.) und märchen und sagen. mit 13 war ich aber wie gesagt durch und begab mich zum ersten mal in die erwachsenenabteilung der bibliothek. wow! eine noch größere welt voller ungelesener bücher! meine erste wahl fiel ausgerechnet auf “die verwandlung” von kafka. ich hatte in meiner pubertät einen hang zu horrorgeschichten und dachte, dass das wohl so etwas wie “die fliege” sein würde. ich mag kafka bis heute nicht.
bis heute liebe ich bücher. mein halbes jahr in der kinderbibliothek hat mir viel gegeben, weil ich sehen konnte, dass es noch lange nicht zeit ist, die hoffnung auf eine lesewütige jugend aufzugeben. mit meiner selbst gemachten märchenralleye konnte ich auch lesemuffel zum lesen bringen und beim vorlesen für die ersten und zweiten klassen war es meist gaaaaanz still, weil alle ganz gespannt gelauscht haben. der anblick der kinder erinnerte mich immer an meine kindheit und meinen lesehunger.
ich liebe buchstaben, ich liebe wortspiele, ich liebe es, zu schreiben. mein schönster lohn ist, wenn ein kunde mir mitteilt, dass er meine arbeit mag und er dann auch wiederkommt. das größte lob sind natürlich kolleginnen aus dem texttreff, die mit mir zusammenarbeiten und das immer wieder gern tun. ich liebe meine arbeit und stecke mein gesamtes herzblut in meine texte. und ich denke, das merken auch meine kunden und natürlich ihr, liebe leser.

August 16th, 2010 at 19:18
ja, weiter so!
August 23rd, 2010 at 12:29
Das Besondere an Kafka ist, dass ihn _niemand_ mag. Das schaffen nur Wenige und deshalb war er ein ganz Grosser. Genau wie Schlingensief. Und vielleicht irgendwann Friedmann.
September 2nd, 2010 at 07:44
Zitat Kafka: „Nur die Nächte mit Schreiben durchrasen, das will ich. Und daran zugrundegehn oder irrsinnig werden, das will ich auch…
Wirklich, ein ganz Großer