die zentrale der bekloppten und idioten

neukölln ist bevölkert von bekloppten und idioten. ich weiß es, ich wohne da. ergo bin ich wohl auch bekloppt und befinde mich daher in guter gesellschaft. in den medien ist neukölln der berliner problembezirk, der in puncto kriminalität, aggressivität und depression kreuzberg längst überholt hat.

ein bezirk, in dem es zahllose parallelgesellschaften gibt, in denen deutsche in ihrer eigenen stadt ausländer sind. ein bezirk, in dem man keine straße überqueren kann, ohne von einer jugendgang angegriffen zu werden, deren anführer ein handy um den hals hängen hat, aus dessen lautsprecher musik von bushido oder sido schallt. ein bezirk, in dem in den mietskasernen in der waschküche ziegen und schafe geschächtet werden und fünfmal am tag der muezzin vom dach zum gebet ruft. ein bezirk, in dem fast jeder arbeitslos und überschuldet ist, schwarzarbeiter und sozialschmarotzer wohnen, die depression vorherrscht – kurz: kein lebenswerter ort.

manche der vorurteile stimmen, manche nicht. manches wird übertrieben, manches untertrieben. fakt ist: nach zwei jahren in neukölln kann ich sagen, dass ich trotzdem gerne hier lebe. und das, obwohl ich zwei jahre direkt neben der zentrale der bekloppten und idioten gewohnt habe. in meinem jetzt ehemaligen haus finden sich auf den klingelschildern kaum deutsche namen. wenn sie deutsch sind, dann kann man davon ausgehen, dass es studenten sind. oder meine ehemaligen nachbarn. obwohl, deren name klingt auch nicht wirklich deutsch. und obwohl man gerade den mietern mit migrationshintergrund einen höheren geräuschpegel unterstellt, hatte ich in zwei jahren immer nur wirklich ärger mit meinen deutschen nachbarn.

es begann etwa zwei monate nach meinem einzug. nach einer kleinen party in der firma an einem freitag abend kam ich gegen 1.30 nach hause. also ich stieg aus dem bus. die bushaltestelle befindet sich zwei straßen von meiner ehemaligen wohnung entfernt. schon dort konnte ich hören, dass irgendwo laut musik gespielt wird. ich ging also in richtung meiner straße. und die musik wurde lauter. ich stand vor meinem haus und stellte fest, die musik kommt aus meinem haus. und es war deutscher schlager vom obersten regal. ich ging die treppen rauf und stellte fest, die musik kommt aus meiner nachbarwohnung. herzlichen glückwunsch. am nächsten morgen musste ich um 7 aufstehen. also wartete ich eine pause zwischen zwei liedern ab und klingelte.

mir öffnete ein offensichtlich alkoholisierter mann mit glasigen augen. er sah aus wie jemand, den man im fernsehen vor die kamera zerrt, wenn man eine doku über neukölln machen will. ich wies ihn darauf hin, dass es ja schon spät sei und lange nach 22 uhr und ich doch gern schlafen würde. jaja, sie würden die musik leiser machen. nun ist mein altes haus sehr schlecht schallisoliert. also de facto ist eine schallisolierung nicht vorhanden. drüben wurde also weiter gefeiert, zwar bei leiser musik, aber lauter unterhaltung. nun gut, man hat ja watte. daraus kann man sich prima ohrstöpsel formen. ich legte mich also hin, war gerade am einschlafen – und stand senkrecht im bett. meine ehemaligen nachbarn haben einen spleen. sie haben immer ein lieblingslied, das sie gern in dauerschleife oder immer wieder in kurzen abständen abspielen. und das muss natürlich laut sein. inzwischen war es 3 uhr morgens. hätte ich die polizei gerufen, wäre ich wahrscheinlich aufgefordert worden, doch bitte erstmal die musik leiser zu machen, so laut kam es von drüben. ich muss dazu sagen, dass das einzige zimmer meiner alten wohnung quasi direkt an die anlage meiner nachbarn grenzte.

ich schlurfte also in pyjama wieder rüber und klingelte – richtig, zwischen zwei liedern. für die pausen zwischen den liedern möchte ich der musikindustrie an dieser stelle meinen dank aussprechen. es öffnete der gleiche mann, offenbar hatte er in der zwischenzeit den rest des bierkastens oder der schnapsflasche inspiziert und für gut befunden. jedenfalls fiel es ihm schon sehr viel schwerer, mir zu folgen, dabei die augen offen zu halten und seine muttersprache zu benutzen. jaja, sie machen leiser….

ich wieder in mein bettchen, katze dazu, wieder am einschlafen – und stehe wieder senkrecht im bett. mittlerweile war es 4. und ich hatte noch drei stunden bis zum aufstehen. wieder rüber, inzwischen sehr zerknirscht. mein schlaf ist mir heilig und jeder, der ihn stört, muss mit standrechtlicher exekution rechnen. mir wurde geöffnet von dem gleichen mann, der sich inzwischen offenbar an sämtlichen schnapsresten im haushalt vergangen hatte und selbst im stehen schwankte. ich gab freundlich aber bestimmt einen hinweis auf die uhrzeit und darauf, dass ich nun schon zum dritten mal da wäre und jetzt doch endlich schlafen wolle weil ich früh aufstehen müsse. es gäbe schließlich auch die möglichkeit, das ganze mit hilfe der polizei zu klären. und dann kam der knallersatz schlechthin: „ihr vorgänger war da toleranter.“ ohoh, ganz schlecht. mich erst wecken und dann als intolerant zu bezeichnen, wenn man selbst gegen regeln vestößt. ich erklärte ihm, dass es nun mal eine ein-raum-wohnung sei und ich nicht ausweichen könne und … „wieso, das ist doch ne zweiraumwohnung? war es immer“ öhm, nein, nicht, dass ich wüsste. zumindest hätte ich bisher kein zweites zimmer gefunden und schließlich ist es auch unerheblich, denn es ist mitten in der nacht und ich will pennen. punkt. aus. ende.

das ende vom lied? sie haben die musik tatsächlich ausgemacht, dafür aber bis zu meinem aufstehen weiter im wohnzimmer gesessen und geredet – meine ex-nachbarn sind sehr kommunikativ, sie reden eigentlich immer. ich bin um 7 sehr zerknittert aus dem bett gestiegen und war den ganzen tag in der firma nicht wirklich zu irgendetwas zu gebrauchen. als ich dann nachmittags nach hause kam, wollte ich mich hinlegen und ein wenig schlaf nachholen. und ratet mal, wer gerade wieder wach wurde?

und bei euch so?

4 Responses

  1. mahrko Says:

    hihi herrlich zu lesen, mein beileid aber, ich kenn solche nachbarn auch 😉 hast es ja selber gelesen. nur die straßen ums haus ist es ein wenig sicherer trotz der nähe zum hbf. naja kleine großstadt halt 😉

    http://blog.mahrko.de/2009/06/08/freak-wg-aus-dem-zweiten-stock/

  2. mahrko Says:

    PS: Irgendwie fehlt mir bei deinem Blog das Datum vom Artikel. Vielleicht kannst du das deinem Theme ja noch beibringen, sonst gefällt mir das grüne hier sehr gut.

  3. rachel Says:

    ich rede mal mit der kuh, vielleicht lernt sie das ja noch mit dem datum 🙂

  4. rachel Says:

    neukölln ist in puncto gefährlichkeit total überbewertet. sind alle ganz lieb hier. beweis? ich lebe noch und ich gehe seit mehr als zwei jahren hier aus und komme nachts erst nach hause… 😀

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