rat-schläge.

in der letzten zeit habe ich mir mal den spaß gemacht, beziehungsratgeber zu lesen. aus gründen. namentlich waren das „männer sind anders. frauen auch“ von john gray und „warum männer lügen und frauen immer schuhe kaufen“ von barbara und allan pease.

die quintessenz aus diesen büchern: männer und frauen haben deswegen probleme, weil die frauen sich weiterentwickelt haben und die männer nun verwundert aus ihrem tierfell schauen, weil die höhle leer ist. frauchen ist nämlich unterwegs, arbeiten. sie kauft sich ihr mammut von ihrem eigenen geld und braucht den mann im grunde nicht einmal mehr zum kinderkriegen. zumindest muss er dafür nicht körperlich anwesend oder gar aktiv sein. wozu gibt es samenbanken. (die kommen übrigens dem männlichen bedürfnis, sich weitmöglichst zu vererben, sehr entgegen. aber das nur am rande.)

nun wäre meiner meinung nach der logische schluss aus dieser tatsache, dass die männer sich ebenfalls emanzipieren und mit der neuen situation umgehen lernen. nein. weit gefehlt. beide ratgeber bläuen den frauen ein: habt verständnis für euren neandertaler, er kann nicht anders. mit anderen worten: frauen haben verständnis, männer ihren spaß. frauen machen kompromisse, männer ihr ding weiter. weil: die brauchen das ja.

der rat an die männer in beiden büchern: hört euren frauen zu und nehmt sie in den arm, dann sind die auch wieder zahm. da steht nicht etwa: kommuniziert. da steht auch nicht: rennt nicht immer in eure höhle, wenn euch was nicht passt. da steht bestenfalls: sagt bescheid, bevor ihr in die höhle geht. dass das für eine frau jetzt auch nur partiell besser ist als eine klärung, bleibt außen vor. mann braucht höhle, frau lässt mann in ruhe. grumpf. sonst keule.

beide bücher „verraten“ den männern (welcher mann liest eigentlich solche bücher?), dass frauen über ein punktesystem verfügen. john gray gibt zu, dass männer das auch haben. er behauptet allerdings, dass frauen immer nur einen punkt vergeben, egal wie groß oder klein der liebesdienst ist. stimmt nicht, herr gray. wenn ich endlich meine wohnzimmerlampe bekommen würde, auf die ich seit monaten warte, gäbe es dafür mindestens 30 punkte. wenn mann nicht immer gleich in die höhle rennen würde, sondern mindestens versuchen würde, ein gespräch mit aussicht auf lösung zu führen, gäbe es auch mindestens 20 punkte.

allerdings bekomme ich nach john gray für meine vermessenheit, versprochenes einzufordern oder „diskutieren“ zu wollen (wusstet ihr, dass frauen in männeraugen nie reden, sondern immer nur diskutieren wollen?) direkt strafpunkte. diese wiederum führen dazu, dass er seine „liebesdienste“ einstellt, bis seiner meinung nach das punktekonto wieder ausgeglichen ist. männer vergeben sich selbst sehr großzügig punkte. sagt auch john. für überstunden beispielsweise geben sie sich punkte, sie schaffen ja geld ran. von frauen bekommen sie dafür keine punkte, denn das bedeutet schließlich, dass sie in dieser zeit der beziehung nicht zur verfügung stehen. für sport geben männer sich auch punkte, weil sie sich ja fithalten. frauen vergeben dafür selten mehr als einen punkt, weil auch das von der gemeinsamen zeit abgezogen werden muss.

aber: frauen sind doof. sie sind opferbereit genug, das punktekonto auf ein maximum zu seinen ungunsten anwachsen zu lassen, ohne mit dem geben aufzuhören. es kann -100 für ihn stehen und sie wäscht immer noch seine wäsche und kocht für ihn. frauen: wenn ihr respekt wollt, fordert ihn ein. und da männer auf reden selten bis gar nicht reagieren (das ist für die meisten eher so ein hintergrundsummen), tut etwas. beziehungsweise tut etwas nicht mehr. irgendwann fragt auch der letzte mann, was denn eigentlich los ist.

männer machen kompromisse nur dann, wenn sie in ihren groben plan passen. frauen sind bereit, jeden kompromiss einzugehen, um ihm zu zeigen, dass sie ihn lieben. das ist ein fehler, liebe frauen. denn so lernt er es nie! kompromisse gehören zu einer beziehung dazu, und zwar von beiden seiten. dann muss er eben mal auf die höhle verzichten oder auf den zug durch die gemeinde, wenn es wichtigeres als seine befindlichkeit gibt. das machen wir frauen tagtäglich, dann kann er auch mal. mit anderen worten: schmeißt nicht eure gesamte planung um, nur weil er ruft. er würde es auch nicht tun.

besonders barbara und allan pease beschäftigen sich auch mit dem thema sexappeal. dabei ist das kapitel „weibliches sexappeal“ doppelt so dick wie das kapitel „männliches sexappeal“. warum nur? laut den beiden ist der weibliche körper eine einzige sexlockmaschine und alles, was wir anziehen etc. nur darauf ausgelegt, männer anzulocken. aha. ihr tipp an die frauenwelt daher: macht euch schön für euren mann. gut, damit kann ich leben. allerdings laufe ich zuhause nur sehr selten im minirock herum, ist einfach unbequem.

im kapitel über die männer finden sich im übrigen solche tipps an die männerwelt nicht. nur der hinweis, dass frauen doch bitte verständnis haben mögen, wenn männer was bequemes anziehen. aha. soso. liebe männer, ist es zuviel verlangt, dass, wenn wir uns vor einem date mit euch stundenlang aufbrezeln, zum friseur rennen, neue klamotten kaufen und sorgfältig zusammenstellen, ihr wenigstens vorher duschen geht und euch ein frisches hemd anzieht?

es ist nämlich so: wenn frauen ein date haben, unter der woche und sie müssen direkt vom büro aus dorthin (worst case scenario!), dann stehen sie morgens eine stunde früher auf, machen sich zurecht. gegebenenfalls nehmen sie die klamotten für das date mit zur arbeit (natürlich sorgfältig gefaltet), ebenso wie das make-up. dann rennen sie jede stunde aufs klo, um deo nachzulegen und das gesicht auf pickel zu überprüfen. ist es dann soweit, wird noch einmal alles kontrolliert und zusätzlich zum deo noch ein leckeres parfüm aufgesprüht. warum tun wir das? das ist ein zeichen von respekt, liebe männer!

der gleiche tag aus männersicht: er steht auf wie immer, zieht ein shirt/hemd an, das irgendwo überm stuhl hängt (vorher riecht er daran), duschen fällt aus, weil er ja morgen eh zum sport geht und dann latscht er los. er arbeitet bis zum allerletzten drücker und geht zum date. deo muss heute den ganzen tag halten und schweiß soll ja auch pheromone enthalten, oder? im gegenzug erwartet er aber eine frau wie oben beschrieben. finde den fehler…

und bei euch so?

p.s.: wenn jemand von euch einen tipp hat, wie man männer dazu bekommt, solche bücher zu lesen, damit sie ihre frauen nur ein bruchteil verstehen lernen, nehm ich den gern.

11 Responses

  1. Feuerengel Says:

    Also ich vermute man kann nur schwule Männer dazu bewegen sowas zu lesen. Also theoretisch, weil praktisch interessiert es sie ja gar nicht wie wir Frauen ticken, bzw. ticken sie teilweise sogar ähnlich *g*

  2. Jens Says:

    Sehr schön geschrieben, wenn auch manchmal ein wenig überspitzt.
    Ich habe solche Bücher gelesen, ich gebe es zu. Wenn ich ein Date habe, dann bereite ich mich körper- und klamottentechnisch schon vor, auch wenn ich tagsüber arbeiten bin. Der erste Eindruck zählt ja schließlich 😉
    Vielleicht bin ich auch nicht der Durchschnittsmann, ich weiß es nicht, aber ich bin jedesmal viehisch aufgeregt, wenn es zu einem Date geht.
    Ich möchte auch, dass meine Partnerin wirtschaftlich selbständig ist, sie kann mit ihren Freundinnen ausgehen, kein Problem. Nur man muss miteinander reden. Das ist der Knackpunkt in einer Beziehung.

  3. rachel Says:

    @the_man: primitiv: teilweise. zuverlässig: ich könnte da auf einen schlag mindestens 10 nicht eingehaltene versprechen aufzählen… wenn du allerdings weißt, wie frau einen mann dazu bringt, dinge, die er versprochen hat auch einzuhalten, immer her damit. sowas steht nicht in den ratgebern. 😉

  4. Enno Says:

    Habe nicht diese aber solche Bücher gelesen und halte das allermeiste, was da drin steht, für quark. Du willst keinen Mann, der in einem solchen Buch nur nochmal nachliest, dass er ja gar nicht anders könne, als so sein wie der ist. Ganz besonders das Pearse-Paar sind in Genderfragen sowas wie das Intelligent Design in der Biologie. Aber: ganz viele sehr gute Punkte in deinem Text. Immer da, wo du dich weniger auf die Bücher und mehr auf dein Bauchgefühl und ein Gerechtigkeitsempfinden beziehst. 😉

  5. pnull Says:

    komischerweise waren die menschen in dem problem frau-mann schonmal weiter. leider gibt es dieses land nicht mehr und es wird auch alles getan, um es vergessen zu machen, auch, damit sich dinge wie emanzipation nicht zu stark entwickeln. schliesslich gibt es nicht einmal genug arbeit fuer die männer, deshalb ist es sehr wichtig, das die frauen einen platz haben, an dem sie sich nicht ueberfluessig vorkommen. wer als frau froh ist, einen mann abekommen zu haben, wird sich wenig um die politischen probleme in diesem land sorgen, sondern gut darauf acht geben, fuer ihren „ernährer“ wertvoll zu sein.
    p.s. fuer die nicht aus der ddr stammenden: in der ddr herrschte vollbeschäftigung, d.h. männer und frauen gingen arbeiten, waren jeweils selbstständig und daher war eine ehe aus gründen, versorgt zu sein, unüblich.
    mfg
    pnull

  6. Jane_Elektrik Says:

    Liebe Rachel,

    ich kann deine Kritik gut nachvollziehen. Nun möchte ich kurz aufführen, warum John Gray’s Worte trotzdem das Papier wert sind. Der Mann fordert, kurz gefasst, mehr Verständnis für die Eigenarten beider Geschlechter. In der Einführung schreibt er, dass die aufgeführten Verhaltensweisen nicht typisch Mann/ Frau sind, sondern auch umgekehrt zutreffen können. Hm, recht hat er, ich kenne auch Frauen, die sich bei Stress oder Traurigkeit in ihre Höhle zurückziehen, ohne Keule versteht sich. Mich hat vor allem der andersartige Blick in altbekannte Verhaltensweisen erstaunt. Dies erspart Mann/ Frau so manche Grübeleien und Mißverständnisse, dabei haben die beschriebenen Situationen aber nichts mit Einparken o.ä. zu tun. Mr. Gray berichtet schließlich aus seiner jahrzehntelangen Paartherapeuten-Praxis. Dennoch, liebe R., stimme ich dir voll zu, einige Männer haben in sozialer Hinsicht vieles aufzuholen, verglichen damit ist eine Marslandung ein Kinderspiel.
    Apropo Kinder, wusstest du, dass Eltern mit kleinen Mädchen viel mehr sprechen, als mit kleinen Jungen? Sie beziehen sie auch stärker in soziale Situationen oder Konflikte ein. Schon weibliche Babys suchen viel öfter Blickkontakt, als männliche. Das erklärt einiges und Herr Gray, als männlicher Artgenosse, versucht das daraus resultierende Verhalten aus seiner Perspektive, mit Wunsch nach Verständnis, zu erklären.
    Aber egal, ob von Mars, Venus oder sonstewo her, wenn die Menschen sich gegenseitig so aktzeptieren könnten, wie sie sind und bei Problemen miteinander sprächen, gäbe es diesen Blogeintrag wohl nicht mehr :-).

    In diesem Sinne, Deine J.

  7. rachel Says:

    @J.: was mir fehlt ist ein solches buch, in dem auch mal gesagt wird: liebe männer, das ist eure frau und die ist so. und wenn ihr das und das macht, dann verletzt ihr sie, also macht lieber das. ich weiß, dass gray das im ansatz bringt, aber letztlich finde ich, dass der grundtenor eben bei beiden büchern ist: frauen haben verständnis, männer machen ihr ding. und das wollte ich ausdrücken.
    mir fehlt sowas wie: männer, wir wissen, ihr wollt in die höhle, ABER manchmal ist das sehr kontraproduktiv, also habt verständnis und kommuniziert verdammt nochmal.

  8. Oliver Says:

    Denkst Du nicht manchmal, dass diese Bücher nur so überspitzt geschrieben werden, damit Frauen sich beim Lesen in Ihren (Vor-)Urteilen bestätigt sehen und sagen können „siehst, der sieht das auch so!“ ? Und findest Du es nicht hinterfragenswert, warum 2 Männer an den Büchern beteiligt waren?

  9. rachel Says:

    @Oli: genau das eben nicht. weil diese bücher ja eben nicht so geschrieben sind, dass da nur drin steht, wie männer sind. das ist ein teil, aber der hat mich jetzt nicht dazu gebracht, permanent mit dem kopf zu nicken und „halleluja“ zu rufen. was mich stört, ist, dass die verhaltensweisen von mann und frau zwar erklärt werden (ob man das nun alles so hinnehmen muss, sei dahin gestellt). aber verständnis und kompromisse werden nur von den frauen erwartet. also entweder geben die autoren mir damit zu verstehen, dass männer zu dumm sind, um sich zu ändern oder dazu zu lernen, oder sie sind einfach in den rollenbildern gefangen: frau = flexibel und anpassungsfähig, mann = unsensibler klotz.

  10. hühnerschreck Says:

    die pease’s sind nett – gute unterhaltung, wenn man seine vorurteile pflegen möchte (zumindest war es bei mir so). wer mich wirklich weitergebracht hat – und darüber hinaus auch den mann an meiner seite – waren e.-m. und w. zurhorst. (liebe dich selbst-reihe, mir persönlich hat das 2. buch (und freu dich auf die nächste krise) am besten gefallen+am meisten geholfen) die fordern kein verständnis für irgendwelche vorsintflutlichen stammhirn-zuckungen ein, sondern regen dazu an, selber was zu tun (lies: an sich selbst arbeiten) – dann kommt der andere mit oder lässt es. stimmt. ob man will oder nicht: wenn der partner (egal, ob er oder sie) anfängt, zu agieren, kommt man nicht umhin zu reagieren. im günstigsten fall agiert man irgendwann auch – und siehe da, die beziehung erhebt sich auf ein neues niveau. das ist beileibe nicht immer einfach und leicht. im gegenteil. bei uns beiden ist es ein harter kampf, der nun bereits 7 monate andauert. aber weil wir einander lieben und der meinung sind, dass unsere beziehung das wert ist, geben wir beide nicht auf. auch wenns immer wieder so elendiglich weh tut!
    daher: lesetipp. oder hörtipp. (gibts auch als hörbücher.)

    viele grüße+viel erfolg!

  11. rachel Says:

    @hühnerschreck: danke für den tipp! (und ich mach das auch instinktiv schon ohne literatur so. aber ich werds mir trotzdem mal kaufen.)

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