tv for the massenfreakshow.

wenn man krank ist, hat man viel zeit. wenn der fieberdrusel abnimmt, bekommt man wieder bewusster mit, was da eigentlich aus der glotze kommt. es ist nachmittags nach 2, es läuft rtl und es läuft irgendwas mit „im leben“. der titel ist egal, selbst der inhalt austauschbar. verschwörungstheoretiker sagen, diese art tv wurde erfunden, um die massen dumm zu machen und stillzuhalten.

andere sagen, all dies ist freakshow, altes zirkuskonzept, mit dem sich eben nicht nur früher geld verdienen ließ. war es vor 300 jahren die frau ohne unterleib oder der mann mit dem elefantenrüssel, so ist es heute bernie, der elvisfan im goldenen jacket, das aussieht, als wäre es aus dieser folie, die man im erste-hilfe-kasten hat. angeklebte koteletten verfeinern das outfit ebenso wie das vom letzten geld schwarz gefärbte haar. und doch sieht bernie eben aus wie eine viertklassige imitation einer imitation mit dem talent eines hüftkranken tanzbären.

all diesen formaten ist eins gemeinsam: die hauptakteure verfügen über kaum geld, zählen also formal schon zur unterschicht. das gilt ja bekanntlich selbst fürs dschungelcamp. allerdings muss man schon sehr abgebrannt sein, um den anus eines tieres zu verspeisen. aber wie sagte schon olle fritz? jedem tierchen, nicht wahr? so ganz nebenbei sind diese sendungen damit öl ins feuer von sarrazin und bild, die nicht müde werden, bei uns das bild des sozialschmarotzers zu festigen.

diese tv-formate, seien es die „doku-soaps“ oder so schöne dinge wie bauer sucht sau, erfüllen unseren hunger danach, uns am elend anderer hochzuziehen. loser, denen man auf den ersten blick ansieht, warum sie mit 42 noch jungfrau sind und bei mutti wohnen – darüber lässt sich genüsslich lästern. selbst von denen, die mit 32 noch jungfrau waren und bei mutti wohnten.

vor allem ist bei bernie aber eines klar: seine frau, die im verlaufe der noch nicht fertigen sendung bisher nur als keifende glucke á la „du sollst disch um deine familie kümmern und um lisa und nischt immer nur um elvis!“ oder nervliches wrack á la „der bernie kümmert sisch nur um elvis, nie um die familie und um lisa“ in erscheinung trat, wird es schaffen, dass am ende ein reumütiger elvis sein goldjacket ausziehen und besserung geloben wird. das ist immer das schöne an diesen sendungen. die mutter, die 7 jahre nach der scheidung auf drängen ihrer ältesten kinder endlich einen mann aus dem internet trifft und sich verliebt und plötzlich weniger zeit hat, lässt am ende für diese rotzgöhren alles fahren und wird wieder „normal“. nachdem bernies frau wie angekündigt einen letzten versuch machen wird, mehr „pep“ in ihre ehe zu bringen, indem sie sich im kunstpelz und lingerie von c&a auf dem poco-domäne-leder-ecksofa räkelt, wird auch bernie wieder normal werden. er wird nochmals, wie gerade schon, die tulpen zu 1,99 von aldi holen, um seiner liebsten diese mit folie inklusive preisschild zu überreichen.

alles soll normal werden. dabei stellt sich raus, dass bernie mehrere verluste in seinem leben nicht richtig verarbeitet hat. die konsequenz ist nicht etwa, dass bernie in eine therapie geht, nein, er erzählt das einmal, zieht das jacket aus und alles ist wieder gut. schöne heile welt.

ich will hier keine zeigefinger erheben. ich sage auch nicht, dass man das nicht gucken soll oder darf. jeder ist seines eigenen hirnes schmied. wer das mag, soll sich das angucken. was wir dabei nur manchmal bedenken sollten: so weit weg sind wir von „denen da“ oft gar nicht. wir alle haben unsere großen und kleinen macken, tragen unser großes oder kleines päckchen mit uns herum. ja, ich weiß, wir lassen uns nicht dabei filmen und würden das auch NIEMALS UNTER KEINEN UMSTÄNDEN NICHT tun. dafür posten wir unser essen im netz, schreiben rezepte in unsere blogs, zeigen bilder von uns in bedenklichen situationen etc. ist natürlich was ganz anderes.

und bei euch so?

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