sonntagsexperiment

nur eine kurze frage, der folgende text ist lang genug.

wie würdet ihr diesen text bewerten? (nein, er ist nicht von mir. er wurde am 22.10.2009 in einer zeitung veröffentlicht.)

eine auflösung und die quelle folgen später. erstmal interessiert mich eure meinung.

update: ich habe den text auf einige passagen gekürzt. ganz unten findet ihr nun die auflösung des kleinen rätsels.

“Was hatte Sarrazin gesagt? Unter anderem wiederholte er die aus Integrationsberichten und Studien bekannten Tatsachen, nach denen, vor allem türkische und arabische Migranten schlechter integriert sind, dass sie dies oft selbst zu verantworten haben, weil sie ein anderes Lebensmodell verfolgen als die Mehrheitsgesellschaft. Er sagte: „Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt hat keine produktive Funktion außer für den Obst- und Gemüsehandel.“ Die Gemüsehändler jedenfalls waren nicht beleidigt, denn sie gehören zu den Gewinnern der Migration, sie versorgen sich und ihre Familien selbst und sind nicht auf staatliche Leistungen angewiesen. Die sich davon ertappt, neudeutsch: „diskriminiert“, gefühlt haben, waren nicht jene, die die Misere zu verantworten haben, sondern reflexhaft die Türkenvereine und ihre Verbündeten, die Teil der Misere sind. Sie rufen „Haltet den Dieb“, sind beleidigt, geben sich als Opfer, in der Hoffnung, nicht über den Diebstahl reden zu müssen.

„Opferanwalt“ ist eine Paraderolle der Sprecher der türkischen und muslimischen Lobby, die ihre Stellung mithilfe der Politik und dem Integrationsplan zu einem subventionierten Mandat machen konnten. Die Empörung der Islamisten vom „Muslimmarkt“ unterscheidet sich in Ton und Inhalt kaum von der Fraktion der „Linken“, der Türkenverbände und des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden in Deutschland, der im Übereifer Sarrazin sogar mit Hitler verglich.

Alle bezeichnen sie die Äußerungen als „rassistisch“, wobei die Islamisten mit der Kritik am weitesten gehen, sie bezichtigen den Banker des „hasserfüllten Herrenmenschendenkens“. Und der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, der sich gern gemeinsam mit Islam- und Türkenfunktionären als Opfer der deutschen Gesellschaft präsentiert, und die sich dafür gegenseitig als Dialogpartner loben, ist unterwegs, die Ehre der Migranten zu retten. Kein Vergleich ist ihnen zu absurd, keine Keule zu groß, nach dem Motto, wer am lautesten schreit, hat recht.” [...]

Themen, die Ärger machen können, wie Integrationsfragen werden peinlichst vermieden oder in der Islamkonferenz relativiert. In einer Empfehlung der Konferenz erkennt man Elemente der Scharia, des islamischen Rechts, als „religiöses Leben“ an und begründet dies mit „Pragmatismus“. Die deutsche Politik scheint der Probleme überdrüssig und überlässt das Feld in diesem Fall der kulturellen Konkurrenz von Türken- und Islamfunktionären, die sich als Opfer darstellen und Themen tabuisieren wollen.” [...]

“Kritik an Religion oder Grundrechtsverletzungen durch Migranten sollen wieder ein Tabu werden, man bemüht dafür Begriffe wie „Islamophobie“ und gründet staatlich bezahlte „Antidiskriminierungsvereine“, die alles, was unter der Decke gehalten werden soll, mit dem Rassismusvorwurf belegen.” [...]

“Wenn man will, dass die Migrantenkinder Deutsch lernen, dann muss man die Vorschulpflicht einführen und Kindergeld einbehalten, wenn die Kinder nicht zur Schule kommen. Wenn man nicht will, dass die Integration auch in der 4. und 5. Generation immer wieder von vorn beginnt, dann muss man endlich das Gesetz gegen Zwang zur Ehe auf den Weg bringen.” [...]

Aber die soziale Realität lässt sich auf Dauer nicht wegempören und mit einem „Aber bitte nicht in diesem Ton!“ beschwichtigen. Der Lack der Schönrednerei blättert schneller ab, als gestrichen werden kann. Wer die klaren Worte Sarrazins für Hetze hält, muss sich fragen lassen, ob er die Fakten kennt oder nicht längst aufgegeben hat.

Und noch etwas hat die „Causa Sarrazin“ gezeigt: Wie schnell gewisse Kreise bereit sind, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit infrage zu stellen. Wenn es gelänge, einer spitzen Zunge und einem selbstbewussten Mann wie Sarrazin den Mund zu verbieten, fragt man sich, wer dann noch den Mut haben wird, sich überhaupt zu äußern? Sarrazin redet Tacheles, es ist sein gutes Recht. Zumindest das sollten wir verteidigen.”

eine verteidigung sarrazins, allerdings, das sollte man im hinterkopf behalten, geschrieben vor der veröffentlichung seines unsäglichen buches. wer wirft sich da so in die bresche? ein rechtsaußen, klar. jemand, der polemisch die meinung derer bilden will, die auf die klaren worte im stile sarrazins anspringen. bild-niveau. ganz klar. vielleicht sogar gauck, dass der ein absoluter rechtsaußen ist, wissen wir ja jetzt.

auflösung

der autor, besser, die autorin, dieses artikels ist sozialwissenschaftlerin. sie hat ihren doktortitel zum thema „Islamische Religiosität und ihre Bedeutung in der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern türkischer Herkunft“ erhalten. und sie weiß, worüber sie redet, denn sie ist türkin. sie hat erlebt, wie ihre in istanbul noch sehr säkularen eltern sich in deutschland stark dem islam zuwandten. sie selbst sieht sich als muslimin. die autorin heißt necla kelek und der komplette text erschien am 22.10.2009 hier.

quelle

gefunden habe ich diese “perle” an schriftlichem statement in einer denkschrift der piratenpartei mit dem titel “integrationsprobleme als tabu?”. nun gehört dieses papier zu der sammlung einer arbeitsgruppe, die sich mit “immigration” beschäftigt. die aktuellsten beiträge der gruppe sind von 2009. “Es steht derzeit überhaupt nicht zur Debatte, wie die Piratenpartei zum Thema Migration steht.” – schrieb benutzer pantoffelpunk im jahr 2009, als es darum ging, aus der idealpiratischen, transparenten diskussion die “unreflektierten gedanken” jedes “hans und franz” zu löschen (sic!), um bei der bundestagswahl nicht in die diskussion zu kommen.

inzwischen haben wir 2012, die piraten dürfen in berlin mitregieren. in einer stadt, die im multikulti blüht und diesbezüglich keinerlei probleme hat. wer behauptet, dass das anders ist, diskriminiert, enttarnt sich selbst als rechts und ausländerfeindlich und ein aufrechter pirat wird das auch laut hinausposaunen in die welt. hier ist alles super, die blumen blühen und es gibt keinen handlungsbedarf. sonst hätte sich eine aufgeklärte und progressive partei wie die piraten längst einen transparenten kopf darum gemacht und einen masterplan entwickelt. aber warum sollte man etwas ändern, das so super läuft? es gibt so viele andere dinge, um die sich die piraten jetzt kümmern müssen. wer bekommt welchen posten und warum? wie benimmt man sich auf dem politischen parkett am auffälligsten? warum ist gauck nicht wählbar oder vielleicht doch? warum funktioniert das wlan hier nicht? wie schreibt man reden auf papier? und wo ist eigentlich wolkenkuckucksheim?

18 Responses

  1. Enno Says:

    Keine Ahnung, wer der Autor ist. Auf jeden Fall ein netter Mensch, dass er dir ein solches Vollzitat seines Artikels im Blog gestattet. ^^

  2. Aki Says:

    Ich bin gespannt auf die Auflösung. Die Verfasserin bzw. der Verfasser kommt wohl aus einer “Ecke”, die deutlich rechts von konservativ liegt.

  3. Aki Says:

    Nochmal kurz nachgedacht: Das hat euer neuer Präsident geschrieben, oder? Ohje.

  4. xbg Says:

    Es ist ein Vorurteil, dass Menschen aus bestimmten Bevölkerungsgruppen in bestimmten Fragen per Definition nicht irgendwo (z.B. rechts) stehen können.

    Zum Beispiel Ayaan Hirsi Ali. Sie kommt aus dem Islam und sagt Dinge, die man hierzulande klar dem rechtspopulistischen Spektrum zuschreiben würde:

    “She has described Islam as a ‘backward religion’, incompatible with democracy. [...] Hirsi Ali characterizes Islam as ‘the new fascism’”
    http://en.wikipedia.org/wiki/Ayaan_Hirsi_Ali#Islam

    Sie hat mit Geert Wilders zusammengearbeitet. Wilders ist klar ein Rechtspopulist (nur Broder würde das leugnen). Also, warum auch nicht. Es gibt kein Naturgesetz, dass es nicht so sein kann.

    Aber ok, bei ihr hat es dann eben auch die ironische Seite, dass sie kein Asyl hätte bekommen können, wenn es nach ihren Standpunkt und dem ihrer Mitstreiter geht. Und sie hätte ihre Staatsbürgerschaft dann auch später fast verloren:

    “Subsequently, when the matter came to a head in public with Verdonk it led to the challenges over Hirsi Ali’s Dutch citizenship and ultimately to her leaving the parliament and the country”

  5. rachel Says:

    @xbg: wenn jemand über seine eigene herkunftskultur respektive religion sagt, was ayaan hirsi ali sagt – sollte das dann nicht eher anlass sein, darüber nachzudenken, ob es eventuell so sein könnte? es gibt übrigens auch einen deutschen artikel zu ihr.

  6. Michel Says:

    So dreimal angefangen den Kommentar zu schreiben, weil ich doch Tatsache darüber nachgedacht habe wie das ankommt. Nun ist aber Schluss ich finde viele Punkte die Sarrazin angesprochen hat sind einer Disskussion wert! Ich denke nur weil es von ihm kommt sind einige Aussagen nicht weniger wert. Auch ich habe einen sog. Migrationshintergrund und beobachte einige Entwicklung doch mit einiger Besorgnis. Ich denke auch niemand sollte zögern auszusprechen was er denkt. So vielleicht hab ich nach der Arbeit mehr Ruhe meinen Kommentar zu durchdenken.

  7. Enno Says:

    Rachel, ich weiß nicht genau, was du uns mit diesem Text sagen möchtest. Ich weiß auch nicht genau, welche Relevant das haben soll, dass irgendwelche Leute Ende 2009 einen Text einer islamkritischen Autorin im Wiki verlinkt haben, aus dem sich ein Bezug zu Sarrazin ergibt.

    Gestatte mir nur den Hinweis, dass Sarrazins Buch “Deutschland schafft sich ab” erst August 2010 erschienen ist. Bevor dieses Buch erschien, war unser Bild von Sarrazin wesentlich moderater. Ich konnte ihn zwar schon damals nicht ab, aber dass er offen rassistisch argumentiert, wurde erst mit dem Buch und seinen Schlagworten wie „Eroberung durch Fertilität“ sichtbar – jedenfalls für die breite Masse.

    Wer derlei verteidigt oder gutheißt, sollte nochmal genau über seine Verortung zwischen Rechts und Links nachdenken. Selbstverständlich hat Sarrazin auch echte Probleme betreffend Migration und Integration angesprochen. Das war aber kein Verdienst und auch nicht besonders mutig. Die Debatte um Integrationsprobleme begann bereits Ende der 90er Jahre und wurde durchaus nicht nur “von rechts” geführt. 2004 wäre “Parallelgesellschaften” fast Wort des Jahres geworden.

  8. Marie Says:

    Sag mal, Rachel, was ist die Intention des Rätsel? Warum sagst Du nicht ganz einfach direkt, was Du über Türken/Araber/Moslems denkst, wozu dieses Spielchen, wozu brauchst Du eine Kelek? Hälst Du Deine Leser für irgendwie dumm? Hmmm…

    Und ja, das Experiment ist aufgegangen, nun hat sich wieder jemand selbst als fremdenfeindlich und rassistisch entlarvt.

    Achja, noch eins: Rachel, rede nicht von *uns* und *wir*, ich bin weder Ausländerin noch Muslima, aber auch nicht wie Du. Ich bin 30 Jahre alt und in Berlin Neukölln aufgewachsen. Und mir geht es hier im *Multikultibezirk* sehr gut.

  9. rachel Says:

    @enno: gestatte mir den hinweis, dass ich darauf hinwies, dass das statement vor dem buch erschien.
    “piratische relevanz” hat es insofern, als sich in der dazugehörigen arbeitsgruppe seit 2009 nichts getan hat. trotz regierungsbeteiligung in berlin.

    eine verteidigung oder gar ein gutheißen sarrazins von meiner seite findet sich nicht im text und wäre auch falsch dort vermutet. aber hier vermischt du sowieso. erst sagst du mir, dass das statement vor dem buch kam und dass “wir” (ich vermute die piraten?) s. da noch wesentlich moderater gegenüber standen, dann beziehst du dich aber offenbar doch auf das buch, indem du den schlagwörtern anschließt: “wer derartiges verteidigt..”

  10. rachel Says:

    sag mal, @marie: wo genau liest du aus diesem text fremdenfeindliche und rassistische dinge von mir?

    und wo rede ich von wir? (außer im satz “inzwischen haben wir 2012.”)

    die intention des textes war, ad absurdum zu führen, was du tust: jeder, der es wagt, an diesem multikulti kritik zu üben und auf probleme hinzuweisen, wird in die rechte, gar fremdenfeindliche und rassistische ecke abgeschoben.

    ich sage nirgendwo, dass ich moslems/türken/araber hasse. mir sind die meisten menschen relativ egal, solange sie mir nicht auf die nerven gehen.

    von mir aus kann jeder mensch tun und lassen was er will – so lange er andere menschen (auch aus seiner eigenen familie) damit weder verletzt noch belästigt und solange er sich an die geltenden rechte des landes, in dem er lebt hält sowie die werte des landes, in dem er lebt mindestens akzeptiert. das gilt für jeden auswanderer in jedem land.

    keine ahnung, in welcher ecke neuköllns du wohnst, da wo ich bisher wohnte, jetzt wohne und wo ich unterwegs war und bin, fallen mir nun einmal menschen auf, bei denen das oben genannte offensichtlich nicht zutrifft. das ist es, was auch frau kelek in ihrem statement ausdrückt. ist sie dann eigenfeindlich und – wie ist jetzt das wort für rassismus gegen das eigene volk?

    probleme sind dazu da, um sie zu lösen. das werden wir nicht schaffen, indem wir die augen zukneifen und “rechte sau!” brüllen, sobald jemand die probleme anspricht. frau kelek hat einige gute ansätze in ihrem statement, aber das wichtigste (was sich durch mein blog wie ein roter faden zieht) ist: kommunikation. redet miteinander. lernt euch kennen und akzeptiert, was der andere sagt, sagt aber auch, wenn euch was stört und lasst es euch erklären.

  11. rachel Says:

    @enno: danke, papa, herr lehrer. ich wollte eigentlich nicht nur zitieren und damit aus dem zusammenhang reißen, ist einfach nicht mein stil. aber seis drum.

    da ist dein kommentar wieder, damit du nicht weiterhin behauptest, ich würde löschen.

  12. Marie Says:

    @Rachel Kommentar #10

    Wow, der Kommentar war nochmal eindeutig.

    Du sprichst Dich gegen Menschen aus, ausschließlich aufgrund ihrer Herkunft und/oder Religion. Das ist rechts, das ist Desinteresse, das ist menschenfeindlich.

    Und da Du ja selber alte Texte ausbuddelst und! auf die Piraten verlinkst, bitte:

    http://networkedblogs.com/3FMVG

    Ich brülle übrigens gar nichts, ich bin einfach gegen Menschen wie Du, die sich gegen Menschen aussprechen und das als Lösung für irgendwelche Probleme und als Meinung verkaufen wollen. Und was die Piraten angeht: die wähle ich einfach nicht, so wie ich Union und FDP nicht wähle.

    Aber, vielen Dank für die Transparenz, wie gesagt, da weiß ich woran ich bin…

  13. rachel Says:

    @marie: irgendwie scheinst du etwas anderes zu lesen als ich schreibe.

  14. Michel Says:

    Hm…

    Krass, mich wundert gerade die Entwicklung!

    @ Marie
    Ich persönlich habe an keiner Stelle von Rachels Kommentar fremdenfeindlichkeit rausgelesen. Im Gegenteil so wie ich sie kennengelernt habe ist sie ein weltoffener Mensch, der einfach nur gewisse Grundprinzipien einfordert. Respekt untereinander ist meiner Meinung nach der wichtigste Grundstein für funktionierende Integration und was Rachel einfach anprangert das eben das vielen abgeht. Dadurch das ich ja nun libanesische Wurzeln habe (zumindest zur Hälfte)kann ich ja kurz mal erläutern wie ich das empfinde. Leider kenne ich ich viele Araber (auch aus meiner Familie) die sich ein feuchten Kehricht um alles hier scheren, das fängt bei Sprache an und hört bei Gesetzen auf.

    GANZ WICHTIG IST ABER, das ist nicht die Mehrheit sondern leider eine Minderheit die einfach nur mehr auffällt!

    Mein Fazit: Es liegt schon einiges im argen und darüber sollte auch gesprochen werden und warum auch nicht ein Problem zu thematisieren sollte doch kein Problem darstellen! Wir sind alle erwachsen und hören uns doch gern die Meinungen anderer an und man sollte nicht immer danach gehen was man in einen Text “hinein liest” sondern sich auch darüber Gedanken machen wie ein Mensch sich anderen Gegenüber verhält und sich dann erst ein Bild über eben diesen Menschen machen.

    So ich habe bestimmt wieder zig Kommata vergessen und das werd ich gleich wieder unter die Nase gerieben bekommen. Aber egal! Ich hasse es Diskussionen in schriftlicher Form zu führen!

  15. Enno Says:

    Man zitiere einen Text, der Sarrazin in Schutz nimmt, unterstreiche, dass es sich bei der Autorin um eine Kapazität handelt und bashe am Ende die Piratenpartei, weil die das vollkommen anders sieht mit der Integration, will aber am Ende selber nichts gegen Migranten und Moslems gesagt haben. Das alles in einem Kontext xeno- und islamophober Bemerkungen, die dieses Blog wie ein roter Faden durchziehen. That’s Rachel.

  16. rachel Says:

    @enno: man lese in einen text xeno- und islamophobe bemerkungen hinein, behaupte, dass sie sich überall im blog finden, mische das lustig mit dingen, die man im privaten gespräch ausgetauscht hat und enttarne damit jemanden als rassisten. außerdem behaupte man auf twitter vor seinen x000 followern, dass rachel kommentare löschen würde, um sich selbst im glanze seiner transparenz zu sonnen. that’s enno.

  17. rachel Says:

    @enno: übrigens bedeutet die endung -phob “ängstlich”. ich habe weder angst vor fremden noch vor dem islam. grundsätzlich denke ich aber, dass wir eine grundsätzlich verschiedene definition von “rechts” und “rassistisch” und “ausländerfeindlich” haben. für mich bedeutet kritik an einer sache nicht, dass ich sie abschaffen will. für mich bedeutet kritik, dass ich etwas ändern will. für dich bedeutet anscheinend kritik, nein noch nicht einmal die, sondern das bloße ansprechen, dass etwas nicht in ordnung sein könnte, schon, dass etwas “xxxfeindlich” ist.
    ergo: wenn ich äußere, dass ich bestimmte probleme im nahen osten der politik israels zuschreibe, bin ich also nach deiner definition antisemitisch. wenn ich äußere, dass mich das verhalten mancher mütter maßlos ärgert, bin ich nach deiner definition mütter- oder gar frauenfeindlich. wenn ich äußere, dass mich das verhalten einiger sagen wir mal schwerhöriger ärgert, bin ich nach deiner definition behindertenfeindlich. wenn ich die kirche insgesamt kritisiere für ihre geschichte und ihre bigotterie, auch heute noch, bin ich nach deiner definition christenfeindlich. wenn ich die katholische kirche und ihr zölibat kritisiere und dass immer wieder kinder missbraucht werden, bin ich nach deiner definition katholikenfeindlich.
    und wenn ich sage, dass ich es seltsam finde, dass die piratenpartei im jahr 2012 in ihrem wiki noch auf dem stand von 2009 ist und sich noch nicht einmal (öffentliche) gedanken zum thema integration gemacht hat, dann bashe ich. (ich bin da übrigens für jeden link zu konkreten ideen offen.)

    du hast selbst geschrieben, dass es die diskussionen schon seit den 90er jahren gibt und das wort “parallelgesellschaft” existiert. nach deinen äußerungen gibt es aber keinerlei probleme, die man diskutieren müsste. und wer es doch tut, ist eben rechts und fremdenfeindlich.

    es ist sehr einfach, menschen, die anders denken, in eine ecke zu schieben. rosa luxemburgs spruch zur freiheit kennst du sicher. ich finde es gefährlich, die augen zuzukneifen und jeden, der sagt, dass es auf dem gebiet der integration probleme gibt, in die rechte ecke zu schieben. es gibt neben frau kelek auch andere menschen aus der gruppe derjenigen, die hier angeblich diskriminiert werden, die es so sehen wie sie. sind das alles ausnahmen, rechtspopulisten aus den eigenen kreisen, nestbeschmutzer? oder könnte es sein, dass, wenn die kritik auch aus den eigenen reihen kommt, daran etwas wahres sein könnte? wenn muslimische frauen sagen, dass wir deutschen mit unserem liberalen weggucken ihnen das leben zur hölle machen, weil wir alles, was ihnen passiert, unter “das ist eben die kultur” verbuchen? siehe auch das urteil seinerzeit, dass ein muslimischer mann seine frau schlagen darf, weil es kulturell verankert ist. es gibt kulturen, in denen die weibliche beschneidung kulturell seit jahrhunderten verankert ist. muss ich das also hinnehmen als gegeben?

    es geht den piraten um ein höchstmaß an selbstbestimmung durch und mit demokratie. sehr gute sache.

    aber: ein 3-jähriges kind, das nachts um 2 noch auf einer party rumläuft – wird das selbst bestimmen, wann es zeit ist, ins bett zu gehen? ein kind, das von seinen eltern wöchentlich in kirche/synagoge/moschee/tempel geschleift wird – handelt das selbstbestimmt? ein kleines mädchen, das hier geboren wird und dessen eltern es beschneiden lassen von einer schamanin mit rasierklinge – lässt es das selbstbestimmt vornehmen? ein kind, das immer nur die sprache seiner eltern gehört und gesprochen hat – soll das selbstbestimmt mit 3 oder 4 jahren sagen, dass es jetzt die landessprache lernen will, weil es die ja mal brauchen könnte?

    wo fängt selbstbestimmung an, in welchem alter und wie lange treffen naturgemäß die eltern die entscheidung, was sie für ihr kind für richtig und was sie für falsch halten? ist eine kindergartenpflicht für alle kinder ein eingriff in die selbstbestimmung der kinder oder die der eltern? und was ist wichtiger? dass ein kind schon sehr früh andere kulturen kennen- und schätzenlernt, berührungsängste abbaut und alle kinder in diesem kindergarten eine gemeinsame sprache haben? würde ein kind in diesem alter selbstbestimmt wählen oder doch unter dem einfluss der eltern?

    und wenn ich sage, dass ich eine kindergartenpflicht für alle richtig richtig finde, weil ich in meinem innenhof sehe, wie kinder aus 5 nationen/kulturen miteinander spielen, sich selbst “regulieren”, kennenlernen und grenzen abbauen und die sprache, die sie alle gemeinsam haben, ist deutsch – ist das rassistisch/fremdenfeindlich/islamophob? da unten spielt sich integration ab, live, laut und in farbe. so, wie ich sie mir überall wünschen würde. diese kinder werden später vermutlich nicht über die kultur des anderen herziehen, weil sie sie besser kennen. wenn ich sage, dass ich es toll finde, dass in einem garten ein paar meter weiter im letzten sommer grillfeste der ziemlich zahlreich erschienen hausgemeinschaft stattfanden, zu denen jeder etwas mitbrachte und ihre gemeinsame sprache war deutsch – ist das rassistisch/fremdenfeindlich/islamophob? auch da spielte sich integration ab, wie ich sie mir überall wünschen würde. weil das keinerlei assimilation ist, jeder “sein” essen für die anderen gemacht hat und alle sich miteinander unterhalten haben.

  18. xbg Says:

    @rachel:
    “wenn jemand über seine eigene herkunftskultur respektive religion sagt, was ayaan hirsi ali sagt – sollte das dann nicht eher anlass sein, darüber nachzudenken, ob es eventuell so sein könnte?”

    Nicht automatisch. Es gibt auch viele aus der Kultur, die das für Quatsch halten. Jeder hat seine subjektiven Empfindungen und Erfahrung, das sagt nicht automatisch etwas über die Verallgemeinerbarkeit. Jeder ist auch anders in seinem Ausdruck, in seinem Provokationsbedürfnis etc.
    Genauso gibt es ja z.B. auch x verschiedene Meinung zur Entwicklung an den Finanzmärkten von Leuten, die im Finanzsektor arbeiten. Ist eine einzelne Meinung da unbedingt fundiert und zuverlässig? Nein, ich denke nicht. Die kann im Einzelfall genauso unzutreffend und überzogen sein.

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