wer ist eigentlich anne?

umzüge und die damit verbundenen veränderungen sind ja in der regel spannend. der mensch lernt nie aus und immer dazu. das gilt sowohl für neue menschen als auch für neue umgebungen und neue sprachen.

ich kam also im märz 2007 nach berlin. direkt aus der pommerschen provinz, in der die einzigen nichtdeutschen der mann von der dönerbude oder die chinesische bedienung im asia-imbiss sind. kopftücher gibt es in meiner kleinstadt höchstens bei alten frauen und fremdsprachen hört man auf der straße eher selten bis nie. gut, ein paar ausländische studenten hat die provinzuni auch, aber alles im überschaubaren rahmen.

in neukölln ist das natürlich anders. es ist ja nicht so, dass ich gar nicht darauf vorbereitet gewesen wäre, schließlich war ich nicht zum ersten mal in berlin und auch nicht zum ersten mal in neukölln. bisher jedoch waren es immer besuche und da achtet man ja nicht soo direkt auf alles.

lange rede, kurzer sinn: ich zog ein. nachdem mein hirn langsam wieder entnebelte (mein fußboden war vor meinem einzug frisch gelackt worden, bei geschlossenen fenstern) und auch der stress im neuen job nachließ, begann ich meine umgebung bewusster wahrzunehmen. und es gab einen namen, der immer wieder auf der straße gerufen wurde: „anne“.

nach und nach fragte ich mich, wer denn wohl diese anne sein könnte? eine art supernanny des kiezes? oder vielleicht die beste freundin aller türkischen kinder? denn nach anne riefen sie alle. das geheimnis sollte noch eine ganze weile eines bleiben. bis es mir irgendwann aufging: anne ist türkisch und heißt mutter!

ich hatte immer vor, in meiner straße mal einen kurs zu geben: „klingeln und telefonieren für türken“. jaja, das klingt rassistisch und ausländerfeindlich, ich weiß. aber ich beschreibe mal die situation: es ist ein sonniger nachmittag, alles ist schön. und dann wird im minutentakt nach anne gerufen. nein, gebrüllt. kinder stehen auf dem bürgersteig, den blick gen himmel gerichtet und brüllen nach anne. irgendwann öffnen sich ein oder zwei fenster, ein kopftuch guckt raus und dinge werden zurückgebrüllt oder heruntergeworfen. dieses spiel gab es täglich dutzende male zu bestaunen. und mir stellte sich die frage: warum um alles in der welt kann man nicht einfach klingeln und diese dinge per gegensprechanlage klären? wozu gibt es dieses ding?

irgendwann brüllte eine ganze kinderbande mal unter meinem haus nach anne. ich war gerade auf dem weg zum supermarkt gegenüber und schon extrem genervt von anne und ihren zahlreichen kindern. also ranzte ich die lärmer an: „versuchts doch mal mit klingeln!“ drei riesige, runde, braune augenpaare sahen mich an wie das achte weltwunder. darauf folgte ein hilfloser blick auf die klingelleiste. wer lesen kann ist klar im vorteil. sie konnten es nicht. und brüllten weiter nach anne.

und bei euch so?

p.s.: irgendwann erzähl ich euch mal die geschichte vom dschihad in neukölln…

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