homophopbie? dafuq?

in den letzten wochen ist das thema (homo)sexualität wieder sehr hochgekocht. zum einen durch herrn hitzlsperger, zum anderen durch ein konzeptpapier, das andere lebensentwürfe als mutter, vater, kind an schüler in bawü bringen will. von „schwuler umerziehung“ ist die rede, gar davon, dass es ja kein wunder sei, dass deutschland bei pisa so schlecht abschneide, wenn sich unsere schüler nur noch mit alternativ zum klassischen hetero-lebensentwurf existierenden beschäftigen müssen etc. ich verzichte bewusst auf verlinkungen, die grässlichen fratzen der borniertheit und homophobie zeigen sich selten in artikeln sondern eher in den kommentaren.

ich persönlich finde es müßig, die leier des „homosexualität existiert nun mal, lebt damit“ oder „wann genau hast du dir deine heterosexualität als lebensentwurf ausgesucht?“ noch spielen zu müssen.

aber ich fände es großartig, wenn in lesebüchern der ersten klasse einfach ganz unkommentiert ein homosexuelles paar vorkäme. (adam und andi sind im haus.) wenn in sachaufgaben einfach mal ein bild eines schwarz/weißen paares zu sehen wäre. wenn dort auch rollstuhlfahrer vorkämen oder andere „behinderungen“ thematisiert würden („das ist susi. susi kann nicht sehen. darum hat susi einen hund. der hund heißt bello und sagt ihr, wo sie an der straße stehenbleiben muss.“).

ein kommentar, den ich las, meinte sinngemäß: natürlich besteht homosexualität nicht nur aus sexualität. aber sie terminiert sich darüber. ein vater, der seinen sohn/neffen/bruder/vater liebt, sei ja nicht homosexuell, weil er den liebe. erst, wenn es um geschlechtsverkehr ginge, wäre die „definition komplett“. und ein vater, der seine tochter/nichte/schwester/mutter liebt ist dann was? pädophil? inzestiös? ödipal? die vielfalt der ausreden, warum es „unnormal“ ist, jemanden vom eigenen geschlecht zu lieben und warum wir also deshalb unsere kinder vor diesem wissen beschützen müssen, um sie nicht zu beeinflussen, fasziniert mich auf perfide weise. wie die aale winden sich die homophoben, um ihre „argumente“ auf vermeintlich feste beine zu stellen und können doch jederzeit von der wissenschaft mit einem kleinen windhauch einfach umgepustet werden. ein paar fragen reichen völlig aus. zuvorderst: „wann hast du aktiv entschieden, heterosexuell sein zu wollen?“

und doch, und doch löst auch 2014 das wort „homosexualität“ in verbindung mit „schule“ sofort abwehrreaktionen aus: „aber man muss doch kinder nicht übersexualisieren!“ nö, aber in unserer trotz allem offener werdenden gesellschaft werden die kinder sowieso mit gleichgeschlechtlichen paaren oder transgendern oder anderem konfrontiert. und sie fragen nach: „warum hat der onkel bill den gleichen nachnamen wie der onkel martin? sind die verwandt?“ damit warten kinder nicht bis zur pubertät – aber wenn sie eine antwort bekommen („martin und bill sind verheiratet, auch männer können einander heiraten, wenn sie das möchten“) ist es ja in der regel gegessen. diese ewig gestrige vorstellung, dass kindern nun in der schule sämtliche homosexuellen sexualpraktiken „beigebracht“ werden ist natürlich quatsch. sie bekommen ja auch nicht die bandbreite heterosexueller sexualpraktiken beigebracht. „warum heißt onkel martin jetzt martina und hat lange haare?“ „Weil er so jetzt glücklicher ist.“ zack bumm. kind zufrieden.

was das schlimmste an der sache ist, ist, dass der (homosexuelle/transsexuelle/…) mensch völlig unwichtig wird. er/sie wird auf seine absolute privatzone reduziert: sexualität. aber genauso wenig, wie mich die genauen vorlieben meiner nachbarn interessieren, interessieren sie mich bei meinen homosexuellen/transsexuellen freunden. das sind menschen, die ihren platz in meinem herzen verdient haben, weil ich sie lieb habe. und das hat mit ganz vielem zu tun, aber sexualität gehört nicht dazu. sie sind mir wertvolle menschen. punkt. kein heterosexueller würde es ohne weiteres akzeptieren, dass man ihn auf seine schlafzimmeraktivitäten reduziert. warum tun wir (heteros) es dann ganz selbstverständlich bei anderen?

kinder sind von natur aus neugierig und kennen keine grenzen. ich finde es unfair, ihnen welche zu setzen, weil man nicht über den eigenen tellerrand hinaussehen mag, weil man dann akzeptieren müsste, dass die welt keine scheibe ist. kinder sehen sehr lange einfach nur den menschen ohne gesellschaftliche konventionen. ob er nett ist, coole spiele kennt oder mit kindern nichts anfangen kann. wenn etwas von ihrer gewohnten sichtweise abweicht, fragen sie nach. mit einer einfachen antwort ist das „problem“ aus der welt und der mensch rückt wieder zurück in den mittelpunkt. warum soll das in der schule aufhören? kein kind geht daran kaputt, wenn es von vornherein erfährt, dass auch zwei männer/frauen zusammen sein können und einfach glücklich sind, dass auch zwei männer/frauen ein kind haben können oder dass es menschen gibt, die körperliche beeinträchtigungen haben. diese menschen sind da draußen! irgendwann werden auch eure kinder sie sehen, egal, wie sehr ihr sie davor beschützen wollt! aber sie werden sehr viel unbefangener und viel selbstverständlicher damit umgehen, je früher sie davon erfahren. ganz ohne erwähnung von sexualpraktiken oder sowas.

homophobie, angst vor inklusion oder vor allen lebensentwürfen, die der „norm“ widersprechen, ist sooo 50er jahre…aber heilbar.

p.s.: ich setze keineswegs körperliche beeinträchtigungen mit homo/transsexualität gleich. ich finde nur, beide gruppen sind in unserer heterosexuellen, körperlich gesunden (achtung, sarkasmus!) welt unterrepräsentiert.

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