bestandsaufnahmenrant

hmmm…wie fang ich es an? am besten so:

„ich kann gar nicht verstehen, warum jemand wie du noch single ist.“

hätte ich jedesmal, wenn dieser satz fiel, einen euro dafür bekommen, wäre ich heute reich.

es war nie so, dass ich einen plan für mein leben gehabt hätte à la: mit 35 biste verheiratet und hast 2 kinder, haus, hund. im gegenteil. sehr lange vertrat ich vehement den standpunkt, dass ich niemals heiraten oder gar kinder haben werde. immer wieder wurde mir gesagt: „hihi, ja, eines tages, da kommt die biologische uhr!“ und ich sagte immer: „ja, manchmal hör ichs ticken, ist aber nur der wecker aufm nachttisch.“. und damit war die sache durch. wird sich schon irgendwie alles regeln, dachte ich.

wenn ich heute zurückschaue, war ich den größeren teil meines lebens single. selten gewählt. aber lange auch nicht als tragisch empfunden. mit anfang 20 hatte ich eine beziehung, die drei jahre ging und dann endete, weil die vorstellungen eines mannes anfang 30 von denen einer frau anfang 20 doch abweichen. wenn dann noch 500 km entfernung dazu kommen, wirds schwierig. so ging die ganze sache also recht unrühmlich zu ende, mit dolle herzaua. seis drum. lange her.

ich studierte fertig, zog nach berlin. ich war 28, seit fünf jahren single und mit meinem singledasein okay, wenn auch nicht 100% zufrieden. ich war immerhin in der geilsten stadt der welt! ist sie immer noch, wenn auch entromantisiert. denn: was sich in greifswald, einer stadt mit massivem frauenüberschuss, andeutete, wurde in berlin perfektioniert. martin „gotti“ gottschild hat es sinngemäß mal in die worte gefasst: „in berlin muss sich niemand binden, weil an der nächsten ecke der nächste steht, der sich auch nicht binden will.“ in einer der großen tageszeitungen (ich weiß wirklich nicht mehr, welche es war, sonst würde ich sie verlinken) las ich vor nicht allzu langer zeit den satz: „berlin ist die stadt der singles, die es bleiben wollen.“ das ist natürlich quatsch. denn 1.) gibt es ja auch in berlin menschen, die sich finden und zusammen bleiben und 2.) gibt es auch hier natürlich menschen, die single sein nach einer weile einfach doof finden.

und damit komm ich wieder zu mir. ist ja auch mein blog. hihi. ich lebte also so vor mich hin. ging feiern, traf männer und…stellte schnell fest: egal, ob du mit ihnen direkt was anfängst oder nicht: sie melden sich nicht mehr. okay. dann also partys. hört man ja immer wieder, dass sich leute auf partys treffen. von denen gab es in meiner berliner zeit nur leider wenige, die nicht von mir initiiert wurden. also auch nix. und wie ich so immer länger in berlin lebte und immer länger single war und je mehr freunde sich fest banden und familien gründeten und je mehr es mich frustrierte, traf ich immer mehr männer, die sich genau in zwei kategorien fassen lassen: die einen suchen jemanden, der ihnen den weg zeigt. sie sind eher unsicher, vor allem emotional und antworten auf fragen wie „worauf hast du denn lust?“ oder „welchen film wollen wir denn gucken?“ grundsätzlich mit „mir egal, sag du!“. das ist auf die dauer recht anstrengend, denn auch wenn diese männer einer frau gern die welt zu füßen legen würden, muss man ihnen als frau erstmal sagen, wo der weg dahin ist. und dann kann man ihn auch allein gehen.

die andere kategorie ist jedoch nicht wirklich angenehmer. das sind die „du, ich such eigentlich grad nichts festes, aber eine affäre/offene beziehung/ich hab ne offene beziehung“-typen. und das binden sie dir auch direkt auf die nase. beim ersten gespräch. egal, ob das kennenlernen spontan in ner kneipe stattfindet oder sonstwie. und ich denke dann immer nur: „jo. schön. tmi. weißte, früher hat man sich nochmal aufn kaffee getroffen oder abends und dann nochmal und nochmal und geguckt, ob was geht, aber das ist mit dieser aussage ja auch mal einfach makulatur.“ zumal „ich such grad nix festes“ ja eigentlich auch nur bedeutet „ficken wär schon geil, aber für mehr reichts dann auch nicht“. offenbar ist heute die größte bedrohung, sich binden zu „müssen“, ja es wird von vornherein als zwang empfunden, eine beziehung einzugehen. als wäre man dann am andreaskreuz im keller angekettet und auf die gnade der frau angewiesen, was essen und ab und zu mal rumlaufen angeht. „beziehung“ ist heute offensichtlich das worst case scenario.

so langsam komme ich an einen punkt in meinem leben, an dem ich feststelle: es regelt sich eben nicht irgendwie. was nicht daran liegt, dass ich nicht will, sondern daran, dass „bindung“ und „verbindlichkeit“ heutzutage offenbar schimpfwörter sind. oder ganz doll böse, gefährlich und um jeden preis zu vermeiden. ich komme an einen punkt in meinem leben, an dem ich feststelle, dass ich auch nicht aktiv etwas dagegen tun kann oder mich dafür oder dagegen entscheiden, weil ich die chance dazu gar nicht bekomme. man trifft sich, redet, der abend verläuft angenehm – und plötzlich kommt aus dem nichts „du, aber was festes will ich nicht“. anfangs fragte ich mich noch, ob ich jetzt sooo verzweifelt gewirkt habe, dass ihm das zu betonen so wichtig war. oder ob ich so wirke, als ob ich in der handtasche direkt die hand- und fußfesseln mit mir herumtrage, um ihn anzubinden und nie wieder wegzulassen. kurz: ich fragte mich, ob ich irgendwas falsch gemacht habe. und stellte fest: ja, ich bin nicht ganz einfach, nicht schlicht und leicht zu durchschauen, aber so prinzipiell finde ich mich schon sehr okay so. und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass ich einem mann jemals in den ersten beiden stunden ungefragt auf die nase gebunden hätte, dass ich gedenke, ihn in sechs monaten heiraten und danach direkt mit der familienplanung beginnen zu wollen. was ja das gegenstück zu den informationen wäre, die mir ungefragt erteilt werden.

ich habe auch schon den einen oder anderen mann getroffen, der bass erstaunt war, dass ich nicht sofort einen hysterischen tobsuchtsanfall bekam, wenn er mit seinen jungs um die häuser wollte. der seine vermeidungs- und „ich sag besser nix und ruf auch nicht an“-strategie fuhr, weil er mit einem solchen rechnete und dann verwundert feststellte, dass bei mir bescheidsagen einfach ausgereicht hätte. weil ich das ganz normal finde. und der, wenn er das feststellte, mich ganz schnell abschoss. bzw. in die freunde-schublade steckte. was aufs gleiche rauskommt. denn seltsamerweise stehen männer auf dieses gezicke. auch, wenn sie immer sagen, dass das ja ach so anstrengend ist.

liebe männer (und auch frauen): es gibt wundervolle frauen (und auch männer) da draußen. die meisten haben weder vor, euch einzusperren noch euch anzuketten. wie wäre es, wenn ihr es einfach mal ausprobiert? mal nen drink und dann noch nen kaffee und dem ganzen die möglichkeit gebt, sich zu etwas zu entwickeln, bei dem man mutmaßen kann, ob es mehr als ein paar treffen werden könnten? statt sofort abzublocken und eure freiheit zu propagieren? jeder/m frau/mann von vornherein zu unterstellen, dass sie/er ja euch nur festketten will, vor allem ab einem bestimmten alter? und ja, ich weiß, ich habe geschlechtsgenossinnen, deren einziges ziel ist, geheiratet zu werden, aber die sind zum glück ja immer seltener. gerade wir so mit mitte 30 und älter sind natürlich nicht ohne macken und altlasten. ihr nicht, wir nicht. wir haben alle scheiße erlebt, unsere herzen haben narben und wir haben alle angst, dass noch mehr davon dazu kommen. aber es deswegen ganz lassen?

ganz ehrlich, liebe berliner männer: ich mag euch. aber langsam frustriert ihr mich, weil ihr mich (und viele andere bezaubernde frauen) unter generalverdacht stellt.

2 Responses

  1. Lovey Says:

    Ist nicht nur Berlin – geht mir hier in der Schweiz genau so!

  2. Anneke Says:

    Liebe Rachel,

    hier, 400km weiter westlich, nehme ich Ähnliches wahr:
    Wir wollen Männer ganz für uns, damit wir endlich Hausfrau sein dürfen, während der Mann uns ernährt und abends brav auf dem Sofa angekettet Schnulzenfilme mit uns anschauen musd. Fußball ist natürlich verboten! Auch mit den Jungs um die Häuser ziehen und Playstation zocken! Wo kommen wir denn da hin?! Wir wollen sie natürlich ihrer Männlichkeit (*ähem*) berauben, jawohl!

    Aber nein, sie bleiben lieber unter sich, saufen auf ihre Unabhängigkeit und lächeln nur müde über das ach, so lästige andere Geschlecht und schwören sich gegenseitig, nienieniemals in das Netz der Frauen zu geraten (ja, wir wollen sie auffressen!).
    Sie müssten ja Verantwortung übernehmen, was hieße, nicht mehr nur Lego zu spielen, sondern reden, zuhören, miteinander und verbindlich sein, Prioritäten anders stecken und gemeinsam Kompromisse finden, die Zukunft nicht immerzu auszublenden… Eine Plage!

    Von Herzen wünsche ich dir einen Menschen an deiner Seite, mit dem du Spaß, Spiel, Freundschaft und Liebe teilen kannst!
    Huch, das sind ja gleich vier Dinge auf einmal – das geht. Nur bei den Männern, die für immer ausschließlich Kind bleiben und nicht erwachsen, sich weiterentwickeln wollen, nicht. Laaaaaaaaaangweilig!

    LGW,

    Anneke

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