lobhuddelei auf die beste omma/mama der welt

heute wird es persönlich. aus gründen. dies ist eine lobhuddelei auf meine omma, die gleichzeitig auch meine mama ist. und das hat nichts mit inzucht zu tun.

family selfie

meine omma ist 1936 geboren, mitten in die kriegsvorbereitungen. ihr vater ist früh eingezogen worden und leider schnell gefallen. trotzdem weiß omma noch gaaaaanz viele witze und gassenhauer von ihm zu erzählen. ihre mutter ist mit ihr und ihrem jüngeren bruder im krieg nach liebenwalde in brandenburg gegangen, weil dort die versorgung mit lebensmitteln besser war. trotzdem haben omma und ihr bruder als kinder beim schweinebauern aus dem kartoffelkocher geklaut, weil sie hunger hatten und die frischen pellkartoffeln zu verlockend waren. nach dem krieg sind sie in berlin aufgewachsen, omma hat nach der 8-klassenschule eine lehre zur krankenschwester angefangen. damals muss sie ein echt heißer feger gewesen sein, denn bei den monatlichen tanzveranstaltungen standen die herren bei ihr schlange. 😉

sie verliebte sich irgendwann und weil auch in den 50ern die leidenschaft manchmal größer war als die liebe, wurde sie schwanger. damals „heiratete man“ eben, wenn sie schwanger wurde. ihr gatte war erbe eines lebensmittelladens. meine mutter wurde geboren und war der sonnenschein des hauses und der straße. meine tante kam einige jahre später dazu. meine omma ließ sich irgendwann scheiden und pflegte mit ihrer nachfolgerin bis zu deren tod eine innige freundschaft. geht also auch.

ich lernte meinen leiblichen großvater noch kennen, ich erinnere mich aber kaum an ihn. er war „opa mit dem bart“ und hatte einen dalmatiner, der so groß war wie ich. außerdem hat er mich öfter mit dem motorrad vom kindergarten abgeholt, was ich voll doof fand, weil ich dann immer einen schutztrichter aus folie aufsetzen musste, der von innen beschlug und es war warm darunter und überhaupt eben voll doof.

auf die probleme mit meiner mutter möchte ich hier nicht näher eingehen, long story short: sie bekam mich sehr früh, meinen bruder so schnell danach, wie man halt nach einer geburt schwanger werden kann und war überfordert. eines tages offenbarte sie meiner omma den satz, der mein leben verändert hat: „entweder du nimmst sie oder ich geb sie ins heim.“ da war ich 3,5 jahre alt und hatte schon einiges hinter mir. trotzdem fragte mich omma, als hätte ich eine wahl, ob ich lieber bei ihr bleiben möchte oder bei meiner mutter. zu dieser zeit hatte ich schon immer wieder und auch länger bei ihr gelebt und meine entscheidung war eindeutig: „bei dir!“

omma war zu dieser zeit 46 und oberschwester in der sanistation im ostbahnhof. sie hat für mich ihr gesamtes leben umgekrempelt. mich morgens zur tagesmutter gebracht und nach dem dienst noch eingekauft und mich abgeholt. auch zu ddr-zeiten ging das nur mit einer tagesmutter, weil die krippen nicht lange genug offen waren. sie lernte den mann kennen, der dann mein „echter“ großvater wurde, sich aber nie in mein herz kämpfen konnte. auch, wenn ich heute zugeben muss, dass er es auf seine art wohl wirklich versucht hat. sie zogen gemeinsam nach guest, ein winziges dörfchen nahe greifswald (das aber älter ist als greifswald!). und ich wurde mitgenommen. meine worte, als ich in das auto stieg, das mich von meiner mutter (und meinem bruder weg) nach guest brachte, waren: „und ich muss nie wieder hierher zurück?“

ich erlebte eine kindheit auf dem dorf, wie sie schöner nicht hätte sein können. um mich herum waren immer tiere, natur und meine omma. sie hatte mit ihrer zweiten heirat 1984 entgegen allen ddr-maximen das hausfrauendasein gewählt, ich ging aber trotzdem in den kindergarten. das war gut, denn wenn ich nach hause kam, nach einem langen tag, war da omma und hat mir mein lieblingsessen gemacht und mich in den schlaf gesungen. in der ersten zeit im haus auf dem land schliefen meine eltern (ja, ich nenne sie so) unten, mein zimmer war oben. damit ich mich nicht fürchte und nicht nachts im dunklen runtermusste, hatte ich ein angstlicht und einen pullereimer. klingt albern, aber ich war ein 4jähriges mädchen mit großen trennungstraumata.

als ich ungefähr 8 war, kam die jugendhilfe (jugendamt der ddr) zu mir und teilte mir mit, dass meine mutter heiraten würde und mich zurückhaben wollte. ich müsste mich nicht sofort entscheiden, sondern könnte darüber nachdenken in aller ruhe. ich entschied mich gegen sie, musste aber, da sie der adoption durch meine großeltern noch immer nicht zustimmte, ihren neuen namen auch annehmen. meine eltern haben mich damals in keinster weise beeinflusst. sie haben mir die entscheidung allein überlassen. gerade und besonders meine omma wusste, dass ich eine kluge entscheidung treffen würde. soviel vertrauen hatte sie in mich.

1989 stimmte meine mutter der adoption endlich zu. für mich wurde damals nur amtlich gemacht, was für mich fakt war. omma aber weinte die gesamte zeremonie durch und erst heute verstehe ich, warum.

meine omma hat mich immer unterstützt, wo es nur möglich war. sie hat „meine männer“ vielleicht nicht immer gut gefunden, aber nie über sie gelästert. sie hat mich sein lassen, was ich wollte. nach dem abitur habe ich eine lehre angefangen. ich weiß, dass sie enttäuscht war, weil ich ja abi hatte, aber sie stand hinter mir. als ich diese lehre kündigte und zur uni ging, war sie ganz aus dem häuschen. als ich meinen magisterabschluss hatte, hat sie bei der ostsee-zeitung den halben nachmittag angerufen, um die kinotickets zu gewinnen, die am nächsten tag in der zeitung mit namen und gruß veröffentlicht wurden.

meine einzige maxime im leben war „werde nicht wie deine mutter“. nicht, dass meine omma mir das eingebläut hätte. das habe ich selbst entschieden. und ich bin ihr genaues gegenteil.

und ich bin die einzige aus der familie, die mit ihr den 80. geburtstag gefeiert hat. es war ein großes jubiläum und ich habe lange überlegt, womit ich ihr einen unvergesslichen tag machen kann. omma steht auf erdmännchen, ist patin eines erdmännchens im greifswalder tierpark. also habe ich dort angerufen und mal gefragt, ob was geht und wenn ja, was? und bekam die reviertierpflegerin ans telefon, die mir zusagte, dass wir an ommas geburtstag gern kommen können und sie würde sich zeit für uns nehmen.

also zerrte ich omma an ihrem 80. ins auto, fuhr mit ihr in den tierpark und wir standen bei den erdmännchen … und die tierpflegerin war nicht da. außerdem gab es noch einen verletzten schwan und ich wusste, dass bärbel (die tierpflegerin) allein war und sah meine geburtstagsfelle davonschwimmen … aber ich rief nochmal an der kasse an und omma und ich waren mit bärbel IM erdmännchengehege. das war toll! die sind so neugierig und so kommunikativ! omma hatte 1000 fragen und bärbel hat sie alle beantwortet. anfassen durften wir leider nicht, weil die schnell beißen, aber bärbel meinte „fasst sich an wie katze!“.

liebe omma, ich danke dir für alles, was du mir gegeben hast und wünsche dir nur das allerbeste. ganz viel gesundheit und noch ganz viele jahre. zu deinem 90. geburtstag plane ich schon mal eine „dinner for one“-version mit dir und für dich. ich kann meine liebe zu dir nur selten in worte fassen, weil wir keine gefühlsduselige familie sind. aber ich liebe dich unbeschreibbar und möchte dich noch so lange in meinem leben haben, wie du magst. ich liebe dich einfach.

dein mädchen.

One Response

  1. Ichhebgleichab Says:

    Eine sehr rührende Geschichte. Ich wünsche Euch beiden noch sehr viele gemeinsame Jahre! <3

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