von freaks und wurstwasserfrauen

ich bin nun seit bald acht jahren single, abgesehen von einigen nicht wirklich wichtigen affären, die selten über die zwei-monatsgrenze hinauskamen. okay, fünf jahre kann man gleich wieder abziehen, denn in denen war ich so doof, einem traum nachzuhängen, von dem ich wusste, dass er sich wohl nie erfüllen wird.

aber alles in allem ist dieser singlestatus kein selbstgewählter, sondern es hat sich einfach nicht ergeben. nun wird es wieder frühling und die pärchen kommen wieder raus. und damit beginnt dann unweigerlich das nachdenken. denn wenn ich mir manche pärchen so anschaue, frage ich mich, was die beiden wohl verbindet. da läuft ein absoluter adonis mit einer wurstwasserfrau erster güte hand in hand und glücklich durch die gegend. irgendwann wird er diese wahrscheinlich heiraten, oder eine andere wurstwasserfrau. was eine wurstwasserfrau ist, wisst ihr? nein? wurstwasser kennt ihr aber. ist nicht giftig, macht nicht krank, aber trotzdem schüttet man es weg, weil es nur die wurst im glas feucht halten sollte. trinken tun wurstwasser nur freaks.

und damit sind wir beim männlichen pendant zur wurstwasserfrau. ich bin ein freakmagnet. auch das habe ich mir nicht ausgesucht, aber es ist so. ein paar beispiele. ich stehe (vor jahren) allein in meiner stammkneipe an der bar. es betritt ein junger mann den laden, der seinen rucksack an sich klammert, als wären die kronjuwelen darin. er schaut sich um, läuft durch die räume – und kommt zielstrebig wieder zurück, baut sich vor mir auf und fängt an zu reden. von seiner gerade beendeten beziehung, der er überhaupt nicht mehr nachtrauert und ähnlichen quatsch. mit verzweifelten blicken versuche ich den barkeeper auf mich aufmerksam zu machen, bis der endlich einen auffängt und sagt: „komm mal rüber, ich wollt dir doch eh mal den grundschnitt von meiner neuen wohnung aufmalen…“ puh. später an dem abend saßen wir noch in lustiger runde (inklusive rucksackmann) am tisch, da fing rucksackmann von seiner höchst geheimen arbeit für den bnd zu berichten. ja nee, is klar… dann gab es noch den jungen mann, der meine wohnung durchschnüffelte und meinen kühlschrank öffnete und alle anderen schränke, derer er habhaft werden konnte und das auch trotz meines protestes total normal fand. ein anderer wieder hatte einen besten freund, mit dem er ab und zu in die kiste ging. der nächste hatte die qual der wahl zwischen drei frauen und setzte auch alle drei von der existenz der jeweils anderen beiden in kenntnis. entschieden hat er sich für keine. und dann gibts da noch die schnacker-freaks. die, die einem erzählen wollen, dass der himmel grün ist und sitzpinkeln prostatakrebs verursacht. oder der klassiker: männer, die unter spontanamnesie leiden, wenn es um einen one-night-stand geht und sie eine freundin haben. die natürlich eine wurstwasserfrau ist.

das eigentlich faszinierende ist, dass es zwei konstanten gibt:

1. mit 25 jahren sind sie alle kreischend davongelaufen, wenn man das wort „beziehung“ auch nur ansatzweise in den mund nahm. denn der mann an sich hat immer angst, dass, wenn er sich jetzt bindet, er den whirlpool voller nackter supermodels verpassen könnte, die ihm alle zu willen sein wollen. jetzt, mit 30 und älter, wollen sie kinder und heiraten. manche vermitteln einem das gefühl, sie hätten die kapelle schon gebucht und bräuchten nur noch die braut. andere haben sich einen lebensplan gemacht, der besagt,“ mit 35 bin ich verheiratet und habe ein kind. mindestens.“ dieser plan wird durchgezogen. dabei wird ein seitensprung vielleicht nicht geplant, da sie aber in der regel wurstwasserfrauen heiraten, ist er vorprogrammiert. wurstwasserfrauen sind nur nichts besonderes, sie sind es auch im bett. das sind die frauen, die sich niemals selbst unsittlich berühren würden, die alles ablehnen, was spaß macht oder bereiten könnte, die den „akt“ als solchen sehen und über sich ergehen lassen, ohne dabei hilfreich zu sein oder daran freude zu haben. eigentlich arme würstchen, diese wurstwasserfrauen.

2. aber genau diese frauen gehen auch nur mit geringer wahrscheinlichkeit fremd, denn sex macht ja schon mit dem eigenen mann keinen spaß, warum dann andere probieren? die männer der wurstwasserfrauen hingegen gehen, wenn sie dann zweimal im jahr ausgang haben, mit ihren jungs raus und lassen es krachen. und was möchten sie dann mitnehmen? eine rachel. verständlich. aber: das ewig männliche paradoxon sagt ja: ich will eine frau, die will. ich will aber keine frau heiraten, die will. denn die könnte ja andere wollen.

eine rachel für eine beziehung haben wollen aber männer, die probleme mit sich selbst haben und sich eine anleitende lehrerin erhoffen. jemanden, der für sie die probleme löst oder zumindest in die richtige richtung stupst.

und so kommt es zu wurstwasserfrauen mit adonissen und einsamen rachels.

und bei euch so?

6 Responses

  1. spaceape Says:

    Mein erstes selbstgeschriebenes „Stück“ (ca ´95) hiess Wurstwasser. Die Strophe war irgendwas sinniges wie „Jagdwurst Blutwurst Schinken Salami!“ und der Chorus ging dann in etwa „Wurstwasser Wurstwasser“.
    Wundervollerweise gibt es dazu auch ein Video, nur leider ohne Schlagzeug, weil irgendwer musste ja die Kamera halten, und der Drummer konnte eh nichts. Das Stück bestand immerhin aus ganzen 2 Tönen.
    Diese wertvollen Informationen werden sicherlich von vielen Lesern verunterschätzt, aber das ist mir grad mal Rille, endlich konnte ich diese sinnfreien Tatsachen mal mehr oder weniger Kontextbezogen an den Mann, bzw an die Frau bringen. 🙂

  2. rachel Says:

    danke. *prust*

  3. nr1 Says:

    Wurstwasserfrau…grandios! den Begriff muss ich mir merken 🙂

  4. warum ich beziehungsunfähig bin | Rachel Lindenbaum Says:

    […] und 5. bin ich ein freakmagnet. […]

  5. Pinguwien Says:

    Irgendwo da draußen soll es Männer geben, die das gleiche Problem haben – hab ich jetzt ganz nicht-selbstreferenziell gehört, vom Freund eines Freundes 😉

    Jedenfalls: Ja, du hast so recht. Kann doch eigentlich nicht so schwer sein, „endlich ma normaaaaale Leute“ zu finden, aber… ach. Is doof, merkste selber.

  6. rachel Says:

    @pinguwien: endlee normaaale leute…dit wärs

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