heirate mich vol. 2

nachdem der heiratsartikel so großen zuspruch gefunden hat, erzähle ich euch noch ein wenig aus meinem nähkästchen. meine beste freundin aus provinzstadttagen beschloss eines schönen solchen, die stadt zu verlassen, um in tübingen zu studieren. dort wurde sie relativ schnell von einer frauenverbindung „gekeilt“, also dem weiblichen pendant zur burschenschaft. diese mädels waren, bis auf wenige ausnahmen, alle aus dem direkten umfeld von tübingen. warum? ganz einfach. damit am wochenende der weg nach hause nicht so weit ist und mutti schön die wäsche waschen und bügeln kann, damit sie am sonntag wieder frisch ist. diese mädchen wachsen in den in süddeutschland noch sehr präsenten patriarchalischen strukturen auf: vater ist mammutjäger, mutter ist mammutköchin und kinderbetreuerin. und obwohl sie alle studierten, fragt man sich angesichts der folgenden story schon, warum sie das überhaupt tun.

eines tages lernte meine beste freundin, nennen wir sie mal a., einen jungen mann kennen. er studierte jura (im hinterkopf behalten!). man traf sich also, war einander zugetan, aber irgendwie fehlte der rechte gefühlsfunke. also trennte sich a. wieder von ihm. denn: warum sollte man eine beziehung weiterführen, die nicht funktioniert? das eröffnete sie ihren verbindungsfrauen…äh…sagen wir lieber mädchen.

und war doch sehr erstaunt ob der reaktion. statt trost und zuspruch bekam sie sätze zu hören wie: „das kannst du doch nicht machen!“ oder „der wird mal anwalt, der ist ne gute partie!“ oder auch „wenn du den heiratest, brauchst du nie wieder arbeiten gehen!“ öhm…das war so ungefähr 2002, nicht 1902. zum glück ignorierte sie diesen schwachsinn und fand nun vor einigen jahren einen mann, der zwar keine so gute partie ist in finanzieller hinsicht, aber zu ihr passt wie der sprichwörtlich a… auf den eimer. die beiden sind ein echtes traumpaar und aneinander gewachsen.

die logische konsequenz war ein anruf: „würdest du eventuell meine trauzeugin sein wollen?“ na aber sicher wollte ich. so fuhr ich denn im august 2007 nach stuttgart, um ihren junggesellinnenabschied und ihre standesamtliche trauung mit ihr zu feiern. der junggesellinnenabschied fand in tübingen statt, im kreise ihrer verbindungsschwestern… naja, mit alkohol lässt sich ja fast alles ertragen. eine ihrer „schwestern“ hatte damals einen freund, eine gute partie, jura oder so, mit dem sie auch schon zusammenwohnte, im haus seiner eltern – und der sie behandelte wie dreck. in der ganzen zeit habe ich keine einzige liebevolle geste gesehen oder gar ein liebevolles wort gehört.

im vergangenen jahr fand dann die kirchliche trauung statt, diesmal in sachsen, der heimat des bräutigams. dort war auch die „schwester“, die im jahr davor diesen freund hatte. und siehe da, jetzt hatte sie einen neuen. der war auch eine gute partie, jura oder so, und das genaue gegenteil ihres ex. er war aufmerksam um sie herum und alles, was man sich als frau so wünschen kann. und sie? sie zickte ihn an, als gäbs kein morgen. irgendwann hab ich sie mir mal gegriffen und smalltalk gemacht. hast ja nen neuen freund, is ja echt ein netter usw. ja, sie wäre auch total verliebt und glücklich. und da werde ich dann ja immer sehr ehrlich. „echt? und warum zickst du ihn dann die ganze zeit an und behandelst ihn wie einen kleinen jungen?“ große kulleraugen. „mach ich das?“ „ja, schon den ganzen tag.“

ich wage mal eine prognose: er ist ne gute partie, darum muss man mit ihm zusammenbleiben. wahrscheinlich hatte sie ihn sicher, bevor sie sich von der anderen guten partie getrennt hat. er ist in der „richtigen“ verbindung. und ob man ihn wirklich mag oder nicht, ist in dieser welt wahrscheinlich egal, denn es geht ja nur darum, geheiratet zu werden und nicht arbeiten zu müssen. die uni besuchen diese mädels nur, um dort den mann zu finden, der sie heiraten soll. und die männer fügen sich überraschender weise in dieses spiel und tun es auch noch.

warum? kann mir das jemand erklären? ein mann vielleicht? uwe?

und bei euch so?

9 Responses

  1. Stefie Says:

    Hey, aber immerhin hat das Schwesterchen jemanden und ist nicht so bedauernswert wie beispielsweise ich. Ich musste mir gestern während meines Italienischkurses die mitleidigen Blicke aller anderen Kursteilnehmer bieten lassen, weil ich mich doch tatsächlich als „single“ geoutet hatte. Alle Blicke sagten: „Du Arme! Wieso das denn? Bist du psychisch gestört“ Wer jemals in dieser Situation war, weiß wie unangenehm das sein kann.
    Und die „Schester“ umgeht dieses Problem. Hat also noch mehr Vorteile, denn wenn sie ohne Typen herumlaufen würde, würde sie sich auch ständig dafür rechtfertigen müssen warum.

  2. Uwe Says:

    Öhm, du weisst schon, dass ich einfach gestrickt bin? Der Text erinnerte mich an eine Seifenoper, ich hab also nach der Hälfte nicht mehr versucht, es zu verstehen.

    Solange ich abends mein Mammut mit nach hause bringe, ist die Welt für mich in Ordnung.
    Und die beste Ehefrauen von allen ist glücklicherweise mit noch mehr gesundem Menschenverstand ausgestattet, als ich ihn schon hab. Allüren, Zicken und andere Fisimatenten sind ihr genauso fremd wie mir, dem Mammutjäger. Dorfkind des Ostens eben :o)

    Für mich klingt dein Text wie aus einem Paralleluniversum.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich kann’s Dir nicht erklären!

  3. hühnerschreck Says:

    hmmm, *nick*, das kenn ich sehr ähnlich. und finde es ebenso gruselig … da macht madame ihren doktor qua heirat. erwähnte ich, dass sich mir dabei das (frisch shampoonierte) nackenfell sträubt?

    mir wurde, als ich meinen zukünftigen mann kennenlernte, unterstellt, ich hätte ihn mir nur wegen des geldes geangelt (die familie hat ein mittelständisches unternehmen). damals arbeitete ich in einem kleinen büro und verdiente lausig. kurz danach habe ich mich selbständig gemacht. dabei wurde ich von ihm moralisch wirklich phantastisch unterstützt – und ja, es war gut zu wissen, dass ich im fall der fälle netz und doppelten boden gehabt _hätte_. (gebraucht habe ich es nicht.)
    die (vorwiegend weiblichen) stimmen verstummten nicht mal, als ich anfing, gut zu verdienen – erst als es dem unternehmen deutlich schlechter ging und plötzlich ich diejenige mit dem deutlich größeren einkommen war …

    irgendwie riecht mir das nach einer mischung aus sozialneid und seltsamem verständnis vom hausfrauendasein. ich persönlich würde wahnsinnig werden, wenn ich nur daheim sitzen müsste und nix sinnvolles außerhalb von kochen, putzen, waschen zu tun hätte. ganz am rande: grade die hausfrauen hört man ja auch gern nörgeln, weil ihr wirklich anstrengender job nicht mal wahrgenommen, geschweige denn gewürdigt wird („das bisschen haushalt macht sich von allein, sagt mein mann …“). und nur daheim auf dem westöstlichen diwan ausgestreckt sein, prosecco schlürfen und die dienerschaft mit langem arm dirigieren ist vermutlich auch nur die ersten vier wochen unterhaltsam 😉

    schönes, sonniges und erholsamws we wünsch ich!

    *winkend ab*

  4. rachel Says:

    hmm, also stefie, ich musste mich für meinen singlestatus in 8 jahren noch nie rechtfertigen… und ne beziehung haben, nur um ne beziehung zu haben – ich weiß ja nicht. ich sag ja, komm nach berlin, hier sind wir singles in der überzahl! hier musste dich rechtfertigen, wenn du ne beziehung hast. 😀

  5. rachel Says:

    schade, uwe, stimmt, ich hätte nen wessi fragen sollen. die ostmänner sind da anders.
    ostmänner anwesend? single, um die 30, attraktiv, aus berlin? schreibt mir! 😀

  6. rachel Says:

    dem kann man sich mit eigener arbeit ja ganz leicht entziehen. aber dann bräuchte man ja nicht zu heiraten… 😀

  7. Christian Says:

    Ich mach’s kurz: Danke, für Deine ehrlichen Worte!

    Ok, etwas ausführlicher geht auch: Ich kenne die oben erwähnten Personen nicht persönlich und habe trotzdem das Gefühl dabei gewesen zu sein. Deja-vu, sagt man wohl.
    Nur hatte ich mir wohl mit Selbstausreden wie ‚Wir leben doch im einundzwanzigsten Jahrhundert!‘ ein bisschen in die eigene Tasche gelogen. Beobachtungen wie ‚in der ganzen zeit habe ich keine einzige liebevolle geste gesehen oder gar ein liebevolles wort gehört.‘ mache ich auch; leider viel zu oft.
    Wenns ganz Sch…. läuft ist noch Gewalt im Spiel und auf das ‚Warum?‘ kommt das ‚Aber ich liebe ihn (oder auch gerne sie) doch.‘ wie das Amen … Ihr wisst schon.
    Ich fühle mich gewissermaßen in fremden Zeilen verstanden. Kommt nicht alle Tage vor.
    Danke; sagte ich wohl schon.

  8. rachel Says:

    schön, wenn ich dir eine freude machen kann. tweetul8er!

  9. gretchens fail | Rachel Lindenbaum Says:

    […] zufall. laut “doctor’s diary” ist der einzige große wunsch einer jeden frau geheiratet (ja, passiv!) zu […]

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