sommer vorm neuköllner südbalkon

achja, was für ein wetter… das einzige, was das komplette sommerfeeling ein wenig stört, ist der böige wind, der hier auf meinem balkon rumweht, aber in den pausen zwischen den böen ist die welt perfekt. ich sitze im kurzen kleidchen auf meinem südbalkon und lasse mir die sonne auf die nackten beine scheinen. mein direkter blick fängt übergrüne bäume ein, die mal mehr, mal weniger sanft vor sich hin rauschen. ab und zu fährt ein auto unten vorbei, noch seltener ein schiff auf dem kanal, den ich nicht sehen kann ohne aufzustehen, aber von dem aus mich so eben auch keiner sehen kann. ab und zu hauen sich da unten hunde, das kann ich hören.

is schon schön hier in neukölln. nur doof, dass ich irgendwie in der einzigen ecke von neukölln zu wohnen scheine, in der es nicht an jeder ecke einen späti gibt. so ist der weg zum dealer meines tabakvertrauens relativ lang im vergleich zu meinem alten kiez. auf diesem weg genieße ich dann das, was den sommer am kanal in neukölln ausmacht: seltsame menschen mit bierflaschen am hals morgens um halb 10, die unvermeidlichen türkischen mitbürger mit dem unvermeidlichen staffi an der leine, der offiziell ein boxermix ist, der heimelige duft von in der sonne trocknendem hundekot, der durchdringende geruch von in der sonne trocknendem hunde- und menschenurin. denn da, wo der mann nicht mehr mann sein kann und im sitzen pinkeln muss, übernimmt er freiwillig die aufgabe des gassigehens, um es dann seinem hund gleich zu tun und die büsche am weg zu markieren.

unter meinem balkon gerade ein kindermeute mit migrationshintergrund und handy mit mp3-player, das irgendwelche hiphop-mucke quäkt, deren unanständiger inhalt ahnungslos nachgeplappert wird. neukölln ist schon anders, aber ich mag es hier.

und bei euch so?

5 Responses

  1. Mariechen Says:

    nen südbalkon hab ich auch
    allerdings geht meiner auf den hinterhof raus, dh bäume, bäume, bäume. da ich ganz oben wohne, hab ich aber wirklich die ganze zeit sonne und weder autos, noch schiffe (10min fußweg zum wasser) und auch keine kinder.
    Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, man sei aufm dorf und nicht mitten in berlin.

  2. C. Says:

    bei mir in fhain (korrekt natürlich kreuzberg-friedrichshain), ist einiges anders: ich habe kaum grün, aber die weißen flocken der pappeln kommen trotzdem von was weiß ich wo ins zimmer geflogen. auf der frankfurter allee in meiner nähe geben die autos alles, damit die schmucke luftgütemessstation nicht arbeitslos wird. hunde muss es auch geben; ich sehe nicht allzu häufig einen, dafür habe ich aber den slalomkurs auf dem gehweg gratis.
    macht mir wenig aus, denn wenn ich z. b. mit der u-bahn zur arbeit über ‚meine‘ oberbaumbrücke fahre läuft mir auch im 20. jahr der wende noch ab und zu ein schauer den rücken runter und mir fällt wieder ein, dass das hier alles mal ganz anders war. dann geht’s mir gut.

    mit migranten habe ich weniger kontakt hier. ok, die osteuropäischen damen aus dem massagesalon kleiden sich jetzt wieder jahreszeit- und arbeitsplatzgemäßer 😉 dafür durfte vor wochen hier ein t**r-st**ar-laden eröffnet werden und darüber bin ich erschüttert und sauer.
    aber insgesamt bin auch ich ein zufriedener, nein sogar ein glücklicher berliner, der sich bis in den abend darüber freuen kann, das der tram-fahrer auf mich alleine gewartet hat und mich nicht umsonst hat rennen lassen hat. ich mag auch den wind und freue mich über regen, wenn die natur ihn braucht. und ich möglichst im trockenen sitze. oder über die frechen berliner spatzen, die draußen im kaffee ihren obulus einfordern.

    ok, das ist keinesfalls repräsentativ. aber ihr bayern, friesen, sachsen und westfalen: wollt ihr uns immer noch eure vorurteile vom unfreundlichen, knurrigen berliner erzählen?

  3. Oliver Says:

    Also ich habe ne Nord- und Südterasse, mindestens 20 Meter bis zum Nachbargrundstück Und Ruhe den ganzen tag. Allerdings im Sommer lautes Vogeltwittern ab 5 Uhr.

    Übernachtungsgäste beschweren sich bei uns immer, sie können nicht schlafen, weil es so total ruhig ist.

    Und diese Gäste kommen dann aus Hamburg, Berlin oder Köln..

  4. rachel Says:

    @oliver: bis vor drei monaten wäre ich auch eine von diesen besucherinnen aus berlin gewesen bezgl. der ruhe usw. bin ja auf dem land in den von dir beschriebenen verhältnissen aufgewachsen und insofern waren die letzten 7, vor allem aber die letzten 2 jahre die hölle für mich: direkt an der straße, mit supermarkt vor der tür (anlieferung ab 5.30), nachtbusse, autos etc. ich habe des öfteren bei offenem fenster in meinem wohnzimmer gesessen und bei telefonaten gehört: „du, wenn du grad unterwegs bist, dann lass uns doch später telefonieren.“ „nee nee, bin zuhause.“ „echt? klingt, als stündest du auf der straße…“
    jetzt habe ich ein schlafzimmer, in dem ich immer nachgucken muss, ob das fenster wirklich offen ist, weil es da so ruhig ist. sicher kann man irgendwo da ganz hinten erahnen, dass da mal ne s-bahn oder ein auto fährt. aber es ist verdammt ruhig für mitten in berlin….

  5. Oliver Says:

    .. ein unbezahlbares Plus an Lebensqualität.

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