„das parfum“ – nasendinge als augending

hallo ihr lieben, die liebe technik hielt mich leider für einige tage von euch fern, aber da bin ich wieder. und weil ich montag kein internet hatte, musste ich fernsehen. die auswahl war nicht schwer, denn es kam ja überall nur blödsinn. also schaute ich mir „das parfüm“ an, ein film, den ich mir damals im kino nicht angeschaute habe, nachdem ich das buch gelesen hatte. denn schon damals fragte ich mich: wie will man diese olfaktorischen erlebnisse grenouilles in ein audiovisuelles medium übertragen? andererseits riecht das buch ja auch nicht, sondern bedient sich der sprache, um die olfaktorischen erlebnisse zu beschreiben. es wäre aber ziemlich langweilig, den ganzen film über einfach nur aus dem buch vorzulesen. obwohl der anfang ja durchaus so ist. die ersten jahre von jean-baptiste werden ziemlich gestrafft und daher vom erzähler unterlegt. doch auch im weiteren verlauf hätte man sich manches mal einen erklärenden erzähler gewünscht.

es gibt für mich zwei störende punkte in diesem film. der erste ist, dass an manchen stellen und damals auch im marketing für den film versucht wurde, das ganze als thriller zu verkaufen. denn das ist weder der film noch das buch. im film konnten sie sich einige anleihen aus machwerken wie „scream“ nicht verkneifen, das war jedoch glücklicherweise zu vernachlässigen. das zweite störende element war, dass jean-baptiste den gesamten film über aussieht, als hätte er sich gerade im dreck gewälzt. auch, wenn sein körper keinen eigengeruch hat und er somit laut süskind unsichtbar ist für die meisten, weil sie ihn nicht wahrnehmen, müsste er in der zeit in der gerberei, beim parfumeur und auch nach jahren in der höhle gestunken haben wie ein iltis. denn die klamotten nehmen ja auch geruch an. das bedeutet, dass süskind nicht von einem ewig dreckigen grenouille ausgegangen ist, sondern von einem einigermaßen sauberen.

faszinierend fand ich die szene, wie jean-baptiste laura und ihren vater per nase verfolgt und findet, nachdem der vater seine tochter in sicherheit und ganz weit weg bringen wollte. wie selbstverständlich läuft grenouille durch deren herberge, ins zimmer des vaters, holt den schlüssel für lauras zimmer, pflückt die letzte blume für das parfum, und verschwindet wieder, die kahlrasierte tote laura auf dem bett drapiert.

die idee, dass jemand die absolute nase hat und aus menschendüften ein parfum komponieren kann, das ihn nicht nur be-, sondern geliebt werden lässt, ist schon interessant. ich finde allerdings, dass süskind mit seiner schlussszene vieles von dem recht zauberhaften plot, in dem der leser fast mitleid mit diesem jungen mörder hat, zerstört. und es stellt sich mir die frage, ob er die szene mit der massenorgie auf dem marktplatz nicht vielleicht gar in hinsicht auf eine mögliche verfilmung und das damit verbundene marketing so geschrieben hat.

ein prozess gegen grenouille, bei dem er das parfum einsetzt und schlicht freigesprochen wird, wäre ungleich unspektakulärer gewesen. und es hätte dem mörder nicht vor augen geführt, dass er auch mit dem parfum nicht erreichen kann, dass jemand ihn liebt, sondern immer nur den vorübergehenden rausch. das ende habe ich übrigens im buch schon nicht verstanden: grenouille gießt sich das restliche parfum über und über und wirft sich selbst dem pariser mob am ort seiner geburt zum fraß vor. der mob besteht aus menschen und als der haufen über grenouille sich auflöst, sind nur noch seine klamotten übrig. wo ist dann er?

positiv erwähnenswert ist übrigens das schauspielerensemble. zum einen die jungen, die jean-baptiste als kind spielen bis zu ben whishaw, der den erwachsenen spielt. dann natürlich dustin hoffman als parfumeur baldini, gepudert und mit schlecht sitzender perücke. dann corinna harfouch, von mir heiß verehrt. nicht zu vergessen der immer wieder großartige alan rickman, der einigen vielleicht noch als geschlechtsloser engel aus „dogma“ in erinnerung ist. auch karolie herfurth (danke @mariechen81) das mädchen mit den marillen, das erste opfer und vielleicht die einzige liebe grenouilles. dagegen sah die laura wie eine billige kopie aus. aber auch die nebenrollen waren größtenteils sehr gut besetzt.

fazit: kann man sich mal auf dvd ausleihen, aber das buch tuts auch. es ist ein interessantes experiment gewesen, das über weite strecken funktioniert, aber seine schwachstellen hat. aber das haben verfilmungen ja öfter.

und bei euch so?

7 Responses

  1. -buck Says:

    Wie, wenn Sie kein Internet haben sehen Sie fern? Das wäre die ideale Gelegenheit gewesen, einundzwanzigeinhalb Blogeinträge zu verfassen oder zumindest vorzubereiten, als Ausgleich für die irritierende Funkstille.

    Man macht sich ja schließlich Gedanken… 😉

  2. rachel Says:

    @buck: das hätte ich gern, jedoch war mein notebook im koma und redete nicht mehr mit mir. es tut mit soooo leid! 😀

  3. Stefie Says:

    Ja, komisch ist das schon, wenn man sich nach 4 Tagen internetloser Zeit wieder auf die Blogseite begibt und da so gar nix steht.
    Aber nun gibt es ja wieder Leben und Lesefutter!
    Danke

  4. rachel Says:

    @Stefie: sagt es meinem notebook, in der hoffnung, dass es das nie wieder tut. einfach so sterben. zum glück habe ich einen großartigen pc-doc, der es richten konnte, aber ich fang trotzdem besser an zu sparen…

  5. Yps Says:

    also mal ganz kurz am rande, habe mir den film auch angeschaut (auch weil ich endlich mal erfahren wollte, wie das ganze endet, obwohl ich bereits im abi über das buch eine klausur geschrieben habe)

    viel wichtiger ist aber für mich die frage: woher kommt eigentlich die redewendung „stinken wie ein iltis“? 😀

  6. Oliver Says:

    … weil ein Iltis stinkt wie Sau wenn er nass ist 🙂

  7. DVD Das Parfum - Klassisches Drama - Gimahhot Says:

    […] einsetzt und schlicht freigesprochen wird wäre ungleich unspektakulärer gewesen. und e rachellindenbaum.de Die Geschichte des Jean-Baptiste Grenouilleder im Frankreich des 18. Jahrhunderts mit einem […]

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