der teufel scheißt immer auf den größten haufen

solche leute kennt ihr auch, ganz sicher. sie sehen blendend aus, nehmen nie zu, können anziehen was sie wollen, bekommen jeden job, selbst den, für den sie nicht qualifiziert sind und kommen immer mit einem lächeln durchs leben. worte wie „angst“ oder gar „existenzangst“ kennen sie nicht, weil sie ihr leben lang immer glück haben. solche menschen fallen nicht mit der fresse in den dreck. solche menschen finden den perfekten partner, ja, er läuft ihnen sogar nach und sie könnten es sich leisten, brangelina abzuweisen, weil sie das date mit george clooney schon in der tasche haben. meist können sie nix, sind aber immer ganz vorn dabei.

eine liebe freundin sagte mal zu mir: „weißt du, wer so durchs leben kommt, bekommt dann irgendwann krebs oder so.“ nicht, dass ich irgendwem so etwas wünschen würde.

meine ex-mitbewohnerin zum beispiel machte immer alles auf den allerletzten drücker und manchmal sogar ein bisschen zu spät und kam damit durch. sie hatte immer glück, egal, was sie anpackte, es gelang. irgendwie.

meine ex-kollegin kam frisch von der uni, ein püppchen im barbie-outfit, fachlich eine niete, sollte gar nicht eingestellt werden, aber einer der chefs erlag ihrem zugegebenermaßen unschlagbaren charme und sie war drin. die qualität ihrer arbeit war grotte, aber dank ihres mäzzen blieb sie.

solche leute haben keine erfahrung mit misserfolgen, weil sie sie nicht kennen. vielleicht ist genau das das geheimnis ihres erfolges, dass sie eben ohne zweifel an sich und ihrem können an dinge herangehen. sie können sich wie im fall meiner ex-kollegin gar nicht vorstellen, dass irgendetwas, was sie tun, auf ablehnung stoßen könnte. und während man daneben steht und sich fragt, wie sie jetz DAMIT wieder durchgekommen ist, planen sie schon das nächste projekt.

mein leben hat in den letzten jahren viele misserfolge gesehen, es ging lange nur bergab. immer, wenn ich dachte, es gibt einen kleinen lichtblick, bekam ich von hinten den nächsten nackenschlag und lag wieder mit der fresse im dreck. es mag auch daran gelegen haben, dass ich aufgrund meiner erfahrungen und misserfolge mit zu wenig selbstvertrauen an die dinge gegangen bin.

andererseits hat mich diese zeit auch viel gelehrt. zum einen, dass es wichtig ist, auch die kleinen dinge wertschätzen zu können. ein kleines danke und bitte kosten kein geld, zaubern ein lächeln auf gesichter und machen einem selbst das leben leichter. zum anderen ereilt mich langsam der eindruck, dass vieles geschieht, weil es geschehen muss, damit andere dinge geschehen können. wäre ich nicht so verzweifelt arbeitslos gewesen, hätte ich den job letzten sommer nicht angenommen. über selbstständigkeit hatte ich da schon nachgedacht, aber nicht den mut gehabt. wenn ich den job nicht angenommen hätte, hätte ich viele liebe menschen nicht kennen gelernt, die noch heute in meinem leben sind, wenn auch nicht mehr unbedingt in der firma (und jeder der geht, verschafft mir große befriedigung). wenn ich den job nicht angenommen hätte, hätte ich nicht erfahren, was ich alles aushalten kann, was ich alles leisten kann und wie gut ich in meinem job bin. die qualität der von mir vorher betreuten seite sank praktisch mit meinem ausscheiden um mindestens 50 prozent. ich hätte aber auch meinen jetzigen hauptkunden nicht kennengelernt, hätte den plan der eigenen firma nicht umgesetzt, hätte an mir gezweifelt. der schönste satz eines kollegen und freundes am ende meiner zeit in der firma war: „die firma braucht dich, aber du brauchst diese firma nicht.“ das sah die firma anders. das team stand hinter mir, die chefs (einer vor allem) gegen mich. nach meinem ausscheiden wurden jedoch viele meiner ideen umgesetzt – auch eine bestätigung für mich.

das sind alles dinge gewesen, die geschehen mussten, damit ich den schritt wage, den ich jetzt gewagt habe und den ich schätzen kann als eigene leistung, nicht als selbstverständlichkeit. und für diese erkenntnis bin ich dem lieben gott dankbar, auch, wenn ich manchmal gern einen blick in seinen masterplan für mich werfen würde.

wie heißt es so schön?

der herr mutet uns nicht mehr zu, als wir ertragen können. er gibt uns die kraft, die wir brauchen, aber erst dann, wenn wir sie brauchen. das hat er in diesem jahr schon mehrfach bewiesen.

und bei euch so?

8 Responses

  1. evo Says:

    „der herr mutet uns nicht mehr zu, als wir ertragen können. er gibt uns die kraft, die wir brauchen, aber erst dann, wenn wir sie brauchen.“ Diesen Satz sagte Ende letzten Jahres jemand zu mir und ich habe sie für diese Fähigkeit daran ganz sicher zu glauben sehr bewundert.

  2. rachel Says:

    @evo: ich habe daran immer gezweifelt. es gab sooo viele tage, an denen ich dachte, gleich dreh ich durch, ich setz mich einfach brabbelnd in die ecke und warte, bis sie kommen und mich abholen. ich habe mich bitter bei IHM beklagt, und immer, wenn die klagen aus der puren verzweiflung kamen, geschah etwas gutes kurz darauf. und dann gleich der nackenschlag. gott hat einen harten linken haken, weiß schon peter fox. aber gerade jetzt, wo ich vor 2 wochen dachte, es geht einfach nicht mehr, da kam auf einmal wieder ruhe und kraft. gott weiß woher. aber ich nehme sie dankbar an.

  3. _buck Says:

    Ja, solche Menschen kenne ich auch. Aber auch die haben irgendwann mal ihr Waterloo, und stürzen dann umso tiefer.

  4. Uwe Says:

    der herr? der liebe gott? masterplan?
    ich dachte, du hältst grosse stücke auf richard dawkins…

  5. rachel Says:

    @uwe: schön, dich mal wieder hier zu sehen!
    und die evolutionstheorie ist das eine, mein glaube das andere. auch, wenn beide auf den ersten blick nicht zusammen zu gehen scheinen, tun sie es doch. zumindest für mich. manche dinge ändern sich eben in 12 jahren. 😀

  6. Monika Says:

    Man mag mich naiv nennen, aber ich bin immer der Meinung, dass das Leben uns im Gleichgewicht hält. Wenn sich Türen schließen, öffnen sich andere. Wir erkennen nur nicht immer unsere Möglichen, Chancen und Potentiale. Schaut genauer hin! Es gibt so vieles, was wir erreichen, schaffen und erleben können. In diesem Fall vertrete ich sogar sinngemäß die Aussage „Das Glück liegt auf der Straße“.
    Bei mir läuft nicht immer alles rund. Ich habe auch schon mehrere Male hinter einander „Pech“ gehabt. Aber immer, wenn ich mich für meine Ziele engagiert habe und bereit war, über meinen Schatten zu springen, hat es gut geendet. Ich hoffe, das bleibt so.
    Ich kenne keines diese „perfekten“ Glückskinder. Vielleicht schaue ich auch immer zu genau hin…

  7. rachel Says:

    @monika: da ist was wahres dran, immer dann, wenn ich mich trotz meiner rückschläge und trotz der aussicht auf wenig erfolg entgegen meiner erfahrungen für etwas eingesetzt habe, habe ich es bekommen. ich meinte mit diesen glückskindern eher leute, die solche erfolge mühelos einzustecken scheinen im gegensatz zu menschen, die, wahrscheinlich auch aufgrund schlechter erfahrungen, um jeden kleinen erfolg hart kämpfen müssen. manchen fällt das glück in den schoß, andere müssen es sich erarbeiten. kleines bsp:
    für meine mündliche abiturprüfung habe ich wochenlang gelernt, zusammen mit meiner tante selig, die mir zu vielen historischen ereignissen anekdoten erzählen konnte. am tag meiner prüfung zog ich (unglücklicherweise) ausgerechnet ein thema, in dem ich mich zwar auskannte, aber in den folgen des ereignisses eben nicht und die brauchte es für die 1. ein klassenkamerad von mir, der überhaupt nicht für die prüfung gelernt hatte, lag bis 4 uhr morgens dieses tages sturzbesoffen um eine tanne gewickelt und erschien stark verkatert zur prüfung. zog mein traumthema (womit es dann weg war) und schaffte problemlos eine 1. verstehst du, was ich meine?

  8. zufall Says:

    Bin nur zufällig hier gelandet, dass Problem ist deine generelle Einstellung. Wer nur mit dem schlechten rechnet wird es in aller Regel auch kriegen!

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