wenn ich nicht kann – wer dann?

beim zappen durch die tv-welt findet sich ja die eine oder andere perle. oft frage ich mich auch, was menschen dazu bewegt, mit ihren problemen ins tv zu gehen? die junge mutter, die nicht weiß, welcher der drei in frage kommenden männer der vater ihres kindes ist. oder die familie flodder, mit acht oder mehr kindern, die eltern arbeitslos (und arbeitsunwillig), schimpfen auf den staat, der zu wenig gibt. oder so was: eben auf sat.1: jennifer, 27 jahre alt, 220 kilo. zahlreiche diäten mit jojo-effekt. „aus eigenem antrieb kann jennifer nicht abnehmen“. darum soll die krankenkasse jetzt eine magenverkleinerung bezahlen. moment mal? sie ist doch auch aus eigenem antrieb so dick geworden?

ich werde nie nachvollziehen können, wie eltern ihre kinder fett füttern können. tagtäglich sehe ich sie, besonders hier in neukölln, die kleinen dicken migrantenkinder, die schon mit sechs oder sieben jahren aus allen nähten platzen, das baklawa noch in der hand und am mundwinkel. bei den fast food-ketten die übergewichtigen eltern, die ihre dicken kinder mit burgern und pommes füttern. und nein: DAS ist nicht billiger als selbst zu kochen. wenn selbst kochen jedoch bedeutet, ein schnitzel und pommes in die fritteuse zu werfen und als beilage dann tomaten in ketchup-form zu servieren, nutzt das auch nix.

eine bekannte von mir, etwa 180 cm groß, 120 kilo schwer, ex-kollegin. eines tages beim täglichen essen in der kantine zusammen mit ihr. sie fing plötzlich an „mäh, ich kann nicht soviel, ich schaff das nicht, blödes magenband, mäh“. immer so, dass es möglichst viele menschen hören können. irgendwann fragte ich sie mal. das magenband hatte sie seit drei jahren. abgenommen hat sie damit 40 kilo. in drei jahren. und sie sieht aus, als könnte sie heute noch ne gute diät brauchen. denn auch das beste magenband nützt nix, wenn man weiter burger und pommes stopft und keinen sport macht. was ich nie verstehen konnte : ihre eltern sind beide ärzte. warum haben die nicht eingegriffen? schließlich war sie ein teenager, als das problem chronisch wurde.

mal ein beispiel aus meinem leben. eines tages verließ die kleine rachel das elterliche haus und zog in die stadt. dort konnte sie auf einmal abends ausgehen und trinken, ohne auto fahren zu müssen. über drei jahre fraß und trank sie sich so einige kilos mehr und vor allem zuviel an. ohne es wirklich zu bemerken. ja klar, die hosen wurden enger, dann wurden neue gekauft. die shirts kniffen, gabs auch neue. eines tages kam rachel nach hause und stellte fest: mensch, omma hat aber schick abgenommen. wie macht sie das nur? und omma erzählte: sie mache eine diät beim hausarzt, mit wöchentlichem wiegen. ob rachel nicht mal mitkommen wolle? hmmm. warum eigentlich nicht. und zum ersten mal seit jahren stellte ich mich vor diesem termin auf eine waage, damit der schock beim wiegen nicht so groß ist. das ergebnis: fast 90 kilo auf 165 cm. aua. ein dreivierteljahr später, mit diät, sport und eisernem willen: 18 kilo gewicht runter, 20 kilo körperfett verloren. von bmi 29 auf 24. und ich habe nicht gelitten in der zeit. im gegenteil.

jaaaa, momentan laboriere ich wieder mit meinem gewicht. aber ich weiß ja nun wie es geht. und versuche, mir die gleiche disziplin wieder anzugewöhnen. denn das ist das zauberwort: disziplin: man wird nicht 150 kilo schwer, weil andere schuld sind, sondern weil man selbst die kontrolle verloren hat. weil essen zum liebesersatz geworden ist oder zum frustbekämpfer. alles legitim: wenn man irgendwo einen schlusspunkt setzt und dann durchzieht. kann man das nicht, kann man sich hilfe suchen. weight watchers, hausarzt, diätberater, wer auch immer. aber man muss es wollen. denn es gibt kein nichtkönnen, es gibt nur ein nichtwollen. was der mensch kann, misst sich an dem, was er erreichen will.

und bei euch so?

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