berlin, ick liebe dir. aba nich für deine ärzte.

berlin ist großartig. eine stadt, die wie new york nie schläft, dabei aber 1000mal cooler ist. in der immer was los ist und man das gefühl bekommen kann, zu jeder zeit würde alles erhältlich sein. 24/7 open, not only for tourists. das gilt für alles in berlin. außer für ärzte.

zuerst sollte man sich sehr genau überlegen, an welchem wochentag man krank werden möchte. meine hausärztin hat beispielsweise am montag, also einem klassischen tag für krankschreibungen, erst ab 11 geöffnet. dafür zwar auch bis 20 uhr, aber morgens mal eben vor bürobeginn schnell zum arzt – ganz schlecht. auch an den übrigen wochentagen lässt es meine ärztin eher ruhig angehen: vor 9 geht mal pauschal gar nix. dafür dann mittwochs nur bis 13 uhr. davor oder danach ist nicht mal eine praxishilfe da, die eine überweisung ausschreiben könnte. schade eigentlich. am letzten tag des quartals finden sich in berlin nur vereinzelte arztpraxen, die überhaupt geöffnet sind. wegen abrechnung ist der weitaus größere teil geschlossen.

also ging ich im vergangenen winter dann direkt zum facharzt für hals, nasen und ohren. ohne termin, ohne überweisung. einfach so. das funktionierte prima. innerhalb von nicht einmal 20 minuten saß ich einer ärztin gegenüber die mit viel sorgfalt und gerunzelter stirn freudig erregt lustige instrumente in meine diversen gesichtsöffnungen steckte. um mir dann nicht wie erhofft ein antibiotikum zu verschreiben, sondern eine nasendusche zu empfehlen.

dazu muss man sagen, dass ich schon mein gesamtes junges leben *hüstel* an infekten der oberen atemwege leide und mit 8 jahren nach einem ungarnurlaub mein schönstes ferienerlebnis mit einem knappen „trommelfellperforierung wegen nebenhöhlenvereiterung“ hätte beschreiben können. ich weiß also um die gefahren einer über rund 10 tage dichten nase in meinem kopf und war ein wenig panisch, denn eine trommelfellperforation ist nun wirklich weder lustig noch angenehm. darum begab ich mich nach der empfehlung der nasendusche doch noch einmal zu meiner hausärztin. diese fragte mich dann, ob der schleim eher klar oder eher gelblich wäre. „nun“, antwortete ich, „das würde ich Ihnen schon gern sagen, nur müsste er dafür erstmal ablaufen!“. nach einiger diskussion um die farbenlehre bei grippalen infekten verließ ich dann mit einem rezept für ein antibiotikum die praxis. dieses schlug dann übrigens auch endlich an und brachte die erwünschte heilung.

nach dem positiven erlebnis mit der kurzen wartezeit beim hno, der meiner neuen wohnung zudem wesentlich näher ist als meine hausärztin, begab ich mich nun, nachdem sich bei mir das gefühl eingestellt hatte, meine mandel würde in kürze auf eine größe anschwellen, dank derer es ihr möglich wäre, zwischen meinen vollen und wunderschönen lippen hindurch der umwelt zuwinken zu können, heute morgen wieder in eben diese praxis. außer mir war niemand zu sehen, noch nicht einmal eine sprechstundenhilfe. es roch nach frühem morgen und kaffee. nach einigen minuten kam eine bekittelte mit einer halbvollen teekanne aus einem der räume und erschrak offensichtlich etwas ob der tatsache, dass da ein patient steht. ich trug also mein ansinnen vor und obwohl wirklich niemand in der seit 20 minuten geöffneten praxis war außer mir, der ein anliegen hätte haben können, eröffnete sie mir: „det dauert aba ne weile. ick hab schon alle termine hier doppelt jebucht.“ freundlich fragte ich nach, was sie mit „ne weile“ wohl meine und bekam zur antwort: „na so zwei stunden mindestens. kann ooch länga.“ „und nachmittags?“ „siehtet jenauso aus.“ „und morgen?“ „könnt ick ihnen nen termin um 12.20 anbieten.“ „jut, nehm ick. denn jeh ick jetzt erstma zu meiner hausärztin, denn ha’ick och glei die überweisung für morjen.“ jut, sachtse.

gesagt, getan. dank meines 10-uhr-monatstickets der bvg und der tatsache, dass es erst 9.30 uhr war, latschte ich dann also das gefühlt längere ende der sonnenallee gen hermannplatz, wo sich meine hausärztin befindet. hier las ich ein wenig in „6 herrengedecke und ein sessel aus plüsch“, bei dessen lesung ich mich vermutlich mit dem dicken hals infizierte. dann wurde ich auch schon zur ärztin gerufen. es folgte das unvermeidliche entkleiden zum abhorchen (ohne befund, jaja, glaubt mir ruhig, wenn ich euch was erzähle und sage „ich habe keinen husten“), dann blutdruck und puls. öhm…ja. nagut. schadet ja nix. und dann der blick in den hals. aus etwa 1,5 meter entfernung mit lang ausgestrecktem arm schaltete sie das lämpchen an und schaute aus eben dieser entfernung flüchtig in meine mundregion. „ohja, da siehts ganz schlimm aus.“ wie sie das von der anderen seite ihres schreibtisches aus erkennen konnte, weiß ich nicht.

was dann folgte, kann mit fug und recht als etwas absurd bezeichnet werden. neben der unvermeidlichen frage nach der farbe des auswurfs erhielt ich eine lektion in wirkungskunde von schmerzmitteln im allgemeinen und ibuprofen sowie paracetamol im besonderen. und ein antibiotikum verschrieben. „Sie hatten ja vor einem jahr das xyz. haben Sie das gut vertragen?“ „ja, war super. hat prima geholfen.“ „gut, dann verschreibe ich Ihnen diesmal das abc.“

wenigstens flirtete mein apotheker wie immer schamlos mit mir und erließ mir sogar einen teil des zu zahlenden betrages. es ist also keine schweinegrippe (dann hätte der schleim eine andere farbe) und ich werde wohl überleben. vermutlich.

und bei euch so?

3 Responses

  1. scoottery Says:

    BRÜLLER! Ich habe Tränen gelacht! Erinnert mich an eigene Erfahrung vor kurzem. Ich: *röchel* *hust* *schnief* Arzt: „Sie sind krank!“
    Ich: „Ja, ich weiß, darum bin ich hier!“ Arzt: „Hmm… ja *Stirn kratz* Da weiß ich auch nicht, was wir da machen können! Da müssen Sie wohl durch!“ Ich: „Aha“ … ach ja, es macht doch immer wieder Freude zu sehen, dass meine Krankenkassenbeiträge sinnvoll und nutzbringend angelegt sind!

  2. Steffi Says:

    Super geschrieben und tröstet mich schwach über meine eigenen Halsschmerzen hinweg *lächel*
    Gute Besserung Süße!

  3. rachel Says:

    der post is ja schon vom mitte september. also von der letzten erkältung. aber ich fühlte mich wieder an jürgen von der lippes großartigen sketch vom sauerländer beim arzt erinnert: „hatten sie das schon mal?“ „ja“ „na, dann ham sie das jetzt wieder.“

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