wirtschaftsgrippenschweineimpfungskrise

so langsam platzt mir ja die hutschnur. ich bin ein sehr geduldiger mensch und höre mir auch blödsinn ne ganze weile an, bevor ich was sage. aber was da so momentan abgeht, kann nur noch unter kollektive verarsche fallen.

die welt ist in der krise. nee, is klar. falsch. die usa hatten eine bankenkrise, die zu 100 prozent selbst gemacht war. einige banken mussten sterben – nun, das passiert. daraufhin wurde allerorten die krise ausgerufen. aha. die automobilindustrie musste mit abwrackprämien angekurbelt werden. aber nebenbei wird immer schön der klimaschutz gepredigt. die automobilindustrie war aber schon in der krise, als die krise in den usa noch gar nicht begonnen hatte. weil sie gierig ist und lieber große autos verkaufen möchte als umweltfreundlichere kleine. weil die einfach mehr geld bringen. und die sich auch ohne krise nur eine bestimmte klientel leisten kann. diese klientel hat aber irgendwann genügend autos. und kaufte nicht mehr so viele neue. doof. was nun? ach, wie günstig! eine krise! schnell jammern und geld vom staat bekommen. super plan. dann noch prämien kassieren. noch besser. und zum schluss nochmal geld kassieren für kurzarbeiter, die dann vollzeit arbeiten. der beste plan. also nicht für die angestellten. sondern für die vorstände. denn für die ändert sich so bequemerweise nix.

aus lauter solidarität zu den amerikanischen banken verkündeten alsbald auch die deutschen banken ihre eigene krise. und sorgten damit nicht nur für panik unter den anlegern, sondern auch bei den firmen. bei der börse zumal. und für die medien wars ein gefundenes fressen. schnell wurde auch hier steuergeld gepumpt, in beträgen, die auf einen normalen kontoauszug gar nicht passen würden, weil die zahl so lang wäre. doof nur, dass das mit der krise so recht nicht hingehauen hat. die deutschen kaufen weiterhin ein. 267 euro will durchschnittlich jeder erwachsene deutsche dieses jahr in weihnachtsgeschenke investieren. der export ist um hinterdemkommastellen zurück gegangen und die medien verkündeten den weltuntergang. die krise könnte schneller vorbei sein als befürchtet, sagen die einen, wir werden verhungern sagen die krankenkassen. sie haben im ersten quartal milliardenüberschüsse erwirtschaftet, aber im nächsten jahr wollen sie zusatzbeiträge erheben. weil das geld nicht reicht und sie angebliche defizite erwarten. wegen der krise. und der zahlreichen arbeitslosen. die arbeitslosenzahlen aber steigen nicht mehr als sonst auch zum ende der saison.

genau da liegt aber das problem: alle behaupten, dass das schlimmste noch kommen wird. darum halten alle das geld beisammen. die banken geben kleineren und mittleren unternehmen keine kredite mehr. denen wiederum brechen die einnahmen weg mit den auftraggebern, die lieber das ende der krise abwarten wollen. arbeit einkaufen ja, aber bitte zum kik-preis. geiz ist geiler als je zuvor. alle beschweren sich über die hartz-IV-aufstocker und sagen, wie schlimm das ist, aber für einen angestellten geld ausgeben wollen sie nicht. als texterin erlebe ich es fast jeden tag. textbörsen, in denen hausfrauen und studenten und andere nichtfachkräfte ihr „dienste“ anbieten, ruinieren die preise bei den auftraggebern. wie jetzt, der texter will mehr als 8 euro die stunde? das ist ja unverschämt!

dem ganzen die krone setzt aber der schweinegrippenhype auf. schon im frühjahr, als der spuk begann und die medien sich darauf stürzten wie die aasgeier auf ein gerade verrecktes pferd im death valley, war es absurd. es sind 200 menschen gestorben. das ist tragisch, aber vor allem war es ein armutszeugnis für die mexikanische gesundheitspolitik. dass sich die who im juni nicht entblödet hat, das ganze pandemie zu nennen, war nur der letzte unnötige schluck wasser auf den glühenden stein. flugs wurden impfstoffe erdacht, in aller eile zusammen gemischt und was sonst jahre oder jahrzehnte dauert, war plötzlich innerhalb von wochen möglich: drei impfstoffe, mit denen drei pharmafirmen sich den ganz großen reibach versprachen. nun hat aber tatsächlich beim deutschen volk das denken eingesetzt. es sind paradoxerweise zu wenige gestorben. zu wenige haben sich infiziert, um die panik über monate bis zum impfstart aufrecht zu erhalten. und zack: eine woche nach dem start der impfungen, wo absehbar ist, dass das irgendwie gar nicht gut läuft und irgendwie voll wenige sich das antun wollen, auf einmal steigt die zahl der infizierten sprunghaft an. in einer woche 700 neue fälle, heißt es da plötzlich vom robert-koch-institut. schweinegrippetote in russland! oh mein gott! drei stück! alle im september! eine sogar schwanger! vermutlich.

nee freunde. so nicht. veräppeln kann ich mich selbst. und zwar besser.

und bei euch so?

5 Responses

  1. Maren Says:

    Ich applaudiere Dir mit krächzenden (aber nicht grunzenden) „Bravo!“-Rufen und erfreue mich an meiner ordinären Erkältung 🙂

  2. Steffi Says:

    Süße – darf ich heute abend in meinem Blog direkt auf diesen Artikel verlinken? Du sprichst mir aus der Seele und bringst es mal wieder besser zu „Papier“ als ich es je könnte.

  3. rachel Says:

    na klar darfst du. du doch immer. 😉

  4. hühnerschreck Says:

    full ack. (auch wenn ich selber mich als schwein oute, denn ich fahr verdammt gern mein unnötig großes auto.)

    die sache mit den dumpingpreisen grassiert bei meinen berufskollegen übersetzern schon seit ende des vorletzten jahres. da hat eine ganz große agentur „im zuge der allgemeinen anpannung der wirtschaftl. lage“ die preise für alle freien mal eben um 10 % (!!!) heruntergesetzt, „wem’s nicht passt, der darf gern ohne uns weitermachen.“ nicht wörtlich, aber sinngemäß.
    aber – iund da gebe ich gern ein ordentliches pfund schadenfreude zu – jetzt rennen ihnen die kunden scharenweise weg, weil die „qualität“, die sie zum weißrusslandpreis (lies: wo man evtl. davon leben könnte) einkaufen, dem kunden eben nicht reichen.
    aber im grundsatz gibt’s diesen „übersetzerstrich“ auch, und es gibt zu viele ahnungslose möchtegern-auftraggeber, die die dort angesagten 3 cent pro wort für realistisch halten. *genervt mit den augen rollend*

    und zur schweinegrippe: schöln, dass das auch anderen auffällt! auch die zeitung mit den ganzganz großen buchstaben ist ja flugs auf die durchs dorf zu treibende sau aufgesprungen und proklamierte letzte woche (?) ständig neue schweinetote.

    und eben hab ich nen coolen freud’schen typo hingelegt: scheinegrippe. das passt. oink.

    aber etwas gutes hat die sg auch: ich darf ganz unproblematisch von daheim arbeiten, weil ich meinen schnöden halsschmerzen keine fremdkeime zumuten will und umgekehrt :o)

    und damit back 2 work …

  5. Fort Hood « Steffel's Blog Says:

    […] Parkett abspielen (einen tollen Blogartikel hat hierzu die liebe @rachelzwitscher verfasst: http://rachellindenbaum.de/953/wirtschaftsgrippenschweineimpfungskrise) Nicht die Politiker müssen dann in die Krisengebiete und täglich ihr Leben riskieren – sondern […]

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