der „skandal“ obama

ein aufschrei geht durch die welt. der messias will krieg. huch? barack obama, für viele vor nicht einmal einem jahr als messias der neuen weltordnung gewählt, heiland und retter aus der krise, bricht seine versprechen. tut er das? nein. er tut genau das, was er angekündigt hat. nur haben viele damals vor lauter stoßseufzern und händeklatschen und den sprechchören mit „yes we can“ wohl nicht genau zugehört.

ich habe mir im vergangenen jahr den spaß gemacht und die wahlkampfreden gehört. von hillary, von mc cain und von obama. sie alle haben tolle versprechen gemacht. das machen politiker im wahlkampf nun mal so. obama versprach damals, binnen einen jahres die soldaten aus dem irak zu holen. nur wohin sie dann sollen, hat er wohlweislich verschwiegen. natürlich ist das volk davon ausgegangen, dass sie nach hause kommen würden. das aber hat obama nie gesagt! im wahlkampf gab er sich schon als verfechter des interreligiösen dialoges, aber auch als freund israels und betonte, dass der staat israel nicht in frage steht. als es heiß wurde im kampf zwischen ihm und hillary, fand eine debatte in philadelphia statt. hier fragte der moderator obama, wie er seine wahlkampfreden zur toleranz mit der tatsache zusammenbringe, dass er 10.000 $ von der bekennend antisemitischen und antiisraelischen islamfront, die zudem im verdacht steht, mit radikalen organisationen wie hamas in verbindung zu stehen, als wahlspende angenommen habe. nun, immerhin hat obama geantwortet. mit einem spitzbübischen lächeln meinte er, er könne es diesen menschen doch nicht verbieten, wenn sie seine kampagne unterstützen wollten.

an diesem punkt hatte obama allen glanz für mich verloren. auch wenn er von allen drei kandidaten noch die besseren ideen hatte, hatte er sich als rotzordinärer politiker herausgestellt. als feststand, dass er als kandidat der demokraten antreten würde, begann er, die ersten versprechen zu relativieren oder besser gesagt: expliziter auszudrücken. der ganze hype um diesen zweifellos klugen und diplomatisch fähigen mann war mir unverständlich. fast 100.000 leute rannten zum brandenburger tor, als obama sprach. dabei verteilte er auch dort nur die üblichen allgemeinplätze und skandierte „yes, we can!“ und alle brüllten mit, obwohl wir hier in deutschland nicht viel davon haben, wenn er in usa can.

in meiner ex-firma stand zur wahl in den usa ein flipchart mit einer liste. links mc cain, rechts obama. jeder sollte seinen strich bei seinem favoriten machen. ich machte keinen. was bin ich angegiftet worden, weil ich es in der achso heilen start-up-welt gewagt habe, den großen messias und hoffnungsträger obama zu hinterfragen! niemand konnte mir dezidiert sagen, wie obamas pläne wirklich aussehen. aber alle fanden ihn „voll super“. ein nicht hinterfragender vorauseilender gehorsam hat diesem land schon einmal vor 70 jahren viel elend gebracht. nur gut, dass obama nicht in deutschland regiert. denn nun kommt das böse erwachen. obama will in afghanistan einmarschieren. und das von einem friedensnobelpreisträger. wobei sich ohnehin die frage stellt, wofür er den preis bekommen hat.

jetzt zeigt sich, was ich damals zu obamas antrittsrede schrieb:

insgesamt bleibt abzuwarten, ob es barack obama gelingen wird, den schwung der wahlkampfzeit und seiner antrittsrede am leben zu erhalten oder ob nicht äußere umstände welcher natur auch immer ihn zwingen werden, seinen weg, der jetzt scharf um die kurve geht, wieder zu begradigen.

denn jetzt zeigt sich, dass auch obama nicht eigenständig und ohne rücksicht auf die lobbyisten und interessenverbände, auf die wirtschaft und das militär, seinen weg nach gutdünken gehen kann. „no, he can’t“.

aber es war absehbar. mit ein bisschen weniger euphorie und ein bisschen mehr hinterfragen, beleuchten und informieren hätte jeder darauf kommen können.

(p.s.: hier gehts zu den kernaussagen der rede in west point. möge sich nun jeder selbst ein bild machen.)

2 Responses

  1. Oliver Says:

    Hallo, also zum einen habe ich nicht feststellen können, dass es in Deutschland einen Hype auf Obama gab. Gut, das mit seinem Auftritt in Berlin habe ich auch nicht verstanden, mir aber gedacht, na ja, die Berliner halt. Ein Ereignis ist es ja immerhin schon.
    Das Obama bei dem ganzen Mist, der IN den USA und VON den USA in den 8 Jahren davor verzapft wurde, diesen nicht innerhalb vom Jahresfrist würde bereinigen können, kann ausser den naiven Amerikanern niemand ernsthaft angenommen haben.

    Ich bin nach wie vor von Obamas Handels sehr angetan. Das mag dadurch bedingt sein, dass, wie schon geschrieben, die Jahre davor auch ein Deseaster ohnegleichen waren, aber im Rahmen der Möglichkeiten hat er endlich Themen wie Krankenversicherungen, Umweltschutz etc angegangen. Ich sage bewusst angegangen. Wie weit er das durchsetzen kann, wird man sehen.

    Was den Friedensnobelpreis angeht, kann man die Begründung des Kommitees auch verstehen. Denn es ist wohl unbestitten, dass Obama die außenpolitischen Amokläufe seines Vorgängers geradezubiegen versucht. Und alleine diese Bemühungen steht im Einklang mit den Statuten für die Verleihung des Nobelpreises. Zugegeben, ich hätte ihm den Nobelpreis aufgrunddessen auch nicht verliehen und man hat Obama damit sicher auch keinen Gefallen getan, aber ich halte es trotzdem für nachvollziehbarer. Sag mir mal irgendjemand wer ihn sonst hätte bekommen sollen? Ne Minute Bedenkzeit, ich bin gespannt wem da Alternativen einfallen.

  2. tutti plagutti | Rachel Lindenbaum Says:

    […] die aufregung darum erschließt sich mir nicht. nein, ich habe sogar den verdacht, dass gutti dem obama-syndrom zum opfer gefallen ist: die leute WOLLTEN an ihn glauben. sie WOLLTEN glauben, dass da jemand […]

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