ein halbes jahr

sonntag, 18:30 uhr. das telefon klingelt, ich melde mich mit „na, omma?“ du sagst „na, mein mädchen?“ „wie isset, omma?“ „naja, läuft so.“ und dann haben wir uns erzählt, was in der woche los war. was uns bewegt hat. übers wetter geplaudert oder über fernsehdinge oder was du gerade liest. bis du pünktlich um 18:50 uhr immer sagtest: „du, lindenstraße fängt an. dann machen wir jetzt mal schluss.“ unser ritual seit jahren. selbst, wenn ich auf teneriffa war, haben wir sonntags telefoniert. seit einem halben jahr ist das anders. du rufst nicht mehr an. ich kann dich nicht mehr anrufen. zum einen, weil deine nummern nicht mehr existieren, zum anderen, weil es dich nicht mehr gibt. und ich denke oft sonntags darüber nach, was du für mich warst. du warst mein anker, meine älteste und beste freundin, die ich immer anrufen konnte. seit du nicht mehr bist, treibe ich ankerlos auf einer schwarzen see.

es gibt so vieles, weswegen ich dich anrufen möchte, dir erzählen, was ich erreicht habe, geschafft habe. weil du immer die einzige warst, die mich dann bestätigt hat. oder kluge nachfragen gestellt hat. und dann fällt mir wieder ein, dass so dinge wie das protokoll der testamentseröffnung und damit die löschung deines kontos nicht nötig gewesen wären, wenn du noch leben würdest. dass ich das auto nicht hätte ummelden, reparieren lassen und einen stellplatz mieten dafür nicht hätte müssen, wenn du noch leben würdest. dass der gang zum makler nicht nötig gewesen wäre, wenn du noch leben würdest.

ich sitze in unserem, deinem, jetzt meinem haus und berühre die wände. dieses haus, in dem ich aufgewachsen bin, das mein anker war, zu dem ich immer zurückkehren konnte in der gewissheit, dass es da ist, du da bist, ich dort runterfahren und frieden finden kann. dieses haus habe ich letzten montag den haien preisgegeben, den aasgeiern, die darüber kreisen, seit du es für immer verlassen hast. und es fühlt sich wie verrat an. verrat an dir, all den tieren, die hier begraben sind, und auch an meiner kindheit, die du so sicher und liebevoll gemacht hast, wie es dir nur irgend möglich war. gefühlt nehme ich dieses jahr nur abschied. erst von dir, jetzt vom haus und von greifswald. klar kann ich hier auch noch herkommen, wenn das haus verkauft ist, aber es wird nie wieder so sein wie früher.

früher, als ich wegwollte, von diesem dorf, wo man für jeden mist mit dem auto mindestens zwei kilometer fahren muss. früher, als ich immer wusste, dass ich zwar weg bin, aber jederzeit immer herzlich willkommen bin. früher, als ich mir nicht vorstellen konnte, dass in diesem haus mal im dunkeln kein licht brennt und kein mensch ist. du nicht bist. ich habe dir gesagt, dass sich das haus falsch anfühlt ohne dich. das ist immer noch so. ich finde dort den frieden nicht mehr, den ich immer gefunden habe.

aber das ist auch irgendwie die geschichte dieses jahres. der frieden ist weg. die ruhe ist dahin. mit goethe gesprochen: „meine ruhe ist hin, mein herz ist schwer, ich finde sie nimmer und nimmer mehr“. zum einen bringt mir das haus keine ruhe, keinen frieden mehr, zum anderen kann ich es nicht loslassen. in den sechs monaten ging es mir eigentlich kontinuierlich besser, bis dann das protokoll der testamentseröffnung kam und ich dein konto auflösen konnte und dann auch ernsthaft über den hausverkauf nachdenken musste. denn meine erzeugerin und ihre schwester haben nun das recht, bis sofort ihren pflichtteil des erbes einzufordern. welches sich aus dem gesamten nachlass berechnet wovon das haus der größte teil ist. also muss ich schnellstmöglich zahlungsfähig sein. und so sitze ich in dem haus und nehme abschied. von meiner kindheit, meiner jugend.  von uns.

es gibt so vieles in diesem haus, womit ich überfordert bin. angefangen bei den ordnern, die so klangvolle namen tragen wie „haus finanzen“ und dann voll sind mit in klarsichthüllen abgelegten broschüren und flyern und schriftlichen grabenkämpfen in mindestens zweifacher ausfertigung ebenfalls in klarsichthüllen mit irgendwem, aber nix mit substanz. dann kommen dinge wie dein bürgelgeschirr, das du heiß und innig geliebt hast und mit dem ich nichts anfangen kann, dessen wert ich aber auch nicht einschätzen kann. die sammelteller mit katzen- und hundemotiven, ebenso. ich werde den weihnachtsschmuck mitnehmen, obwohl ich nun mit weihnachten erstmal nix anfangen kann.

ich bin einfach mit so vielem überfordert und habe keinen mehr, den ich fragen kann. du bist nicht mehr da. ich höre immer wieder, wie bewundernswert es ist, dass ich das alles so hinbekomme und denke mir dann, „dafuq? ich stolpere durch einen dunklen raum und ab und zu finde ich eine tür zu einem anderen, auch dunklen raum“. es gibt so vieles, woran ich zweifele. ob ich dies und das an deinem ende hätte besser machen können, sollen? hätte ich in der nacht, in der ich todmüde nach oben gegangen bin, weil du es gesagt hast und in der ich auch einfach schlafen wollte, bei dir bleiben sollen? bis du nicht mehr ansprechbar warst? wir hätten nicht viel gesprochen, bestenfalls hätten wir hand in hand gesessen. hätte ich dich fragen sollen, ob du angst hast, etwas bereust, solche dinge? wenn du es mir hättest sagen wollen, hättest du es getan, oder? hätte ich deine lippen befeuchten sollen? du hast, als ich sie mit butter bestreichen wollte, den mund zusammengekniffen, danach hab ich nicht mehr gewusst, was ich tun kann, soll, muss und was nicht. hätte ich für dich singen sollen? mir fällt nur ein lied ein, das du mir immer vorgesungen hast. hätte ich dir vorlesen sollen? du hast mir gesagt, als ich dich fragte, ob ich dir den aktuellen krimi vorlesen soll, du müsstest das schon allein lesen, um es zu verstehen. ich habe das gefühl, 100 fehler gemacht zu haben, weil ich nicht wusste, wie ich es besser machen kann. ich habe dir ermöglicht, zuhause zu sterben, aber darüber hinaus? was ist mein verdienst? habe ich es richtig gemacht?

ja. es ging mir schon besser in diesem jahr. aber seit dem protokoll hat sich dein tod wieder in meine gedanken geschlichen. seit die tage deutlich kürzer werden, die dunkelheit früher und früher ins wohnzimmer schleicht und morgens länger bleibt, nimmt auch die traurigkeit mehr raum. sie fordert ihn, macht sich breit und lässt die kaum verschorften wunden wieder aufplatzen und bluten. mein körper sagt sehr sehr deutlich, dass er ruhe braucht in diesem jahr, in dem ich genau einen urlaubstag nur für mich hatte. und ich werde den beginn meines ersehnten urlaubs im dezember damit verbringen, das haus auszuräumen, also weiter abschied zu nehmen. das dann wahrscheinlich schon verkauft ist. an hoffentlich jemanden, der es nicht abreißt und ein neues baut.

omma, du fehlst so sehr, dass es unfassbar wehtut. ich liebe dich. meld dich doch mal. wen ruf ich denn jetzt aus dem urlaub an?

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memories

6.4. bis 6.6.

zwei monate und sechs tage ist es her, dass du mir gesagt hast, dass ich dich gehen lassen soll. zwei monate und sechs tage ist es her, dass ich dir gesagt habe, dass es okay ist, wenn du gehen willst, aber ich nicht möchte, dass dir jemand steine in den weg legt. zwei monate und sechs tage ist es her, dass ich dafür gesorgt habe, dass du bis zum schluss zuhause bleiben konntest.

zwei monate und fünf tage ist es her, dass du mit fester stimme und festem willen dem palliativ-team gesagt hast, dass du lieber sterben möchtest, als nochmal ins krankenhaus zu gehen.

zwei monate und dreieinhalb tage ist es her, dass du diese entscheidung bekräftigt und dich auf den weg gemacht hast.

zwei monate und zwei tage ist es her, dass wir zum letzten mal miteinander gesprochen haben. als du mir gesagt hast, wie tapfer ich bin und wir uns immer wieder gesagt haben, dass wir uns liebhaben.

zwei monate und einen tag ist es her, dass ich nachts davon aufgewacht bin, dass du gehustet hast und aufstehen wolltest. dass ich die halbe nacht und den halben tag an deinem bett saß und dich davon abhalten musste, nicht aus dem bett zu fallen. dass ich den halben tag an deinem bett saß und deine hand hielt, die andere zeit in anderen räumen verbrachte, immer mit dem babyphone im anschlag, falls etwas sein sollte, weil die schwester mittags zu mir gesagt hatte, dass sich sterbende manchmal schwertun mit dem gehen, wenn ein lieber mensch in der nähe ist.

zwei monate ist es her, dass ich um halb eins hörte, wie deine atmung immer flacher und schwerer wurde. dass ich alle decken im haus zusammenraffte und mich neben dein bett auf den boden legte. dass ich dein nachttischlicht ausgemacht habe, als symbolischen akt. dass ich dir gesagt habe, dass alles gut ist, ich bei dir bin aber jetzt dringend schlafen muss und dass ich dir eine gute nacht wünsche.

zwei monate ist es her, dass ich um kurz vor vier neben dir auf dem boden aufwachte und dein körper endlich aufgehört hatte zu kämpfen. dass du den frieden gefunden hast, von dem mir gar nicht so bewusst war, wie sehr du ihn herbeigesehnt hast. den du vielleicht mir zuliebe rausgeschoben hast.

zwei monate ist es her, dass ich funktionierte und mir immer nur kurze einbrüche erlaubte. weil ich völlig unter schock stand. dass ich mechanisch alles tat, was getan werden muss, wenn ein mensch gestorben ist. und zwischendurch immer wieder zu dir ging, dich anfasste, streichelte, küsste, mit dir sprach.

zwei monate ist es her, dass sie dich abends aus dem haus getragen haben. dass ich die tür hinter ihnen schloss und hinter der tür schreiend und schluchzend zusammengebrochen bin. weil nichts mehr von dir im haus war. ich dich nicht mehr anfassen konnte, nicht mehr sehen.


seit zwei monaten lebe ich ohne dich. versuche, auszugleichen, was du mit deinem absoluten unwillen, deinen nachlass zu regeln, hinterlassen hast. mache ämtergänge, darf mir vom mann bei der sparda, bei der du schon ein konto hattest, als sie noch die reichsbahnbank war, sagen lassen, wir hätten doch jahrzehnte zeit gehabt für eine vollmacht. mache babyschritte. bestattung, testament, finanzamt, erbe, auto ummelden, auto kaputt, autos stellplatz organisieren. versuche, wieder zu arbeiten, unter menschen zu sein.

seit zwei monaten gibt es gute, okaye und schlechte tage. zwischen all dem orga-kram immer wieder der emo-kram. heulkrämpfe. mal kurz, mal stundenlang. immer dann, wenn die erkenntnis kurz ernst wird, dass du wirklich wirklich nicht mehr da bist. nicht mehr greifbar, nicht mehr kontaktierbar. dass ich außer dir alles andere verloren habe, was mein leben ausmacht. dein herz und deine seele, deinen humor, deine klugheit, deine albernheit, dein wissen, mein elternhaus, meinen rückzugsort, der immer alles wieder ein bisschen besser gemacht hat. all das und noch so viel mehr: dich.


„erinnerungen sind ein fenster, durch das ich dich immer sehen kann“ stand in meiner traueranzeige für dich. erinnerungen sollen trösten heißt es. die frau vom diakonie-dienst hat vor zwei monaten und sechs tagen gesagt, dass diese begleitung ein großer schritt ist. dass mir niemand die erinnerung daran nehmen kann. dass es mich verändern wird, aber auch stärker machen. sie hatte recht. und ich würde mir wünschen, jemand nähme mir diese erinnerungen.

wenn ich an dein gesicht denke, sehe ich keine lachende omma, die mich im arm hält, keine verschmitzte omma, die albern ist. ich sehe dein eingefallenes spitzes gesicht im krankenhaus, dein kaninchengesicht, dein gesicht am letzten tag, als dein körper gegen deinen willen ankämpfte und dein gesicht mit dem offenen mund, als alles vorbei war. ich sehe die farce deines gesichts bei der aufbahrung.

wenn ich versuche, deine stimme zu hören, höre ich nicht, wie du mich als kind liebevoll „mein katzenöhrchen“ oder „mein hasenschwänzchen“ genannt hast oder wie du für mich gesungen hast. ich höre deine brüchige stimme, die mich am letzten abend ruft, ich höre „ich muss raus, mir ist schlecht“, ich höre dein allerletztes klares wort: „kkkkaaaaahalt“.

wenn ich versuche, dich zu riechen, rieche ich nicht dein oil of olaz, das du zeitlebens benutzt hast, kein parfum, keinen weichspüler und nicht mal die nivea-waschcreme und körpercreme, nach der du immer geduftet hast, wenn der pflegedienst dich gewaschen hatte. ich rieche den harten eisengeruch des blutigen konglomerats in deinem toiletteneimer.

vor meinen inneren augen, ohren und meiner inneren nase stirbst du immer und immer wieder. das sind die erinnerungen, die mich heimsuchen, wenn ich im bett die augen zumache. die mich das bett inzwischen fürchten lassen.


zwei monate und sechs tage ist es her, dass ich dir gesagt habe, dass es okay ist, wenn du gehen willst, dass ich schon groß bin und dass ich irgendwie klarkomme, auch wenn ich noch nicht weiß wie. das war gelogen und wir beide wussten das.

auch eine rachel ist mal traurig

während ich das schreibe, sitzt meine mieze, meine kleine sahneschnute, hinter mir am fenster.

wer der meinung ist, haustiere sind doch nicht wichtig und nicht verstehen kann, warum man daran hängt, kann, darf und sollte jetzt wegklicken.

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wer schön sein will muss leiden?

so etwa einmal im jahr überkomt mich die idee, ich müsste mich doch mal weiblicher geben. nicht, dass ich rumlaufen würde wie ein bauarbeiter, aber ich bin halt eher so der praktische typ.

ich habe ziemlich lange haare. das wissen die meisten nicht, weil ich sie fast ausschließlich zusammengerödelt am hinterkopf trage. ich schminke mich kaum bis nie. ich bevorzuge flache, bequeme schuhe und hosen.

aber ab und zu gibt es diesen stachel, der mir sagt: komm rachel, machen wir uns richtig schick und verkleiden uns mal als mädchen. das geht dann so:

ich lasse mir die fingernägel wachsen. und lackiere sie. ich lackiere meine fußnägel. ich rasiere mir die beine frisch. ich lege make-up auf. ich ziehe mir hübsche wäsche und ein kleidchen an. ich lasse meine wallemähne wallen. ich ziehe hochhackige schuhe an. und verlasse das haus.

nehmen wir an, draußen ist ein lauschiger, warmer sommerabend. ein brise weht angenehm durch die berliner straßen.

frisch geschminkt mit make-up, puder, lidschatten und nur drei versuchen, die mascara wangenfleckfrei auf die wimpern zu zaubern, verlässt eine wohlduftende rachel im kleidchen mit hohen pumps und mit wallender haarpracht das haus. ca 100 meter hinter der haustür weht ihr der wind ins haar und selbiges ins gesicht. alle versuche, die mähne mittels hintersohrschieben und ähnlichem zu bändigen, scheitern. erste striemen ziehen sich durchs frische make-up. die schwüle luft lässt sie unter dem make-up zerfließen. selbiges glänzt innerhalb weniger minuten trotz puder wie eine frische speckschwarte.

die wärme erzeugt unter dem kleid innerhalb kürzester zeit ein tropisches klima, das seinesgleichen sucht. ungefähr 300 meter hinter ihrer haustür wünscht sich rachel dringend eine thigh gap. der string klemmt in der kimme, als wollte er dort ein weltimperium eröffnen und nie wieder weggehen. beim ersten hastigen umsteigen in u- oder s-bahn bemerkt rachel, dass (mindestens) einer der pumps scheuert oder schubbert oder drückt. sie weiß auch, welche fußwege heute noch vor ihr liegen. und selbst wenn diese eher kurz sein sollten, wird es mindestens für eine blase wenn nicht sogar für eine aufgescheuerte blase reichen.

während der fahrt fällt rachel auf, dass beim beinerasieren wieder haare stehengeblieben sind. das kleid rutscht ständig und der bh kneift. immerhin bekommen die inneren obeschenkel während der fahrt im sitzen pause, wobei das klima unterm kleid nicht besser wird, weil man als frau ja eher selten drei sitzplätze beansprucht, weil man die beine weit spreizt, wie es manche männlichen exemplare gern tun. dank der langen krallen tippt sie mehrfach die falsche app auf dem smartphone an und kann kaum texten.

unter den offenen haaren schwitzt rachel wie ein wombat bei der liebesjagd und verflucht sich für die hammeridee, sie doch heute mal offen zu tragen und extra kein haargummi mitzunehmen, um nicht in versuchung zu geraten, sie beim ersten schweißausbruch wieder zusammenzubinden. am treffpunkt angekommen sieht rachel etwas derangiert aus und verabschiedet sich direkt nach einer kurzen begrüßung auf die toilette.

im spiegel sieht sie ein glänzendes gesicht mit pandaaugen von der verschmierten mascara, deutlich sichtbare krähenfüße dank verkrustetem make-up. der nacken fühlt sich an, als würde dort eine feuerameisenkolonie eine wilde party feiern. am rechten fuß ist eine blase aufgegangen und wird den rest des abends die hölle auf erden sein, denn als nichttussi hat rachel natürlich kein erste-hilfe-kit in ihrer riesenhandtasche, weil rachel als nichttussi auch keine riesenhandtasche sondern nur eine tasche für handy, zigaretten, portemonnaie und fahrschein hat. mit toilettenpapier werden kleinere restaurationsarbeiten im gesicht vorgenommen, denn notfall-make-up passt auch nicht in die kleine, praktische tasche. dann geht rachel an die bar und bestellt cuba libre.

irgendwann kommt sie nach hause. mit viel cuba libre im blut und müde fällt sie in ihr bett. am nächsten morgen kommt sie ins bad und fragt sich beiläufig, wer der panda in ihrem spiegel ist.

jaja, eine frau sein ist super. wozu das ganze gerödel?

und bei euch so?

eure rachel (die sich jetzt erstmal die krallen schneidet und den nagellack entfernt.)

 

for old lang syne
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silvester. ich fühle mich wie miranda in dem clip. allerdings ohne eine carrie.

„2014 ist das jahr des pferdes. ich bin ein pferd. das wird mein jahr!“ sagte ich am 1.1.2014. 365 tage später weiß ich es besser.

vielleicht fällt das alles aber auch nur in die kategorie „alles gute ist nie beisammen“. wenn ich schon einen job habe mit zauberhaften kollegen und spannenden aufgaben, wäre es nun wirklich zuviel verlangt, auch noch soziale kontakte oder gar amouröse ambitionen bedient zu bekommen. oder ruhe vorm finanzamt. oder überhaupt einfach mal wieder einen einzigen unbeschwerten tag ohne ständige sorgen um dies und das und rennereien wegen diesem und jenem.

also weine ich jetzt ein bisschen, putze mir dann die nase, stehe wieder auf, rücke mein krönchen zurecht und klopfe mir den staub von den knien. klebe mir comicpflaster auf die schürfwunden an den knien und auf dem herzchen und dann gehe ich raus in diesen letzten abend dieses jahres, um das neue trotz allem optimistisch zu begrüßen. es kann ja nichts für das alte und hat eine chance verdient. ich gebe ihm 14 tage dafür.

euch allen wünsche ich das, was ich mir selbst auch wünsche, denn wir alle haben das verdient: liebe, zuversicht, glück, gesundheit, aufmerksamkeit, dass es jemanden gibt, der euch großartig findet und das auch zeigt und ein bisschen steter ruhiger fluss statt immer nur wildwasser.

wir sehen uns nächstes jahr.

eure rachel <3

das sonntagsphänomen

kennen Sie das sonntagsphänomen?

es äußert sich folgendermaßen: egal, ob Sie am samstag abend unterwegs waren oder nicht, ob Sie den sonntag mit aktivität verbracht haben oder nur rumgesumpft: Sie sind total erschlagen. sonntage sind sumpftage (Sie haben vermutlich keine kinder). und Sie sumpfen und sumpfen…bis ungefähr eine stunde vor dem zeitpunkt, an dem Sie ins bett gehen sollten. und dann setzt der „hammy auf energydrink-effekt“ ein.

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Sie sind also wach wie ein eichhörnchen auf energy drink. selbst wenn Sie es im noch akzeptablen zeitfenster ins bett und in den schlaf schaffen, wachen Sie zwischen 23 und 1 uhr  auf und sind… WACH!

ich kenne dieses phänomen schon sehr lange. es hat nichts mit meinem job zu tun, denn ich hatte das auch zu zeiten,  wo der montag ereignislos werden würde. ich mag meinen job sehr und finde ins büro gehen alles andere als widerlich. und trotzdem schlafe ich von sonntag auf montag immer (!!!) schlecht.

kennen Sie das auch? können Sie das erklären? dann jetzt bitte!

liebe mütterfreundinnen

… ihr nervt.

ich warte kurz, bis sich das geschrei gelegt hat.

moment.

gleich.

so. jetzt.

wisst ihr noch damals? da waren wir unterwegs. da haben wir nächte durchgequatscht. wir konnten uns gegenseitig jederzeit anrufen. wir haben uns gegenseitig taschentücher und alkohol gereicht, wenn das herz gebrochen war. wir haben alles zusammen durchgemacht: studium, abschluss, erste holprige schritte auf dem karriereweg, wenig geld, gar kein geld, arbeitslosigkeit, frust, freude. konnten über alles reden. eltern, geschwister, sorgen, nöte, vom liebeskummer bis zur abtreibung. haben uns aufgebaut, miteinander gelacht und konnten uns aufeinander verlassen. wir hatten unsere gemeinsamen tage mit ihren ritualen. männer kamen und gingen, das „wir“ blieb immer. nichts hätte dazwischen platz gehabt. wir hätten uns füreinander in kugelhagel gestürzt, um die andere zu retten.

dann, eines tages kam ein „ich hab jemanden kennengelernt“. ich lernte den auch kennen und erkannte: ohoh, das ist kein strohfeuer, det wird ernst. auf einmal war das „wir“ ein „wir zu dritt“. auf einmal waren unsere tage nicht mehr unsere tage, sondern es hieß „also wir planen…“ und „komm doch dazu.“ plötzlich war ich das anhängsel, das dritte rad am moped.

dann kam ein „ich bin schwanger“. und ich dachte „jo, passiert“. und damit ging es los. essen gehen spontan ging nicht mehr, weil man ja als schwangere heutzutage offenbar weniger lebensmittel schadlos essen darf als jemand mit gluten-, laktose- und 43 anderen lebensmittelunverträglichkeiten zusammen. was trinken gehen ging nur noch so semi, weil alkohol und schwangerschaft…naja…heikel und dann vielleicht noch in einer bar, in der geraucht wird…ganz schwierig…“aber komm doch zu uns. paar xy kommt auch“. (auch so ein phänomen: paare ziehen andere paare magisch an.)

so eine schwangerschaft ist ja auch irgendwann vorbei und dann wird sich das schon regeln, dachte ich in meiner grenzenlosen naivität. aber nein. natürlich nicht. kind, haushalt, alles zusammen und alles neu, das geld knapp, der druck groß…natürlich hat man da als freundin verständnis und wartet also weitere monate ab, bis das kind abgestillt ist. sein sollte. also theoretisch auch ist. zumindest…naja…nicht so einfach. also wartet man noch ein paar wochen verständnisvoll. (dieses verständnis setzt ihr übrigens ganz selbstverständlich voraus. und seid vermutlich noch neidisch auf uns, die wir nun vermeintlich ohne euch eine party nach der anderen rocken.) mittlerweile ist es einfacher, eine spontane privataudienz beim papst oder ein interview mit madonna zu bekommen als euch ans telefon. das ist immer auf vibro gestellt, falls das kind schlafen sollte, damit es nicht aufwacht.

dann endlich: der erste abend nach anderthalb jahren, der das „wir“-revival bringen soll. natürlich nach dem rhythmus des kindes getimet. auch ganz selbstverständlich von euch vorausgesetzt. aber nach anderthalb jahren bin ich kompromissbereit. wir treffen uns also. gehen in den club. wie früher. das wird so toll! der abend ist überfrachtet mit erwartungen, die sich alle erfüllen, bis… nach einer stunde das telefon klingelt. das kind würde nicht einschlafen und bräuchte mama. natürlich geht ihr nach hause. natürlich setzt ihr verständnis dafür voraus und erwartet es auch. natürlich bringe ich es euch entgegen. auch wenn in mir gerade welten zerbrechen, weil mir klar wird, dass es nie wieder ein „wir“ geben wird. zumindest nicht so, wie ich es kenne.

aber die hoffnung bleibt. so ein kind wächst ja unweigerlich. wird selbstständiger. wer denkt, dass es nun einfacher wird: weit gefehlt. um das zweite lebensjahr herum setzt ein interessanter mechanismus ein: vor anderen eltern ist das eigene kind das klügste, am weitesten entwickelte und großartigste überhaupt. nimmt man es aber mit zu nicht-eltern und es benimmt sich dort einfach wie eine bockige, unerzogene kackbratze, ist es plötzlich in seiner entwicklung um monate zurück, weil. die gründe sind so mannigfaltig wie an den haaren herbeigezogen. fakt ist: wenn das kind dabei ist, muss ich es nicht sein, weil ich eh nicht existiere.

unnötig zu erwähnen, dass „unsere“ ritual-tage inzwischen familientage sind, die mit anderen paaren, vorzugsweise eltern verbracht werden. in der planung der freizeit rücke ich immer weiter nach hinten. getroffene vereinbarungen können von euch jederzeit wegen des kindes umgeworfen werden oder nur mit kind stattfinden. spontan ist ein wort aus der vergangenheit, entweder ist das kind krank oder muss aus der kita abgeholt werden oder ins bett gehen oder ihr selbst jetzt ins bett gehen. in die kategorie „spontan“ fällt inzwischen: „du, das kind schläft schon, komm doch zu uns, paar xy kommt auch, wir können doch auch hier wm gucken“ (auf einem laptop, mit wackligem stream, zu fünft plus kreischendem kleinkind.)

und immer noch und immer mehr und immer wieder erwartet ihr selbstverständlich, dass wir zurückstecken, verständnis haben, runterschlucken. schließlich habt ihr ja kinder. ihr habt zukunft produziert, während wir hedonistisch single und kinderlos von party zu party ziehen und die nächte durchmachen.

 

 

und was wäre, wenn ich einfach zuhause sitze, allein, jeden abend, weil ihr fehlt? wenn ich mich am wochenende frage, was ich mache und mich gar nicht mehr bemühe, euch anzurufen, weil ihr eh keine zeit haben werdet? was wäre, wenn mich eure dreisamkeit einfach einsam gemacht hat? habt ihr dann auch verständnis und lasst alles stehen und liegen, wenn ihr das wisst? so wie ich, wenn ihr eine (für euch vage, für mich verbindliche!) vereinbarung trefft (und wegen des kindes wieder absagt)?

was, wenn ich traurig bin und genau euch brauche? weil nur ihr mich so gut kennt wie keine andere. was dann?

ich sags euch: dann bin ich allein. und ihr zu dritt.

gretchens fail

guten tag. mein name ist rachel und ich finde, „doctor’s diary“ ist sexistische kackscheiße. bitteschön.

wer mich kennt, weiß, dass ich keine männerhassende hardcorefeministin bin. schlimm genug, dass man als frau solche erklärungen heutzutage voranstellen muss. ich finde es charmant, wenn man(n) mir die tür aufhält oder mir ein kompliment macht (ohne dabei nur auf mein dekolleté zu starren). also ich halte mich diesbezüglich für recht konservativ, jedoch selbstbewusst im umgang mit alltagssexismen.

ich habe die oben genannte serie nie verfolgt. am donnerstag spülte sie eher zufällig vor allem an mein ohr, weil mein tv gern läuft, während ich am rechner einige meter entfernt sitze. und ich dachte: „seriously? DAS ist eine der erfolgsserien?“

eine serie á la bridget jones, nur viel schlimmer. die protagonistin, gretchen (was für ein name!) ist ende 20 und ihr verlobter hat sie betrogen, weshalb sie ihn verlassen will. oder hat. der kommentar ihrer mutter: „gretchen! du bist fast 30! du kannst doch jetzt nicht alles aufgeben! verzeih ihm und vergiss endlich die karriere!“ äh….dafuq? gretchen selbst fängt gerade als ärztin (!!!) in einem neuen krankenhaus an. wo sie auf mark trifft. ihre jugendliebe. der noch immer das gleiche arschloch wie früher ist. und sie „hasenzahn“ nennt. wie früher. was sie nicht einmal kommentiert. dafuq?

im gegenteil. sie ergeht sich in länglichen off-kommentaren, die an ihr tagebuch gerichtet sein sollen (serientitel, ne?) und dem zuschauer verraten: ärztinnen sind den ganzen tag damit beschäftigt, sich über ihr aussehen, ihr gewicht und ihre wirkung auf den oberarzt (mark) oder jeden anderen halbwegs attraktiven arzt gedanken zu machen und wenn sie zufällig ein menschenleben retten, dann fällt das eben unter zufall. laut „doctor’s diary“ ist der einzige große wunsch einer jeden frau geheiratet (ja, passiv!) zu werden.

nun könnte man sagen: „ey, rachel, komma runter. das is ne serie und überspitzt.“ sicher ist es das. ABER: um solche „gags“ zu schreiben, muss ein schreiber erstmal den rückhalt einer allgemeinen ansicht haben, dass das lustig ist und dafür muss es akzeptiert sein.

so. und da liegt für mich der hund begraben. oder der otter. oder wer auch immer.

offenbar finden es sehr viele menschen eben immer noch normal und gerechtfertigt, weibliche ärzte auf ihr aussehen und ihren sexualtrieb zu reduzieren. offenbar ist es allgemein anerkannt, dass frauen gedemütigt und benachteiligt werden. im zusammenhang mit der in den werbepausen dieser serie gezeigten werbung bekomme ich eine dezente krawatte. werbung für frauen. straffende bodylotions. superglanz-shampoos und anderes haarzeugs. kaltwachsstreifen und epilierer für perfekt haarlose körper. make-up. powerfrauen mit powerdeos.

und dann weiß ich eben auch, wo die „gags“ in dieser serie herkommen: es wird uns frauen täglich in höchster dosis eingebläut, dass unsere schönheit, unser aussehen, unsere figur, unsere haare, unsere haut unser kapital sind. deos für männer werden beworben mit „perform like a man“ und wirken 72 stunden. wir sollen täglich unser einziges kapital cremen, waschen, pudern, shampoonieren und glossen. weil wir als das „schöne geschlecht“ ja sonst auch nix weiter zu bieten haben. außerdem sind wir auslaufmodelle und benötigen, um das diskret zu verstecken, permanent binden, slipeinlagen oder tampons und wir haben scheidenpilz.

ich will es nicht unnötig ausbreiten: ich hab die schnauze voll von (deutschen) serien und werbungen, die mir erklären, wie frauen funktionieren (sollen). ich bin eine singlefrau mitte 30, die sowohl ihre kontinenz als auch auch ihr leben ziemlich gut im griff hat und in einem job arbeitet, in dem es bei weitem nicht darum geht, nur die zahlreichen (durchaus auch sehr attraktiven) männer anzuhimmeln, sondern mit ihnen zusammenzuarbeiten, um ein gutes ergebnis zu erreichen. irgendwann muss doch mal schluss sein mit diesem weibchen-ideal! HIMMELGESÄSSUNDNÄHGARN!

bestandsaufnahmenrant

hmmm…wie fang ich es an? am besten so:

„ich kann gar nicht verstehen, warum jemand wie du noch single ist.“

hätte ich jedesmal, wenn dieser satz fiel, einen euro dafür bekommen, wäre ich heute reich.

es war nie so, dass ich einen plan für mein leben gehabt hätte à la: mit 35 biste verheiratet und hast 2 kinder, haus, hund. im gegenteil. sehr lange vertrat ich vehement den standpunkt, dass ich niemals heiraten oder gar kinder haben werde. immer wieder wurde mir gesagt: „hihi, ja, eines tages, da kommt die biologische uhr!“ und ich sagte immer: „ja, manchmal hör ichs ticken, ist aber nur der wecker aufm nachttisch.“. und damit war die sache durch. wird sich schon irgendwie alles regeln, dachte ich.

wenn ich heute zurückschaue, war ich den größeren teil meines lebens single. selten gewählt. aber lange auch nicht als tragisch empfunden. mit anfang 20 hatte ich eine beziehung, die drei jahre ging und dann endete, weil die vorstellungen eines mannes anfang 30 von denen einer frau anfang 20 doch abweichen. wenn dann noch 500 km entfernung dazu kommen, wirds schwierig. so ging die ganze sache also recht unrühmlich zu ende, mit dolle herzaua. seis drum. lange her.

ich studierte fertig, zog nach berlin. ich war 28, seit fünf jahren single und mit meinem singledasein okay, wenn auch nicht 100% zufrieden. ich war immerhin in der geilsten stadt der welt! ist sie immer noch, wenn auch entromantisiert. denn: was sich in greifswald, einer stadt mit massivem frauenüberschuss, andeutete, wurde in berlin perfektioniert. martin „gotti“ gottschild hat es sinngemäß mal in die worte gefasst: „in berlin muss sich niemand binden, weil an der nächsten ecke der nächste steht, der sich auch nicht binden will.“ in einer der großen tageszeitungen (ich weiß wirklich nicht mehr, welche es war, sonst würde ich sie verlinken) las ich vor nicht allzu langer zeit den satz: „berlin ist die stadt der singles, die es bleiben wollen.“ das ist natürlich quatsch. denn 1.) gibt es ja auch in berlin menschen, die sich finden und zusammen bleiben und 2.) gibt es auch hier natürlich menschen, die single sein nach einer weile einfach doof finden.

und damit komm ich wieder zu mir. ist ja auch mein blog. hihi. ich lebte also so vor mich hin. ging feiern, traf männer und…stellte schnell fest: egal, ob du mit ihnen direkt was anfängst oder nicht: sie melden sich nicht mehr. okay. dann also partys. hört man ja immer wieder, dass sich leute auf partys treffen. von denen gab es in meiner berliner zeit nur leider wenige, die nicht von mir initiiert wurden. also auch nix. und wie ich so immer länger in berlin lebte und immer länger single war und je mehr freunde sich fest banden und familien gründeten und je mehr es mich frustrierte, traf ich immer mehr männer, die sich genau in zwei kategorien fassen lassen: die einen suchen jemanden, der ihnen den weg zeigt. sie sind eher unsicher, vor allem emotional und antworten auf fragen wie „worauf hast du denn lust?“ oder „welchen film wollen wir denn gucken?“ grundsätzlich mit „mir egal, sag du!“. das ist auf die dauer recht anstrengend, denn auch wenn diese männer einer frau gern die welt zu füßen legen würden, muss man ihnen als frau erstmal sagen, wo der weg dahin ist. und dann kann man ihn auch allein gehen.

die andere kategorie ist jedoch nicht wirklich angenehmer. das sind die „du, ich such eigentlich grad nichts festes, aber eine affäre/offene beziehung/ich hab ne offene beziehung“-typen. und das binden sie dir auch direkt auf die nase. beim ersten gespräch. egal, ob das kennenlernen spontan in ner kneipe stattfindet oder sonstwie. und ich denke dann immer nur: „jo. schön. tmi. weißte, früher hat man sich nochmal aufn kaffee getroffen oder abends und dann nochmal und nochmal und geguckt, ob was geht, aber das ist mit dieser aussage ja auch mal einfach makulatur.“ zumal „ich such grad nix festes“ ja eigentlich auch nur bedeutet „ficken wär schon geil, aber für mehr reichts dann auch nicht“. offenbar ist heute die größte bedrohung, sich binden zu „müssen“, ja es wird von vornherein als zwang empfunden, eine beziehung einzugehen. als wäre man dann am andreaskreuz im keller angekettet und auf die gnade der frau angewiesen, was essen und ab und zu mal rumlaufen angeht. „beziehung“ ist heute offensichtlich das worst case scenario.

so langsam komme ich an einen punkt in meinem leben, an dem ich feststelle: es regelt sich eben nicht irgendwie. was nicht daran liegt, dass ich nicht will, sondern daran, dass „bindung“ und „verbindlichkeit“ heutzutage offenbar schimpfwörter sind. oder ganz doll böse, gefährlich und um jeden preis zu vermeiden. ich komme an einen punkt in meinem leben, an dem ich feststelle, dass ich auch nicht aktiv etwas dagegen tun kann oder mich dafür oder dagegen entscheiden, weil ich die chance dazu gar nicht bekomme. man trifft sich, redet, der abend verläuft angenehm – und plötzlich kommt aus dem nichts „du, aber was festes will ich nicht“. anfangs fragte ich mich noch, ob ich jetzt sooo verzweifelt gewirkt habe, dass ihm das zu betonen so wichtig war. oder ob ich so wirke, als ob ich in der handtasche direkt die hand- und fußfesseln mit mir herumtrage, um ihn anzubinden und nie wieder wegzulassen. kurz: ich fragte mich, ob ich irgendwas falsch gemacht habe. und stellte fest: ja, ich bin nicht ganz einfach, nicht schlicht und leicht zu durchschauen, aber so prinzipiell finde ich mich schon sehr okay so. und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass ich einem mann jemals in den ersten beiden stunden ungefragt auf die nase gebunden hätte, dass ich gedenke, ihn in sechs monaten heiraten und danach direkt mit der familienplanung beginnen zu wollen. was ja das gegenstück zu den informationen wäre, die mir ungefragt erteilt werden.

ich habe auch schon den einen oder anderen mann getroffen, der bass erstaunt war, dass ich nicht sofort einen hysterischen tobsuchtsanfall bekam, wenn er mit seinen jungs um die häuser wollte. der seine vermeidungs- und „ich sag besser nix und ruf auch nicht an“-strategie fuhr, weil er mit einem solchen rechnete und dann verwundert feststellte, dass bei mir bescheidsagen einfach ausgereicht hätte. weil ich das ganz normal finde. und der, wenn er das feststellte, mich ganz schnell abschoss. bzw. in die freunde-schublade steckte. was aufs gleiche rauskommt. denn seltsamerweise stehen männer auf dieses gezicke. auch, wenn sie immer sagen, dass das ja ach so anstrengend ist.

liebe männer (und auch frauen): es gibt wundervolle frauen (und auch männer) da draußen. die meisten haben weder vor, euch einzusperren noch euch anzuketten. wie wäre es, wenn ihr es einfach mal ausprobiert? mal nen drink und dann noch nen kaffee und dem ganzen die möglichkeit gebt, sich zu etwas zu entwickeln, bei dem man mutmaßen kann, ob es mehr als ein paar treffen werden könnten? statt sofort abzublocken und eure freiheit zu propagieren? jeder/m frau/mann von vornherein zu unterstellen, dass sie/er ja euch nur festketten will, vor allem ab einem bestimmten alter? und ja, ich weiß, ich habe geschlechtsgenossinnen, deren einziges ziel ist, geheiratet zu werden, aber die sind zum glück ja immer seltener. gerade wir so mit mitte 30 und älter sind natürlich nicht ohne macken und altlasten. ihr nicht, wir nicht. wir haben alle scheiße erlebt, unsere herzen haben narben und wir haben alle angst, dass noch mehr davon dazu kommen. aber es deswegen ganz lassen?

ganz ehrlich, liebe berliner männer: ich mag euch. aber langsam frustriert ihr mich, weil ihr mich (und viele andere bezaubernde frauen) unter generalverdacht stellt.

das kind in meinem kopf

in meinem kopf wohnt ein kleines mädchen. es ist ungefähr drei jahre alt. es hat große, blaue augen und blonde löckchen. ein kleiner engel. dieses mädchen ist traurig. es hat in seinem leben sehr früh eine botschaft bekommen: „du bist es nicht wert.“ trotzdem hat es nie aufgegeben. es hat sich angepasst, zurückgenommen und unauffällig überlebt. bei all dem ist sein mantra „du bist es nicht wert!“ zur selbsterfüllenden prophezeiung geworden. scheitern und schlechtfühlen sind sein antrieb. weil das alles ist, was es kennt. jeder erfolg wurde ihm kleingeredet, relativiert, als selbstverständlichkeit hingestellt, nichts besonderes. „glaub bloß nicht, dass du wichtig bist. du bist es nicht wert.“

pony

und während ich heranwuchs, älter wurde und irgendwann auch erwachsen, blieb dieses kleine mädchen in meinem kopf und forderte sein scheitern, sein schlechtfühlen ein. jeder rückschlag war nicht nur bestätigung, sondern auch befriedigung. es redete alles klein und wertlos, bis ich es glaubte und es auch so kam. seit drei jahrzehnten nun sitzt dieser kleine blonde engel in meinem kopf. mit den jahren ist aus der kleinen süßen ein echter racheengel geworden. sie bockt und zickt, wenn sie nicht bekommt, was sie will: scheitern und schlechtfühlen. sie versucht, mir sämtliche positiven gefühle auszutreiben und zu relativieren. wie ein schlecht erzogenes dreijähriges mädchen in der quengelzone an der kasse wirft sie sich brüllend auf den boden, weil sie mit der momentanen situation nicht klarkommt: zum ersten mal in meinem leben gibt es da die ahnung von sicherheit, von zukunft.

und genauso schwer, wie es vermutlich einer mutter fällt, ihr kind zu lieben, wenn es im supermarkt die große schrei-arie anstimmt, so schwer fällt es mir zurzeit, die kleine auf den arm zu nehmen, ihr den rücken zu streicheln und ihr zu sagen, dass es okay ist. dass wir es verdient haben. und dass es zeit für sie ist, erwachsen zu werden. so schwer fällt es mir, ihr die wütenden krokodilstränen aus den traurigen blauen augen zu tupfen. ihr zu vermitteln, dass das, was gerade passiert, etwas gutes ist, das uns weiterbringt. ein großer weg aus kleinen schritten. ich weiß, dass sie sich nicht mit einem plüschtier besänftigen lässt, oder mit süßigkeiten. das einzige, was sie beruhigen würde, wäre ein erneutes scheitern. und während ich das schreibe und sie bemerkt, dass ich mich mit ihr beschäftige, sät die kleine kröte auch schon wieder zweifel: „du wirst die probezeit niemals überstehen. du bist es nicht wert.“ und ich möchte ihr eine runterhauen oder sie wegsperren. aber das macht man mit kindern nicht. man muss sich mit ihnen auseinandersetzen, ihnen erklären, zeigen und beweisen, dass es anders ist und das auch gut so ist. und so muss ich nun als erwachsene das versuchen zu vermitteln, was die ersten erwachsenen diesem traurig-wütenden kleinen mädchen ausgetrieben haben: urvertrauen. selbstvertrauen. selbstwertgefühl. das bewusstsein, dass das leben nicht nur aus schlechten dingen besteht und auch nicht bestehen kann und auch nicht sollte. das bewusstsein stärken, dass gute gefühle viel schöner sind als negative, wenn man sie zulässt und nicht kleinredet.

ich muss mit diesem kind in meinem kopf leben. denn diese kleine rachel gehört zur großen rachel dazu.

die dritte generation

wie ich gestern bei #zdflogin erfuhr, gehöre ich zur dritten generation. das sind die, die zwischen 1975 und 1985 in der ddr geboren wurden.

abgesehen von dieser information bot mir diese sendung zahlreiche argumente dafür, doch endlich mit der glorifizierung der ddr aufzuhören, die uns menschen der dritten generation angeblich innewohnt. schließlich sei die ddr ein unerträglicher unrechtsstaat gewesen, in dem alle menschen in graue lumpen gekleidet sich angstvoll umschauend durch die gegend schlichen.

nun…nein.

nein, ich glorifiziere nichts. auch ich habe schon in der grundschule zu spüren bekommen, was es bedeutet, bei eltern aufzuwachsen, die nicht nur nicht in der SED sind, sondern sogar offen bekennende CDU-mitglieder und dazu auch noch laut systemkritisch. was es bedeutet, sich als kind freiwillig in die christenlehre zu begeben. es bedeutete unter anderem, dass ich als klassenbeste eben keine auszeichnung bekam, sondern die zweitbeste ausgezeichnet wurde, deren eltern systemtreue rotsocken waren. mir ist bewusst, dass ich mit derlei eltern niemals hätte studieren dürfen. oder dass ungefähr in der 10. klasse ein unauffälliger mensch oder gar ein vermeintlicher freund gefragt hätte, ob ich denn nicht für ein studium bereit wäre, gewisse informationen an gewisse leute über gewisse leute weiterzugeben. und mir bei ablehnung gewisse wie auch immer geartete konsequenzen in aussicht gestellt hätte. mir ist bewusst, dass, hätte die ddr die angeblich vorhandenen pläne für lager für dissidenten umgesetzt, meine omma als eine der ersten auf einem transporter gesessen hätte.

all das ist mir bewusst. auch, wenn wir in einer gegend wohnten, in der wir außer dem staatseigenen fernsehen bestenfalls an sonnigen tagen auch mal körniges polnisches tv empfingen, niemals aber westfernsehen.

ich bin in einem system aufgewachsen, das mich von frühester jugend darauf vorbereitet hat, dass ich später meinen beitrag zu ihm würde leisten müssen, wollte ich nicht der allgemeinen ächtung als „asoziale“ anheimfallen. (ja so hieß das wirklich.) nun tut die kinder- und jugendbildung ja heute im grunde nicht viel anderes als genau das: leiste deinen beitrag, dein land braucht dich. nur heißt das system inzwischen anders. hmm. hmmm. wenn ich heute interviews mit gymnasiasten sehe, erschrecke ich mich oft, wie sehr die schon auf kapitalismus-spur sind mit ihren vielleicht 15 oder 16 jahren. ob das nun erstrebenswerter ist, als stramm auf sozialismus-spur zu sein, überlasse ich jedem selbst.

ein weiteres thema war nun in dieser tollen sendung das frauenbild in der ddr. laut den einspielern haben 1989 rund 90% der frauen in der ddr gearbeitet. das war problemlos möglich, weil für (laut zdf) rund 80% der kinder krippenplätze vorhanden waren. krippe, also für säuglinge und kleinstkinder unter 3 jahren. von 6 bis 18 uhr. wenn eine mutter zuhause bleiben wollte, ging das auch. von flächendeckender betreuung in kindergärten (u.a. auch in den betrieben selbst) ganz zu schweigen. abtreibungen waren ohne große schikane möglich. scheidungen waren schnell und preisgünstig vollzogen. frauen waren vollwertige mitglieder der gesellschaft, die schon von kindesbeinen an dazu erzogen wurden, eines tages auf eigenen beinen stehen zu können und von niemandem abhängig zu sein.

natürlich kann man spekulieren, dass die kinderbetreuung in diesem umfang die voraussetzung dafür war, alle arbeitsfähigen menschen ins system und den aufbau des staates zu zwingen. ein gern gewähltes argument gegen diese praxis. und sicher sind kinder in diesem system oft auch die verlierer gewesen. wenn sie nach hause kamen und keiner da war, weil beide eltern arbeiteten. wobei: die meisten schulen hatten auch einen hort, in dem man hausaufgaben erledigen konnte und eben nicht allein war. angeblich gab es signifikant viele bettnässer in der ddr. was dann als zeichen für diese unmenschliche praxis angesehen wird, die armen kinder von der mutterbrust direkt in fremdbetreuung zu übergeben. natürlich ist eine nanny oder ein au pair etwas gaaaanz anderes.

fakt ist: als ich zum ersten mal davon hörte, dass die frauen auf der anderen seite der mauer oft lieber zuhause blieben, um sich der kinderaufzucht und der pflege ihres mannes und des haushaltes zu widmen, war ich fassungslos. mein erster gedanke war: wird denen das nicht langweilig? (wir erinnern uns: 1990 gabs nicht viele tv-sender zur allgemeinen zerstreuung.) als ich anfang der 2000er von meiner damaligen besten freundin, die in tübingen studierte, stories von ihren kommilitonen hörte, die im grunde nur studierten, um eine gute partie abzugreifen und dann nie arbeiten zu müssen, war ich ein weiteres mal fassungslos.

und doch hat sich dieses weltbild über die ehemalige ddr gestülpt. kindergärten wurden geschlossen – was auch daran lag, dass kaum noch kinder geboren wurden, weil die situation so instabil war. der abtreibungsparagraf der ddr wurde zusammen mit ihren restlichen gesetzen in die ewigen jagdgründe geschickt. scheidungen sind heute langwierig und teuer, auch, weil es hier um unterhaltsansprüche geht, was in der ddr aufgrund der beschäftigung nahezu aller frauen wegfiel. andrea kiewel sagte gestern in einem einspieler sinngemäß, dass die ddr mit ihrem frauenbild dem rest der welt um etwa 10 jahre voraus war. mit der wende mussten diese frauen (und auch die gerade heranwachsenden) sich plötzlich mit problemen beschäftigen, die tief in ihre persönlichen entscheidungen eingreifen (s. abtreibungen). entscheidungen, die sie immer allein treffen konnten und auch mussten. plötzlich gab es leute, die da mitreden wollten und noch mehr: ihnen sagten, was sie zu tun haben, was sie dürfen und was nicht.

es kamen menschen, die uns im osten erklärten, was für bedauernswerte würstchen wir doch seien nach 40 jahren knechtschaft.

wir? bedauernswert? wann genau hat ein anderes volk dieser welt sein regime gestürzt, ohne dass es zu blutigen aufständen kam? ohne, dass schüsse gefallen sind? einfach dadurch, dass es sich wieder und wieder und in immer größerer zahl versammelte? sind wir, die wir diese „knechtschaft“ beendeten, nun die opfer? offenbar ja. im osten ist die arbeitslosigkeit höher und die löhne auch 25 jahre nach der wende noch niedriger. (kommt mir jetzt nicht mit dem soli, den zahlen wir auch.)

achja, dem ganzen die krone aufgesetzt hat eigentlich die forderung, die symbole der ddr, die heute als souvenirs verkauft werden, sollten wie die nazi-symbole verboten werden. nun, es gibt einen entscheidenden unterschied zwischen der nazi-diktatur und der ddr-diktatur: erstere wurde nach 6 jahren blutigem krieg von den alliierten zerschlagen, letztere vom volk selbst. die symbole der nazis stehen für millionenfachen mord an unschuldigen, die symbole der ddr stehen für ein system, das durch sein eigenes volk ad absurdum geführt und abgesetzt wurde. wenn ein speckiges t-shirt und ein hipsterbart ironisch sind, ist es ein honecker-bild heute allemal.

wie auch immer es andere sehen mögen: ich bin dankbar für meine behütete kindheit in der ddr. dass ich erst mit 13 erfuhr, dass man vom küssen nicht schwanger wird und mir auch erst da langsam der tatsache meines weiblichen körpers bewusst wurde, hat mir nicht geschadet. ich bin aber auch dankbar dafür, dass ich wegen der wende gar nicht an den punkt kam, mich eingesperrt zu fühlen. in einem alter, wo man neugierig auf die welt wird, konnte ich es sein und ausleben, die welt entdecken und reisen, wohin ich wollte. ich bin dankbar dafür, dass ich wegen der wende studieren konnte und als melkerin in der lpg arbeiten muss. ich bin dankbar für beide seiten, weil beide seiten ihr gutes haben.

wie sehr ihr das? wie habt ihr es erlebt?

jahresendgedöns

eigentlich schreibe ich meinen jahresabschluss ja immer vor weihnachten. da das aber meine regel ist, darf ich sie auch brechen.

dieses jahr war…lang und unglaublich kurz, hart und unglaublich weich, traurig und unglaublich glücklich. es war voller ereignisse, obwohl es gefühlt so vor sich hinplätscherte. es war voller menschen, auch wenn ich mich oft allein fühlte. es war voller tränen, tränen der rührung, der trauer, der verbitterung. es war voller liebe, liebe zu menschen, die mir ans herz gewachsen sind und auch zu menschen, die ich schon ewig kenne und trotzdem jetzt erst besser kennenlernte.

neue menschen kamen, alte gingen. freunde kamen und gingen, viele blieben, manche wurden herzfamilie. zu diesen menschen gehören ganz sicher @nsimn, @herrvanbohm und @onrie, aber auch @bittersuesss und @littlejamie. noch immer bin ich wieder und wieder überrascht und überwältigt von „meinen“ menschen bei twitter, von euch allen, ihr herzchen.

ein grund, warum ich dieses jahr nicht vor weihnachten auf das jahr zurückblickte, war das jahr selbst. und mein verhältnis zu weihnachten. als mein großvater noch zu weihnachten zuhause weilte, war weihnachten die hölle. die aussicht auf drei tage voller kommunikativer tretminen, unausgesprochener vorwürfe und verbitterung ließ mich schon im vorfeld rheuma bekommen. ich habe den advent immer geliebt, aber weihnachten gehasst. den höhepunkt dieses hasses zeichnet das jahr 2005, als ich pünktlich um 20.15 wieder in meiner wohnung war und den grinch guckte. passender ging es nicht. allerdings war das auch das jahr, als eine damalige gute freundin mich um 22.00 aus meinem elend in meine stammkneipe zerrte und ich feststellte: nach dem offiziellen programm gibts hier echte besinnlichkeit und ja…auch alkohol. (ich bin in einem haushalt aufgewachsen, in dem ich noch heute, mit 35 jahren, schief angeguckt werde, wenn ich nur über alkohol rede.)

in den letzten beiden jahren waren omma und ich allein. was bedeutete: ich konnte in die kirche gehen, ohne den großvater, der die zeiten der fahrten hin und zurück immer nutzte, um stimmung gegen seine frau zu machen. was drei jahre in folge dazu führte, dass ich den gottesdienst „verschlief“ und nicht hinfuhr, weil ich keine lust darauf hatte. in diesen letzten beiden jahren habe ich meinen frieden gemacht mit diesem familienfest. und in diesem jahr habe ich mich sogar darauf gefreut. denn der großvater ist nicht mehr und mit ihm sind die ewigen unausgesprochenen fragen und verletzungen gegangen, kein damoklesschwert schwebte mehr im wohnzimmer. im letzten jahr hatte omma beschlossen, dass ein weihnachtsbaum für die paar tage albern ist, dieses jahr bestand ich darauf und sie freute sich über meine freude daran und stellte fest: „es ist wirklich gemütlicher mit baum.“ überhaupt hat dieses jahr uns beide wieder ganz eng zusammengeschweißt. es gab ein paar streits, es gab aber auch meinen zusammenbruch im oktober, als ich zum ersten mal seit meinem auszug das bedürfnis hatte, nach hause zu fahren, um dort ruhe zu finden. und omma hat mir grießpudding gekocht. wie damals als kind, wenn ich traurig war. oder als teenie, wenn ich liebeskummer hatte.

und überhaupt: es war mein weihnachten. ruhig (okay, etwas sehr ruhig 😉 ), mit baum, gottesdienst und schweizer käseauflauf (traditionell seit meiner kindheit, war mal ein rezept in einer birkelpackung, die im westpaket mitkam). mein pfarrer, andreas schorlemmer, der bruder vom leipziger schorlemmer der die wende anstieß, schaute mich bei der predigt immer wieder an und vielleicht hat er mir auch zugezwinkert. in der predigt ging es um familie, irgendwie trifft er immer genau das thema, das mich gerade umtreibt. nach dem gottesdienst nahm er mich in den arm und sagte „ach, meine liebe rachel, es ist so schön, dass du da bist!“. und zack: weihnachten! 🙂 nach der bescherung und dem essen ab in die stadt, endlich (gedrosseltes, aber im gegensatz zu edge superschnelles) internet und alkohol genießen. wenn man am 25.12. keinen kater hat, wars genauso wenig weihnachten als wenn die hose nicht kneift nach den feiertagen. und als ich am 26.12. nach hause fuhr, in meine höhle mit wlan und meiner mieze, wollte ein teil von mir noch gar nicht weg. hätte ich auch nie gedacht.

und nun? was kommt jetzt?

erstmal silvester.

und am 6.1.2014 hat mein freiberuflerdasein endlich ein ende. ich fange einen spießigen job im öffentlichen dienst an. und ich freu mich drauf, endlich mal wieder was über die nächsten 3 tage hinaus planen zu können.

 

ich hoffe, ihr flauschnasen hattet ein tolles weihnachtsfest und ich wünsche euch ein großartiges, wundervolles, träume erfüllendes jahr 2014.

„und wenn auch mal eine träne rinnt – mach, dass es freudentränen sind!“ (muppets weihnachtsgeschichte)

ich drück euch!

vertrauter fremder

„ich würde dich so gern noch einmal sehen.“ deine stimme ist schwach, man hört durchs telefon, wie schwer dir das sprechen fällt. ich schlucke und sage „ja.“. keine versprechungen, die ich nicht halten werde. „ich denke an dich und ich liebe dich“, sagst du mit etwas festerer stimme. ich sage „ja“. keine versicherung, dass es bei mir genauso ist. keine lügen. auch einen sterbenden lüge ich nicht an.

du bist auf deinem weg. ich rechne jeden moment mit dem anruf, dass du ihn zu ende gegangen bist und es vorbei ist. und ich horche in mich hinein, was ich dabei fühle. du bist immerhin das, was einer vaterfigur in meinem leben am nächsten kommt. doch sollte ich dir für diese rolle ein zeugnis schreiben, liefe es auf „er hat sich stets bemüht“ hinaus.

ich versuche in mir erinnerungen zu finden, die mich nicht verbittert und enttäuscht zurückblicken lassen. und finde nur sehr wenige, kleine schätze. wie die geschichten, die du mir erzählt hast, als ich noch ganz klein war. vor dem mittagsschlaf oder in der badewanne. oder im thermalbecken in szeged, nachdem mir mit 8 jahren die trommelfelle durchgestochen wurden und ich nicht mehr richtig plantschen durfte. da hast du dich mit mir ins warme becken gesetzt, ich bis zum kinn auf der bank im wasser, du bis zur brust und hast mir wüste mixturen aus sindbad, odysseus und eigenen märchen erzählt. und ich sehe dich bei einem urlaub auf usedom, als wir abends zu dritt spazierengingen. einer der wenigen echten familienmomente. moment…es war kein urlaub, du hast dort 4 wochen als zeltplatzarzt gearbeitet und nur abends hatten wir ein wenig zeit zu dritt und gingen eben ab und zu spazieren. da kam eine blindschleiche über den weg und du hast einen irren hopser gemacht, als wäre es eine giftige viper, wir haben alle gelacht. oder die fahrradtouren, die wir gemacht haben, als ich noch klein war. oder die seltenen spaziergänge mit dem ersten boxer, den wir hatten. und sogar deine feuchten augen, als wir cally beerdigt haben und wir gemeinsam vor dem kofferraum mit dem toten hund darin standen. es sind ganz wenige kleine lichtpunkte in einem meer aus schlechten gefühlen, zurückweisung, enttäuschung, forderungen und verbitterung.

ich würde mir wünschen, dass ich mehr hätte, auf das ich zurückblicken kann, wenn du nicht mehr bist. mehr von diesen kleinoden, die mich als kind sehr glücklich gemacht haben. aber da ist nichts.

ich würde mir wünschen, sagen zu können, dass du mich auf einen guten weg gebracht hast, mich bestärkt und unterstützt hast, wie es ein vater eben tut. aber das hast du nicht.

ich würde mir wünschen, dass es mir leid tut, dich nicht mehr gesehen zu haben vor deinem tod. aber da ist nur ein ganz kleines flackern.

ich würde mir wünschen, mitleid mit dir zu haben, weil du stirbst, ohne deine frau und deine kinder nochmal gesehen zu haben. aber es war deine wahl und darum sind sie nicht da.

ich würde mir wünschen, sagen zu können, dass ich dich liebe und vermissen werde. aber das kann ich nicht.

 

ich wünsche dir eine friedliche und kurze reise ohne viele schmerzen. ich wünsche dir, dass du gut ankommst und es dir dort besser geht. das wünsche ich dir vom ganzen herzen.

deine tochter

ärger im paradies

„du, sage mal, karl-heinz, ich hab hier ne beschwerde vorliegen. von einer … rachel lindenbaum…wer isn für die zuständig?“

„na der kevin-justin.“

„die nulpe? na kein wunder…“

„wieso? was reklamiert sie denn?“

„oktober 2012 bis september 2013.“

„oha.“

„sag mal, karl-heinz, bis oktober 2012 war doch da noch ne fachkraft auf der stelle?“

„ja, aber der war zu teuer. fachkraft halt. da ham wir dann den praktikanten kevin-justin eingestellt. und den nach nem halben jahr für lau zum trainee erklärt. auf 400-wolken-basis.“

„400 wolken bekommt der? seit nem halben jahr? wo wohnt der denn, dasser nicht aufmuckt?“

„der hat wohl ein kleines wg-zimmer in wolkenkuckucksheim. aber er meinte, er würde sehr gern für 400 wolken arbeiten, wegen der referenz.“

„hmm. hmmm. naja, aber fakt ist, dass die lindenbaum jetzt so richtig sauer ist. was ist denn da schiefgelaufen?“

„naja. der kevin-justin hat der wohl ein paarmal richtig hoffnungen gemacht, die er dann nicht einhalten konnte. unsichere projekte, jobabsagen etc.. du weißt ja, die fixen das nie, die billigarbeiter. die sind froh, wenn sie überhaupt was vorweisen können abends. wegen der statistik. damit sie ihren job behalten. ich mein, guck mal raus, da stehen 130 andere, die für null wolken arbeiten würden.“

„und das ist jetzt deine erklärung oder wie? warum sitzt denn der fachmann da nicht mehr?“

„na wir haben doch die neue kaffee-espresso-mega-superduper-maschine gekauft und alle mit diesen birnenrechnern ausgestattet und das büro hier in den elfenbeinturm verlegt. irgendwo müssen wir sparen.“

„am kunden? die lindenbaum sitzt gerade heulend in ihrer wohnung!“

„nee, am personal…aber…hmmm…stimmt…dann irgendwie ja auch am kunden.“

„so karl-heinz. jetzt passe ma uff. der kevin-justin wird jetzt zur kopier- und datenbank-fachkraft ausgebildet. für volles gehalt. und für die rachel lindenbaum bist du ab heute zuständig und besorgst ihr einen vernünftigen job und eine perspektive!“

„aber chef…“

„nix aber! los gehts! glaubst du, ich hab lust, die irgendwann zusammenzukratzen und aufzubauen und das dem chef zu erklären? also. los jetzt!“

„na gut….“

 

 

p.s.: sollte sich jemand angesprochen fühlen (auch, wenn er nicht karl-heinz heißt) möge er sich gern bei mir melden: rachel[ät]rachellindenbaum.de)

 

du opfah!

Wer sich zum Honig macht, den benaschen die Fliegen.

(deutsches sprichwort)

 

es ist etwas schwierig, einen anfang zu finden. vor allem ist es schwierig, das, was in meinem kopf rumschwirrt, so zu formulieren, dass sich niemand angegriffen fühlt oder ich den eindruck vermittle, etwas besseres sein zu wollen.

versuchen wir es mal.

aufgrund bestimmter umstände, auf die ich nicht näher eingehe, war es notwendig, dass ich beim hiesigen jobcenter vorsprechen musste. meinem antrag wurde stattgegeben, jedoch nicht komplett. um einen widerspruch formulieren zu können, wühlte ich mich also durchs internetz, denn bekanntlich weiß das ja alles. (und vielleicht lässt mich die nsa auch in ruhe, wenn sie jetzt weiß, dass ich mir gerade weder sprengstoff noch einen schnellkochtopf noch einen rucksack leisten könnte.) gerade, wenn sich fragen zum komplizierten regelwerk des sgbII auftun, finden sich zahllose foren und hilfeseiten. die meisten davon haben eines gemeinsam: alle dort sind opfer. und zwar opfer, die sich komfortabel in ihrer opferhöhle eingerichtet haben und neuen opfern von da aus giftig schnappend zeigen, wie man richtig opfer ist.

der wohl am häufigsten auftretende vorwurf ist der, dass das sgbII nur den sinn habe, menschen kleinzuhalten und so ihren willen zu brechen und sie gefügig für dieses system zu machen. da ich selbst diesen gang zum jc nicht zum ersten mal gemacht habe, kenne ich durchaus die gedankengänge, und auch das unverständnis, die unbeholfenheit und das überfordertsein damit, die eigene missliche situation, das immer knappe geld und die kämpfe gegen windmühlen unter einen hut zu bringen, ohne den mut zu verlieren. und ja, ich weiß, dass langzeitarbeitslosigkeit krank macht. psychisch und auch physisch.

und was ich auch kenne, ist das bedürfnis, für die eigene situation einen schuldigen zu finden. und hier werde ich allgemeiner, weil das für alle misslagen im leben funktioniert. „meine situation wäre ganz anders, wenn…mein ex nicht so ein arsch wäre…meine eltern mich anders erzogen hätten…die gesellschaft anders wäre…der staat hier endlich eingreifen würde…dies und das und jenes nicht passiert wäre.“ in meinem aktuellen fall ist es so: ich würde auch gern einen schuldigen finden. doch daran, dass ich momentan hier sitze und darüber nachdenke, ob ich lieber meine miete oder essen bezahlen soll, weil das jc einen verfahrensfehler gemacht hat, auf dessen berichtigung ich nun hoffe, daran bin ich selbst schuld. ich bin selbst verantwortlich, denn ich allein war es, die es soweit hat kommen lassen. ich war diejenige, die mit offenen augen in diese situation geraten ist, ohne etwas zu ändern.

und nun ist es so. das kind liegt im brunnen und alles, was ich tun kann, ist schadensbegrenzung. darüber hinaus zusehen, dass ich wieder auf die füße komme. ich habe mir ein paar wochen selbstmitleid gegönnt. rückzug. reflexion. geheult. schlecht geschlafen. wollte das ausmaß meines scheiterns nicht akzeptieren. fand schuldige. und landete immer wieder bei mir. ich kann mich mit 35 jahren nicht mehr darauf berufen, dass meine kindheit einige dunkle flecken hat. und ich will es auch nicht. das mag für einige situationen akzeptabel als erklärung sein, aber nicht für das, was ich zugelassen habe. ich habe ein eigenes leben, das schon lange unabhängig von dem meiner kindheit ist. ich war schon sehr erfolgreich in diesem leben und habe verdammt viel erreicht. die erkenntnis, dass meine unsicherheiten, resultierend aus alten mustern, mich hierhin gebracht haben und ich es zugelassen habe, macht mich unsagbar wütend. wütend auf mich selbst. nicht auf den fehler des jc bei der berechnung, denn den antrag hätte es nicht brauchen müssen. nicht auf das system, das mich zwingt, mich komplett nackich zu machen (inklusive einnahmen und ausgaben der letzten 12 monate und auftraggeber und warum die weggefallen sind etc.), denn dieses system rettet mir gerade den arsch und bewahrt mich davor, wieder schulden machen zu müssen. nein, das ist kein lobgesang auf hartz4. aber hartz4 verschafft mir gerade luft zum atmen. luft, die ich brauche, um wieder zu mir finden zu können. macht kapazitäten in meinem hirn frei, die sonst für existenzängste draufgehen würden.

ich finde es okay und legitim, sich eine zeit des suhlens im selbstmitleid zu nehmen, wenn die dinge aus der bahn geraten. ich kenne das gefühl, wenn man aus heiterem himmel plötzlich in situationen gerät, die einen völlig überfordern. ich kenne depressive phasen ebenso wie ausgewachsene depressionen. was ich aber nicht okay finde, ist, sich damit abzufinden, sich zu fügen und den kampf aufzugeben. egal, was im leben passiert: es passiert immer nur soviel, wie man zulässt. man ist immer nur das opfer, das man anderen zugesteht aus einem zu machen. ich finde es okay und legitim, keine kraft mehr zu haben, die schnauze voll zu haben und sich eine kampfpause zu gönnen. ich finde es okay und legitim, sich hilfe zu suchen und den kampf nicht allein auszufechten. aber ich finde es nicht okay, aufzugeben.

ich finde es nicht okay, die schuld für die eigene situation bei den umständen und/oder anderen menschen zu suchen und damit die verantwortung abzugeben. ich finde es nicht okay, sich zurückzulehnen und zu erwarten, dass andere mein problem lösen oder dass es sich ganz einfach in lavendelduft auflöst. auch, wenn ich ohne eigene schuld in einer misslichen situation lande, heißt das nicht, dass ich mich dort auch einrichten muss.

und damit bin ich wieder bei den foren zum oben genannten thema. was ich mir für leute, die neu in dem system landen, wünschen würde, wäre aufklärung, verständliche erklärungen komplizierter regelungen. konkrete hilfe wie links zu beratungsstellen oder einrichtungen wie den mitgehern, die ins jc begleiten. ich würde mir wünschen, dass sich dort mut zugesprochen wird und nicht bitterkeiten und sarkastische kommentare jeden beitrag, jede frage vernichten. ich würde mir wünschen, dass die profiopfer dort, die wissen, wie beschissen es sich anfühlt, sich dem system unterzuordnen, anderen tipps geben, damit ihnen das nicht passiert. ich würde mir wünschen, dass dort konstruktiv geholfen wird in einer weise, die einen fragenden nicht mit einem „aha. wtf? und jetzt?“ zurücklässt, sondern mit einem „ah! danke! jetzt weiß ich, was zu tun ist.“. ich würde mir wünschen, dass diese foren ihren vorwurf, das system wolle menschen brechen und gefügig machen, mit ihrem eigenen verhalten nicht untermauern würden. denn dadurch, dass sie andere lehren, wie man als opfer zu sein hat, schaffen sie neue opfer.

allgemeiner gesprochen: du bist unzufrieden? tu was. ändere deine einstellung, hole dir input, suche dir hilfe. aber: mach was. bleib nicht sitzen und suche nach erklärungen, warum du es nicht ändern kannst und wer schuld ist. suche nach auswegen. es ist dein leben. lass es dir nicht wegnehmen.

weight watchers, deine punkte…

es ist ja schon ungerecht: weil ich ein hobbit bin, bekomme ich von ww nur die mindestzahl punkte. das sind 26 pro tag. laut ww soll ich die auch alle verbrauchen. (ja nee, is klar.)

und dann kann man mit aktivitäten punkte dazu verdienen. auch da ist es wieder von größe und gewicht abhängig, wie viele punkte man für die aktivität bekommt. ich, garstiger fetter hobbit, gehe 120 minuten spazieren und bekomme 9 punkte gutgeschrieben. meine begleiterin, größer und proportional leichter als ich, bekommt dafür 10 punkte. dabei sollte man ja glauben, je fetter jemand ist, desto mehr bekommt er als belohnung, dass er sich überhaupt bewegt.

nun ja. zusätzlich ordnet ww die aktivitäten nach intensität. niedrig, moderat, hoch. soweit, so gut. für viele sportarten haben die schlauen köpfe dort schon mal entschieden, welche punktzahl es dafür gibt.

schwimmen beispielsweise fällt bei ihnen in die intensität wie normales spazierengehen. und hier gehts aber mal los. das bedeutet, dass ich für 120 minuten schwimmen sage und schreibe 9 punkte bekommen soll.

man kann seine aktivitäten auch selbst einschätzen. dafür gelten folgende kriterien:

Niedrig: Leichte Bewegungen, bei denen Sie nicht ins Schwitzen kommen. Atmung und Herzfrequenz werden kaum spürbar erhöht.

Moderat: Bewegungen, bei denen Sie etwas ins Schwitzen kommen. Atmung und Herzfrequenz werden schneller, Sie können sich noch unterhalten.

Hoch: Bewegungen, bei denen Sie durch die starke Anstrengung ins Schwitzen kommen. Atmung und Herzfrequenz sind schnell. Ihnen fällt es schwer, sich zu unterhalten.

nun, weight watchers, sagen wirs mal so: ich weiß nicht ob ich schwitze. das ist beim schwimmen schwer zu sagen. weil man ja eh nass ist. ich weiß auch nicht, ob ich mich unterhalten könnte. mein kopf ist nämlich beim schwimmen die meiste zeit unter wasser. und ich bin kein fisch. wenn ich mich dabei unterhielte, würde ich so schwimmen, dass ich eure einordnung akzeptieren könnte: wie omma mitm pudel aufm kopp, der nicht nass werden darf. ich schwimme die 50 meter aber in einer knappen minute, wenn ich mir mühe gebe um die 50 sekunden.

so, und nu sagt mir mal, welche intensität das ist?

belly off 3 – FINALE!!!

es ist vollbracht. 12 harte wochen liegen hinter mir.

12 wochen weight watchers, viel sport, oft verzicht – aber eben auch gewichtsverlust.

vorweg: das ziel für diese woche war eigentlich, die 6 kg voll zu machen. dafür habe ich außer freitag jeden tag sport gemacht:

dienstag 60 minuten zumba

mittwoch 110 minuten schwimmen

donnerstag 60 minuten zumba

samstag 90 minuten schwimmen

sonntag 150 minuten durchn tierpark latschen

montag 90 minuten schwimmen

macht summa summarum 71 aktivitätspunkte. allerdings habe ich die auch bis auf 10 alle verbraucht – mit sünden.

nunja. sei es wie es sei:

endergebnis des belly off 3 2013 sind:

75,5 kg

das sind 5,5 kg weniger als beim start und wie ich finde, sehr okay.

 

wobei mein persönlicher belly off eigentlich letztes jahr um diese zeit begann. damals arbeitete ich bei ebay. dort gibt es ein firmeneigenes fitnessstudio, das passenderweise just gerade wiedereröffnet wurde. was auch immer damals los war – trotz 3 mal die woche sport und bewusster ernährung wollte das fett mich damals nicht verlassen.

ich lasse euch mit der folgenden galerie mal allein. nur soviel: es liegen gut 10 kg zwischen den bildern am anfang und denen am ende von heute. das den „du musst nur„-leuten…

und ja, es gibt noch einiges zu tun. mein ziel sind 70 kg, mein traum wären 67 kg. trotzdem bin ich echt stolz auf mich. und ich werde weitermachen, sicher auch hier. vielleicht findet sich ja eine runde, die ebenfalls weiter „öffentlich“ bellyoffen mag.

aber heute ist finale und zur feier des tages heißt es zum ersten mal seit 3 monaten: pizza bestellen! und ausnahmsweise heute mal nicht „sport frei“, sondern sportfrei.

und bei euch so,

MC Winkel | Natascha | Marco | Hauptstadtkind | Antje | Anni | Dirk |

Mathis | Dirk |Ilovechaos |Starkilla | Lomomo | Stefan | Mary |

Rap’n’Blues | Kaal | Zeitzeugin |Sabbelkasten | Tyler | Katsuya-Fairy |

Matzel | Flyerzwomille | Dr. Sheldon Harper |Redhead | Rebecca |

Lieblingsmensch | ShadowNille | Steffi | San | Michelle |

ChliiTierChnübler | hyperrus | Björn | LennyUndKarl | Uli |

Buckelhart | Sabrina |Hucki | Gelrueb | Frau K | Jan???

belly off 3 – woche 10

so langsam gehts richtung zielgerade. darum hieß es auch in der vergangenen woche: zusammenriss auf der ganzen linie.

donnerstag war ein extremer frusttag. das WW-programm ist ja auf möglichst fettarm ausgerichtet. fett ist ein geschmacksträger und ohne fett schmeckt vieles nicht. wobei – würden die hersteller an das fettarme zeugs ein paar gewürze oder salz tun, würde das auch gehen. da kauft man sich zähneknirschend einen fettreduzierten käse und freut sich auf den genuss von sage und schreibe 2 punkten pro scheibe (wtf???) und dann schmeckt dieser käse wie ein schlag hinters ohr. nach nix. ähnliches gilt für so sachen wie geräucherte putenbrust in hauchdünnen scheiben. der perfekte WW-belag. 9 scheiben haben 1 punkt. aber ob diese scheibe da nu aufm brot liegt oder eben nicht – es macht keinen unterschied. man schmeckt sie nicht. es ist, als würden sie die pute ungewürzt und salzlos in die räucherkammer hängen. gnarf.

ich habe kein problem mit dem verzichten, ich kann so richtig hart zu mir sein, wenn ich merke, dass es was bringt. aber wenn man gar keine geschmackserlebnisse mehr hat, wird das leben doch recht freudlos. was mich auch ein bisschen sehr nervt – aber sehr dafür spricht, wie gut WW funktioniert – ist die tatsache, dass man die naivität sehr schnell verliert. „oh, geil, will ich essen, hab ich jetzt bock drauf“ – davor sitzt sehr schnell ein kleines teufelchen auf der schulter das sagt: „ja? haste bock drauf? lecker blätterteig, schön zucker? lecker fettige pizza? hmmm….nomnom. GUCK AUF DIE PUNKTE DU IDIOT!!!“ in meiner schwimmhalle ist unten am ausgang die obligatorische caféteria. dort gibt es pommes. nun könnte man denken, ‚hey, du bist grad ne stunde geschwommen, da wird das doch mal drin sein‘. eine stunde schwimmen bringt mir 5 punkte. eine kleine portion pommes mit mayo (150 g mit einem esslöffel mayo 50% fett) kosten 15 punkte. wenn du das im kopf hast, dann gehst du königlich erhobenen hauptes an der caféteria vorbei. der kleine teufel auf der schulter applaudiert dir. der kleine naive genussengel weint bittere tränen.

aber von nüscht kommt nüscht.

letzten donnerstag jedoch war der genussengel sauer. er war ein bockiger dreijähriger, der sich im supermarkt auf den boden wirft und brüllt. und als ich ihm wie jede gute mutter gefühlt 20 mal eine verpasst hatte, wurde ich dann doch weich. und kaufte mir eine pizza. ging mit der trophäe nach hause und – berechnete die punkte. und stellte fest: hey, in zwei portionen gegessen geht das wohl. also gabs samstag pizza. mittags ne halbe, abends ne halbe. und der genussengel ist wieder friedlich. denn auch er sieht das aktuelle gewicht:

75,7 kg

\o/

mal sehen, was ostern so bringt… 🙂

auch dabei beim belly off 3:

MC Winkel | Natascha | Marco | Hauptstadtkind | Antje | Anni | Dirk |

Mathis | Dirk |Ilovechaos |Starkilla | Lomomo | Stefan | Mary |

Rap’n’Blues | Kaal | Zeitzeugin |Sabbelkasten | Tyler | Katsuya-Fairy |

Matzel | Flyerzwomille | Dr. Sheldon Harper |Redhead | Rebecca |

Lieblingsmensch | ShadowNille | Steffi | San | Michelle |

ChliiTierChnübler | hyperrus | Björn | LennyUndKarl | Uli |

Buckelhart | Sabrina |Hucki | Gelrueb | Frau K | Jan

belly off 3 – woche 9

…uuuuund: zurück auf kurs!

eine harte, verdammt disziplinierte woche liegt hinter mir. viel sport, wenig fett, wenig alkohol und tadaa!

von 77,2 in der vergangenen woche sind es heute

76,4 kg

geht doch. ich dachte schon, das wars jetzt mit erfolgen.

übrigens, die rezepte von WW sind echt super. letzte woche entdeckt:

bavette an ziegenfrischkäse-sauce mit walnüssen und birnen, dazu salat

zutaten für 4 portionen:

200 g bavette (oder spaghetti)

100 g ziegenfrischkäse

30 g walnüsse

200 g schmand (oder cremefine wie saure sahne)

2-3 birnen

thymian

salat nach laune

 

die nudeln kochen. währenddessen schon mal den salat und die birnen schneiden. eine halbe (oder auch ganze, je nach geschmack) birne für die sauce aufheben, den salat mit birne mischen. ich hatte mir dafür einen eisbergsalat mit paprika, gurke und tomate gemacht, WW empfieht rucola-salat, ich denke, feldsalat würde auch passen.

den ziegenkäse und den schmand in einer schüssel mit 1-2 kellen nudelwasser verrühren, birne und walnüsse dazu, mit thymian (wichtig!), pfeffer und salz abschmecken. fertig.

man kann sich noch ein dressing basteln (bspw. mit magerjoghurt 0,1% fett, kräutern, salz und pfeffer), man kann aber auch einfach einen schönen balsamico nehmen. ich hatte dazu balsamico mit preiselbeere. nom.

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und so sieht das dann aus. guten appetit!

weiterhin dabei:

MC Winkel | Natascha | Marco | Hauptstadtkind | Antje | Anni | Dirk |

Mathis | Dirk |Ilovechaos |Starkilla | Lomomo | Stefan | Mary |

Rap’n’Blues | Kaal | Zeitzeugin |Sabbelkasten | Tyler | Katsuya-Fairy |

Matzel | Flyerzwomille | Dr. Sheldon Harper |Redhead | Rebecca |

Lieblingsmensch | ShadowNille | Steffi | San | Michelle |

ChliiTierChnübler | hyperrus | Björn | LennyUndKarl | Uli |

Buckelhart | Sabrina |Hucki | Gelrueb | Frau K | Jan

belly off 3 – woche 8

…und ich möchte nicht darüber reden.

und auch keine zahlen nennen. nur soviel: es ist mehr als in der vorwoche.

konsequenz daraus: mehr sport, weniger sünden. der leichte schlendrian der letzten wochen ist vorbei.

ob meine mitstreiter mehr erfolg hatten?

MC Winkel | Natascha | Marco | Hauptstadtkind | Antje | Anni | Dirk |

Mathis | Dirk |Ilovechaos |Starkilla | Lomomo | Stefan | Mary |

Rap’n’Blues | Kaal | Zeitzeugin |Sabbelkasten | Tyler | Katsuya-Fairy |

Matzel | Flyerzwomille | Dr. Sheldon Harper |Redhead | Rebecca |

Lieblingsmensch | ShadowNille | Steffi | San | Michelle |

ChliiTierChnübler | hyperrus | Björn | LennyUndKarl | Uli |

Buckelhart | Sabrina |Hucki | Gelrueb | Frau K | Jan

 

zumindest gibt es immerhin die sichtbaren und festgehaltenen erfolge:

 

levis 529 in größe 28/32. keine ahnung, wann ich die das letzte mal anhatte. bestimmt seit 3 jahren nicht.

levis 529 in größe 28/32. keine ahnung, wann ich die das letzte mal anhatte. bestimmt seit 3 jahren nicht.

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