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robert enke und die folgen

robert enke ist tot. dienstag abend verbreitete es sich wie ein lauffeuer über twitter, facebook, selbst google war diesmal langsamer als die medien 2.0. enke hat selbstmord begangen. litt seit jahren unter depressionen. und jetzt kriechen sie alle wieder aus den löchern, alle die heuchler. und sagen mit betroffener miene, dass er ja immer schon sehr still gewesen sei, aber immer so stark wirkte.

das ist genau das problem. depressive sind in der regel sehr gute schauspieler. sie können den alltag draußen meist gut simulieren, wirken etwas unnahbar, aber gefestigt. lachen auch. gehen raus. machen ihren job. machen ihn sehr gut, wie enke. und doch kann ein guter freund erkennen, dass sich etwas verändert.

nur ansprechen muss er es. denn depressionen sind heute noch ein tabuthema. dabei ist es eine volkskrankheit wie rückenschmerzen. es sind wahrscheinlich viel mehr menschen depressiv als die statistik weiß. denn ein hauptsymptom ist die nachlassende leistungsfähigkeit und die ist in einer leistungsgesellschaft inakzeptabel. die wortkombinationen „psychisch krank“ oder „in therapie“ lösen bilder aus, die mit einem „normalen“, leistungskonformen leben nicht zusammen passen.

was sich die wenigsten nicht betroffenen klar machen: depressionen sind nicht nur einfach traurige phasen. es sind chemische prozesse, die auf den gesamten menschen wirken. depressionen sind gut behandelbar. und trotzdem tragen sie noch immer den gusto von „verrückt“. das wissen auch die kranken und versuchen, wie enke ihre krankheit zu verheimlichen. weil depression oft genug auch ausschluss bedeutet. es ist für oberflächliche freunde eben nicht leicht zu verstehen, dass der freund auf einmal nicht mehr ans telefon geht, auf e-mails nicht mehr antwortet, verabredungen kurzfristig absagt. statt „was ist denn eigentlich los? soll ich mal zu dir kommen?“ dem kranken gegenüber kommt häufig ein „ich habs jetzt dreimal versucht, er will nicht, dann eben nicht“ anderen gegenüber.

jemand wie robert enke, der so zurückgezogen lebte, so viel durchgemacht hat und außerdem auch angst hatte, seinen job zu verlieren und seine kleine adoptivtochter wieder abgeben zu müssen, weil ein depressiver eben nach meinung der gesellschaft nicht in der lage ist, sein leben „richtig“ zu leben, so jemand sieht dann eben manchmal keinen ausweg mehr. abgesehen davon, dass ich persönlich selbstmord feige finde, gehe ich davon aus, dass die chemischen prozesse der depression bei enke ihr teil dazu beigetragen haben. es wäre zu begrüßen, wenn jetzt eine offenere beschäftigung mit dem thema depression an sich stattfinden würde. aber vermutlich wird es wohl einige zeit um enke gehen und darum, dass er ja ein trauriger fall war und dann wird weitergemacht. ich würde mir wünschen, dass der tod enkes nicht so sinnlos bleibt, wie er jetzt scheint, dass er damit für die depressiven in deutschland etwas bewirken kann. und vor allem würde ich mir wünschen, dass die ganzen selbst ernannten freunde und kenner enkes einfach die klappe halten. denn jeder, der sagt, er habe nichts gemerkt, hat einfach nicht richtig hingesehen.

mein tief empfundenes beileid gilt der witwe und der gesamten familie enkes sowie dem verein hannover 96, der jetzt eine nicht zu füllende lücke stopfen muss.

10 Responses

  1. hühnerschreck Says:

    noch ein paar kleine anmerkungen:

    im prinzip sind depressionen gut behandelbar. im einzelfall dauert es aber u. u. ziemlich lange, bis man auf die richtige dosis medikamente eingestellt ist, und die haben – grade zu anfang – eine menge recht unangenehmer nebenwirkungen. und man kann das zeug dann auch nicht einfach absetzen, sondern muss es langsam ausschleichen.
    schwankungen im wirkstoffspiegel sind garstig, die können u.u. dazu führen, dass jemand sich wieder so schlimm fühlt, dass er sich das leben nehmen will – und nun – dank der medikamente – auch die energie dazu hat.

    zum thema stigmatisierung: es geht doch schon damit los, dass leute, die mal wegen eines seelischen problems in ärztlicher behandlung waren, in keine private krankenversicherung mehr reinkommen.
    und – ach ja, das hattest du ja auch schon angesprochen: dass einem so viele juristische gemeinheiten drohen. mir erscheint es völlig nachvollziehbar, dass enke grade in dem extremen machosport fußball keinen anderen ausweg gesehen hat. auch mein tiefes mitgefühl an seine frau und die familie (im weitesten sinne, schließt die guten freunde ein). ich wünsche ihm, dass er nun frieden hat.

  2. Uwe Says:

    das ist ein thema, zu dem ich glücklicherweise nix sagen kann. wobei ich als trampel das problem dieser leute als letzter erkennen würde. gell, rachel?
    allerdings muss ich sagen, dass es naiv wäre, zu glauben, dass enkes tod etwas bewirken würde. in einem monat redet kein mensch mehr davon. vielleicht nochmal beim nächsten länderspiel. aber sonst wird das thema genauso schnell im regal verschwinden wie kinderporno/netzsperre, amokläufe an schulen, killerspiele usw.
    eine google-studie hat gezeigt, dass medien heutzutage blockbuster-themen nie länger als zwei wochen halten.
    BLÖD ist da ne ausnahme, weil sie a) nix anderes zu berichten haben und b) die zielgruppe nach elend lechzt. ich seh schon die schlagzeilen der nächsten monate: SO hat enke im urlaub gelitten. SO hat seine putzfrau ihn erwischt. SO, SO, SO.

    meiner meinung nach wird das thema sowieso zu sehr hochgekocht. wer war dieser enke? noch nie von ihm gehört. tragisch, sicher. aber dass selbst die tagesschau sowas als aufmacher bringt – traurig aber beispielhaft.

    auch wenn die halbwertzeit der nachricht sehr kurz ist, bleibt zu hoffen, dass die leute depression als krankheit im kopf behalten, nicht als makel.

  3. Uwe Says:

    oh mann, verflucht mich, aber humor ist, wenn man trotzdem lacht. grade erst vor ein paar tagen auf der seite meiner wahl…

    http://ruthe.de/frontend/index.php?pic=1090

  4. Ausnahmsweise ohne Namen Says:

    mal aus der sicht eines betroffenen, vor fast 20 jahren die erste diagnose, mit extremen tiefen, mit ganz normalen phasen, die in der summe überwiegen, mit tollen freunden, mit beziehungen. alles ganz normal, bis auf diese krankheit.

    aus meiner ganz persönlichen sicht reihst du dich mit diesem beitrag in genau die reihe von leuten ein, denen du das vorwirfst.

    in manchen phasen war das freundliche angebot vorbei zu kommen, das schlimmste, was in diesem augenblick passieren konnte, in einem anderen moment war es genau das richtige.
    die pauschale behauptung, freunde, familie müssten nur ein bestimmtes verhalten an den tag legen, trifft weder die unterschiede zwischen einzelnen betroffenen, noch die unterschiedlichen phasen, in denen sich der einzelne befinden kann.

    grundsätzlich ist ein verständnisvolles umfeld sicherlich förderlich, aber darauf reduziert ist auch das eine verharmlosung der sache, ein „handfestes“ krankheitsbild wie bsw. krebs würde niemanden dazu hinreissen lassen, dass bei jemandem, der trotz medizinischer versorgung verstorben ist, ein angeblich verständnisloses oder blindes umfeld die ursache für den tod sei.

    ein selbstmord, der aus der depression heraus passiert hat mit feigheit überhaupt nichts zu tun. das fällt in die gleiche kategorie wie die gut gemeinten ratschläge, man solle sich doch mal zusammenreissen.
    ebenso der vorwurf, daß irgendwer nicht richtig hingesehen hätte.
    ich habe geschauspielert bis ich nicht mehr konnte. und keiner, der nicht selber von depressionen heimgesucht wurde, hätte dieses schauspiel durchschauen können.

    die gründe bei blinden freunden zu suchen, ebenso das einem angeblichen machoberufsbild festzumachen zeigt ein missverstehen des krankheitsbildes und trägt durch das simple veröffentlichen auch nicht zu einer angemessen wahrnehmung bei.

    gut gemeint, aber trotzdem leider daneben.

    so schwer und traurig das ist, es gilt deutlich zu machen, dass die krankheit weit verbreitet ist, dass es viele behandlungsmöglichkeiten gibt, dass die ursachen aber sehr vielschichtig sein können und so hart das auch ist, man muss akzeptieren, dass trotz bester behandlung nicht jeder diese krankheit überlebt und dabei niemanden eine schuld trifft.

  5. rachel Says:

    ich wollte mitnichten sagen, dass „einfach nur“ ein paar leute sich hätten in bestimmter weise verhalten müssen und dann wäre es nicht so gekommen. was ich sagen wollte war, dass in unserer gesellschaft die antwort auf die frage „wie gehts?“ am besten immer mit „super“ beantwortet wird, da viele gar nicht wissen wollen, was einen anderen bewegt.
    ich mache es nicht mal am fußball fest, denn diese ignoranz und der gusto, den ich meine, gilt für alle lebensbereiche und berufe. wenn sein arzt (psychiater) nach sechs jahren behandlung sagt, es gab keinen grund anzunehmen, dass es soweit kommen würde, dann war enke entweder ein extrem guter schauspieler oder der arzt ist falsch in seinem beruf.
    selbstmord ist eine sehr aggressive art, sich einer situation zu entziehen. er hat seine frau allein gelassen, seine adoptivtochter, seinen verein und seine fans. er hat einen lokführer unglücklich gemacht und die fahrgäste ebenso. ABER was ich ausdrücken wollte war, dass ich denke, dass diese seine entscheidung, sich auf die gleise zu stellen, ein ergebnis dessen war, was die depressionen mit ihm gemacht haben. zumindest zu einem sehr großen teil.
    p.s.: auch ich spreche aus erfahrung.

  6. rachel Says:

    weißt du uwe, wenn ich dich nicht so gut kennen würde, würde ich auf diese kommentare eine saftige antwort schreiben. so sage ich einfach nur: manchmal hilft ein bisschen denken vor dem kommentieren.

  7. Oliver Says:

    So etwas wie es mit Robert Enke passiert ist, ist IMMER dramatisch und vielleicht hat es am Ende etwas Gutes, dass es an prominenter Stelle passiert ist. Derartige Schicksale gibt es bestimmt viel öfter in Deutschland, als wir es alle mitbekommen. Ich befürchte nur, dass schon beim kommenden Bundesliga-Spieltag alles wieder von vorne anfängt. Wer hätte sich denn noch bewusst an Sebastian Deisler erinnert, wenn er jetzt nicht durch den neuen Schicksalsschlag in den Medien präsent gewesen wäre …

  8. Uwe Says:

    ok, dann war’s das mit dem kommentieren. denken wird überbewertet…

  9. rachel Says:

    ach uwe….

  10. nachdenkliches. | Rachel Lindenbaum Says:

    […] geraumer zeit habe ich nach dem freitod von robert enke schon einmal über dieses thema gesprochen. und wie damals befürchtet und vorausgeahnt, hatte sich […]

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